In der Nacht auf den 13. ließen sich zum erstenmale die Nilpferde mit ihrem dumpfen Brüllen hören. An diesem Tage kam ein Basuto, mit Namen April, der Blockley begleitet, um von Sepopo die Erlaubniß zu erhalten, Elephanten in dessen Gebiet jagen zu können, mit 18 Masupia, welche nach dem Leschumo-Thale Korn getragen hatten und nun mit Blockley’s Gütern beladen waren; sie trugen 50—60 Pfund per Mann. Blockley selbst hoffte noch am selben Abend im Tschobe-Thale eintreffen zu können.

Am 14. zeitlich Morgens unternahm ich einen Ausflug flußabwärts und stieß auf demselben auf verlassene Eingebornengehöfte der Masupia, welche sich nach der Zerstörung des südlich an die Victoria-Fälle angrenzenden Manansa-Reiches durch die Matabele — auf das jenseitige Tschobe- und Zambesi-Ufer geflüchtet hatten. Ich fand im Thale einige Gräber von Masupia-Häuptlingen. Es waren kahle, elliptische Stellen, auf denen Antilopenschädel und Elephantenhauer aufgepflanzt waren; die letzteren so angebracht, daß ihre Spitzen nach außen und unten hervorragten. Jene, die schon vor geraumer Zeit auf das Grab gepflanzt waren, trugen deutliche Spuren des Verwitterungs-Processes an sich, sie waren gebleicht, porös und zersplittert; mehr nach der Mitte des Grabes zu, doch nahe an diesen standen ein Paar besser erhaltene, wenn auch kleiner, 20—30 Pfd. schwere — doch auch viele von diesen waren schon durch die Einflüsse der Atmosphäre beschädigt, während die zuletzt gesetzten Milchzähne, daher werthlose Gaben waren. Sie wurden in aller letzter Zeit eingepflanzt, als die Marutse den Werth des Elfenbeins kennen gelernt, und der Herrscher, trotz dieses Actes der Pietät seiner Unterthanen, seine Revenuen nicht geschmälert sehen wollte.

Auf dem Heimwege fand ich längs des Flusses Sikomoren, von denen sich namentlich eine dadurch auszeichnete, daß der Stamm, sowie die Aeste mit Feigen — leider unreifen — ungemein dicht behangen waren. Am Nachmittage kam Blockley aus dem Leschumo-Thale und bezahlte jedem Masupia als Traglohn ¼ Pfund Glasperlen. Dabei wollten die Masupia’s die ihnen angebotenen blaßrothen Glasperlen nicht annehmen; sie begehrten kaiserblaue, indem sie betonten, daß sie für dieses Geld Assagaie kaufen wollten, und der Stamm, von dem sie diese Waffen zu kaufen gewohnt waren, gegenwärtig nur an den letzteren Glasperlen Gefallen finde.

Einen recht interessanten Anblick bot die Ueberfahrt der mit Blockley zurückkehrenden Kornverkäufer. Spät am Nachmittage stiegen sie in ihre Kähne, die etwa 20 an der Zahl in der nahen kleinen Bucht lagen und ruderten dem jenseitigen Ufer zu. Je nach der Größe des Canoes hatte dieses ein bis vier der dunklen Gestalten als Bemannung. Die meisten der engen, von 7 bis 16 Fuß langen Kähne waren mit den leeren Korngefäßen, einige mit Brennholz gefüllt, auch waren hie und da Fleischstücke von einer erlegten Büffelkuh zu sehen. Die letzten der Truppe waren fünf unserer Besucher, darunter auch mein Mulekau, er hatte einen der kleinsten, die anderen, einen der größeren Kähne zur Verfügung. Da er seine Kunst im Rudern glänzen lassen wollte, bemühte er sich, vor seinen vier Gefährten das jenseitige Ufer zu erreichen. Da auch die übrigen nicht zurückbleiben wollten, entspann sich vor meinen Augen eine originelle Regatta. Es gelang zwar meinem Mulekau, einen ziemlichen Vorsprung zu gewinnen, doch in der Mitte des Stromes verfing sich ein Windstoß in den Falten seines Kubu (Mantel) und trieb ihn mit seinem Kahn zurück, während seine Gefährten ihn nun leicht überholten. Eitelkeit hatte ihm diesmal die Siegespalme entrissen, indem er sich von Pit aus den von mir für zwei Schlachtbeile eingetauschten Calico (6 Meter) eine Kubu (Decke) zuschneiden ließ, die ihm verhängnißvoll geworden war.

Am Tschobe-Ufer.

Am 15. schiffte sich Blockley ein, ich selbst mußte noch hier auf die Antwort des Königs warten und benützte die Zeit bis dahin zu weiteren Ausflügen. Ich fand weitere zwei warme, salzhaltige Quellen und vermehrte meine Fischsammlung mit einigen von den Masupias in der Bucht und in den Flußdickichten gespeerten Fischen. Auch hier hatte ich wie am Limpopo wiederholt die Gelegenheit, Krokodile nach den, auf über dem Wasser hängenden Büschen und Röhrichten sitzenden Eis- und Sumpfvögeln schnappen und sich dabei bis zwei Fuß hoch mit dem Oberkörper aus dem Wasser emporheben zu sehen.

Wildebene bei Blockley’s Kraal.

Die Nacht vom 15. auf den 16. brachte ich am Flusse zu, indem ich das nächtliche Thierleben unmittelbar am Wasser beobachten wollte. Ich wählte mir eine etwas kahle Sandstelle aus, an der ich durch einige Binsen gegen den Fluß gedeckt, mit Hilfe des Mondlichtes ziemlich deutlich Alles um mich, namentlich die Gegenstände in dem Wasser der Lagune beobachten konnte. Gegen 11 Uhr kam eine Pallah-Heerde an das obere Ende der Lagune, der führende Renner mit einem tiefen Brüllton die Sicherheit des Ortes seinen Schützlingen meldend. — Das meiste Interesse flößte mir ein Pärchen der großen Fischotter ein, welches von dem Schilfrohrdickicht am jenseitigen Ufer der kleinen Bucht ausgehend, den seichten Rand derselben abjagte und im Fischfang weit mehr Geschick zeigte, als die zahlreich aus dem Wasser emporschnellenden Krokodile.