Die Thiere blieben etwa zwei Fuß vom Wasser entfernt, am Rande des Gewässers einige Momente stehen, dann sprangen sie vorwärts und liefen rasch durch einige der nächsten Binsen, indem sie mit den Schnauzen die Stellen um die Binsenwurzeln absuchten; kehrten hiernach wieder zurück und auf’s Ufer, um da die Beute zu verzehren, welche mir nur aus kleinen Fischen zu bestehen schien.

Am nächsten Tage machte ich einen größeren Ausflug flußaufwärts, doch war ich nicht im Stande, obgleich es eine interessante Hetzjagd war, weder einer der Roen-Antilopen oder Pallahgazellen, noch eines der zahlreichen Paviane habhaft zu werden; hingegen war es mir vergönnt, namentlich schöne große Eisvögel (Ceryle Maxima), ferner Bienenfänger und Kukuke zu beobachten. Nachmittags begrüßten mich am jenseitigen Ufer mehrere rasch aufeinander folgende Gewehrschüsse, es war das Rumela (der Gruß), welchen der Häuptling Makumba abfeuerte, um mir anzuzeigen, daß die zum Könige abgesandten Boten mit einer für mich befriedigenden Antwort von Schescheke angelangt waren. Der Sitte gemäß hatte ich darauf in ähnlicher Weise zu erwidern und benützte diesen Anlaß, um nach den Früchten des Maschungulubaumes zu schießen. Da es mir gelang, einige derselben zu spalten, andere zu durchbohren, hatte ich in den Augen der anwesenden Masupia’s sehr an Ansehen gewonnen. Bald darauf stießen zwei kleine Kähne vom jenseitigen Ufer ab, um mich hinüber zu bringen. Der untere Tschobe wie der Central-Zambesi sind tiefe Ströme (ich schätze ihre Tiefe auf 30 bis 40 Fuß), welche selbst größeren Dampfern freie Schifffahrt ermöglichen. Leider sind die schiffbaren Strecken nach je 50 bis 100 englischen Meilen durch Felsenbänke unterbrochen, welche Stromschnellen verursachen.

Am jenseitigen Ufer gelandet, wurde ich mit abermaligen Schüssen von Makumba begrüßt und hatte sie zu erwidern. Was mir beim Betreten des Masupiadorfes sofort auffiel, waren die aus Schilfrohr erbauten Hütten und Gehöfte. Die meisten waren nach dem System der Doppelbauten, wie ich sie bei Mosilili’s Ruinenstadt antraf, errichtet. Dieselben hatten einen Durchmesser von 9 Fuß, die äußeren einen solchen von 25 Fuß bei einer Höhe von 12 Fuß. Weder zuvor noch später beobachtete ich so hohe Schilfrohr-Umzäunungen wie in Impalera und bei einem Zweigstamme der Marutse. Das Schilfrohr war hier in seiner ganzen Höhe belassen, einestheils, um das Spiel der Winde abzuhalten, anderntheils, um dem andringenden Schwalle des Hochwassers in den Sommermonaten besser zu widerstehen und die Hütten zu schützen. Einige Hütten zeigten Backofenformen, bestanden aus einer Veranda und zwei Kammern und waren aus Schilfrohr und Gras aufgeführt.

In der Mitte der Niederlassung auf einem Rasenplatze stand eine Berathungshütte, d. h. eines jener kegelförmigen, auf einigen dünnen Pfählen ruhenden Strohdächer, und in diesen fiel mir besonders ein länglicher, hohler Gegenstand, eine Morupa (Trommel) auf, welche sich, wie ich später erfuhr, in den meisten Dörfern des Marutse- und Masupia-Reiches vorfindet. Das Trommelfell ist durchbohrt und ein Stäbchen durch die Oeffnung gesteckt, durch welches oben ein Querstäbchen läuft. Man entlockt dieser Trommel einen dem Knarren neuer Stiefel nicht unähnlichen Ton, und wird derselbe dadurch erzeugt, daß man das Stäbchen im Innern der 1½ Fuß langen röhrenförmigen Trommel mit der, mit einem befeuchteten Baobab-Baststücke umwickelten Hand schnell reibt. Die Trommel findet nur dann Verwendung, wenn die Insassen des Dorfes den siegreich von einer Löwen- oder Leopardenjagd Heimkehrenden entgegengehen, um sie mit Gesang und Tanz zu empfangen.

Ich wurde von Makumba, einem dunkelfarbigen Masupia von etwa 40 Jahren, freundlich empfangen und traf noch am selben Tage zwei englische Officiere, Captain McLoud und Fairly, sowie Herrn Cowley, welche von Natal der Jagd halber an den Zambesi gereist waren. Sie hatten auch deshalb Sepopo ersucht, sein Reich betreten zu dürfen. Der König sagte es zu, und die Herren waren, nachdem sie ihm ihre Geschenke überbracht, eben im Begriffe, nach Panda ma Tenka zu ihren Wägen zurückzukehren, um sich für die großen Jagden im Marutse-Reiche zu rüsten. Leider wurden sie bitter enttäuscht und trotz aller ihrer Opferwilligkeit von Sepopo nicht gut behandelt.

Captain McLoud erzählte mir, daß er einen Elephanten erlegt habe, dessen Hauer je hundert Pfund schwer waren. König Sepopo hatte sie in Empfang genommen und ihm nach seiner Rückkehr nach Schescheke zwei andere, die er selbst erbeutet, als Ersatz versprochen. Makumba hatte uns in einer seiner Wohnungen mit Butschuala (Kafirkornbier) bewirthet. Es wurde in großen Holztöpfen servirt und mit aus Kürbisschalen verfertigten Schöpflöffeln getrunken. Während des Gespräches machte Makumba, der seinem König treu ergeben war und später sogar sein Leben für ihn aufopferte, mich auf des Königs Eigentümlichkeiten aufmerksam, damit ich mein Betragen darnach einrichten konnte. Bevor ich Impalera verließ, machte ich wiederholt Gänge durch das Dorf und fand, daß man die Niederlassung in drei Gehöftgruppen eintheilen konnte. Die dem Flusse anliegende Gruppe zählte 135, jene gegen den einige hundert Schritte nach Norden zu liegenden Hügel, auf dem die Bewohner von Impalera sich bei Hochwasser zu flüchten pflegen, 25 und die westliche 32 Wohnungen. Die Frauen des Dorfes trugen keine Schürzen, wie wir sie in so mannigfacher Form bei den Betschuana’s finden, sondern bis an die Knie reichende aus gegerbtem Leder verfertigte Röckchen. Im Allgemeinen fand ich das Aussehen der Leute bedeutend besser, als das der Betschuana.

Makumba verließ noch am selben Tage Impalera, um sich nach seiner Residenz, welche am linken Zambesi-Ufer liegt, zu begeben. In Impalera wohnte nur eine seiner Frauen mit ihren Dienerinnen, um für den Häuptling das Feld zu bestellen, und ihn zu empfangen und zu bewirthen, so oft er Impalera mit seinem Besuche beehrte. Er kam diesmal, um mich in des Königs Namen zu bewirthen. Als ich ihm für seine Freundlichkeit dankend, ein Geschenk anbot, wies er dieses mit den Worten zurück. »Würde ich es thun, so hätte ich es mit meinem Leben zu büßen, wir dürfen von keinem Fremden, ob Schwarzer oder Weißer ein Geschenk annehmen, bevor nicht der König eines empfangen.«

Spät am Nachmittage des 17. brachen wir auf, um zu der Landungsstelle am Zambesi zu gelangen, welche in der Nähe eines großem Baobab gelegen, Makumba-Hafen genannt wird. Die Bootsleute errichtetem für mich und Blockley einen Skerm; hier verbrachte ich am Ufer des Riesenstromes, nach dem ich mich jahrelang gesehnt hatte, die erste Nacht zu. Die Makumba-Landungsstelle liegt unmittelbar an den schon erwähnten Stromschnellen des Zambesi, kaum vier englische Meilen oberhalb seiner Vereinigung mit dem Tschobe. Vor uns im Strome lagen die zahlreiche theils bewaldeten, theils beschilften Inseln. An einigen über die Stromschnellen hängenden kahlen Aesten saßen Schlangenhalsvögel, und an den hervorragenden braunen Felsenrissen hatten Kormorane Stellung genommen. Sie tauchten in die Fluth, ließen sich von dem Wasser nach abwärts tragen und fischten, mieden jedoch die von Krokodilen bewohnten Tiefen. Auffliegend, ließen sie sich wiederum an den Felsenblöcken nieder und breiteten ihre Flügel aus, um sie zu trocknen. Wir schossen mehren der Vögel, doch konnten wir uns nur zweier bemächtigen, die übrigen, wie ein von mir erlegter Schrei-Seeadler (Haliaëtus vocifer), wurden von dem Wasser fortgetragen und fielen den Krokodilen zur Beute. Während der Nacht ließen sich die Nilpferde in Intervallen von zehn zu zehn Minuten hören, doch blieben wir in Folge des mächtigen, gegen den Fluß zu angezündeten Feuers von einem Besuche der unwillkommenen Gäste verschont.

Am 18. unternahm ich nach Sonnenaufgang meine erste Bootfahrt auf dem Zambesi. In einem gebrechlichen, kaum 18 bis 20 Zoll breiten, aus einem Baumstamme ausgehöhlten Kahne, dessen Bord nur 2½ Zoll über das Wasser ragte, schaukelt sich der Reisende auf der klaren Fluth, die unter ihm schwärzlich-blau erscheint und von der großen Tiefe des Stromes spricht, während sie sich vor und hinter ihm als ein dunkelblaues Band hinzieht und die in allen Nüancen des Grün prangenden Inseln umschlingt. Zu unserer Rechten, etwa sechs Fuß über dem Strome, erhebt sich eine dichte Wand des riesigen Schilfrohrs, welche sich stellenweise meilenweit in’s Land hineinzieht. Hie und da gewahren wir förmliche Grotten in der ganzen Breite dieser Schilfrohrmassen, zu welchen Gänge — die Pfade der Nilpferde — führen, welche dieser riesige Dickhäuter benützt, um vom Flusse aus auf die Weide gelangen zu können. Zahlreiche schöne Winden mit rothen Blüthen schlängeln sich an den Schilfrohrstängeln empor und beleben in anmuthiger Weise die dunkle Wand des rauschenden Schilfwaldes. Zu unserer Rechten breitet sich eine morastige Schilfinsel aus, ringsum von den wunderlichen Formen der Papyrusstaude, wie mit einem spitzen Kragen umsäumt, die äußersten der Stauden, deren Stängel theilweise vom Wasser bespült werden, bewegen deutlich ihre Fiederköpfe, sie zittern und jene an der stärkeren Strömung schaukeln hin und her. An kleinen freien Stellen zwischen den phantastischen Gebilden der Papyrusstauden sieht das Auge hie und da plötzlich weiße, rothe, graue, oder schwarze Farbentöne durchschimmern und bevor wir uns noch dessen versehen, ist ein Silber-, Purpur- oder grauer Reiher aufgeflogen, während wir zahlreiche kleinere Arten des Reihers, der Dommel und anderer Sumpfvögel, an den etwas gebeugten Stängeln der Staude nach Fischchen auslugend, beobachten können.

Biegt man in einen der von den Bootsleuten seltener aufgesuchten Arme ein, so sieht man sich bald von Wildgänsen und Enten umschwärmt, während die Sandbänke von Klaffschnäblern, Strandläufern und drei Möwenarten wimmeln. Durch ihren langgezogenen Schrei ziehen die pärchenweise auf Bäumen oder an erhöhten Uferstellen sitzenden Schrei-Seeadler die Aufmerksamkeit des Reisenden auf sich; immer wieder tauchen neue und anziehende Erscheinungen aus der Thierwelt an dem Ufer des mächtigen Stromes auf. Zu der interessanten Uferscenerie, dem durch eine bunte vielstimmige Vogelwelt belebten Schilfrohrwald zu unserer Rechten und den Papyrusdickichten zu unserer Linken gesellt sich noch der Reiz, den die Fahrt in dem Canoe auf den Reisenden ausübt. Wir können uns kein malerischeres Bild denken, als die Bemannung der die Fluthen schnell durchschneidenden und doch schwer beladenen Kähne, die dunklen Gestalten der Marutse mit ihren langen Rudern und ihren aus gegerbten Fellen bestehenden, mit weißem und rothem Calico umwundenen, im Winde flatternden Schurzfellen. Der am Bootschnabel stehende Mann lenkt denselben. In einem Tempo werden die Ruder in’s Wasser getaucht und diese Bewegung zuweilen mit Gesang begleitet. Unmittelbar hinter dem vordersten Ruder sitzt der Reisende und hinter ihm haben in der Regel noch drei bis vier, doch zuweilen bis eilf weitere Bootsleute Posto gefaßt und führen stehend ihre Ruder. Die längsten der Kähne messen 22 Fuß.