Ich schätze die Breite des Flusses, je nachdem und in welcher Anzahl Inseln denselben verbreitern, auf 300 bis 1000 Meter. An vielen Stellen ist das Ufer unterwaschen und senkt sich unmittelbar zur Tiefe des Stromes. An den beschilften Stellen beträgt die Tiefe, acht Fuß vom Ufer entfernt, sechs Fuß, während dieselbe Tiefe an den mit Binsen bewachsenen Stellen erst in einer Entfernung von 20 Fuß beobachtet wird.

Nach einer dreistündigen Bootfahrt lichtete sich das rechte beschilfte und bewaldete Ufer zu einer in weiter Ferne von einem Gehölze begrenzten und von zahllosem Wilde belebten Grasebene, welche die Masupia und Marutse, Blockley zu Ehren Blockley’s-Kraal benannt haben. Hier verließ ich das Boot und ging dem Ufer entlang weiter. Nahe an dem Schilfwalde, häufiger noch am Rande des Laubwaldes, trieben sich Büffelheerden herum. Zum erstenmale beobachtete ich hier Letschwe- und Puku-Antilopen, welche in Heerden zu Hunderten auf den Grasebenen weideten. Die ersteren Thiere größer, die letzteren kleiner als die Bläßbock-Antilopen, waren durch ein gelblich-braunes (wie bei allen Wasserantilopen) dichtzottiges Fell und ein Paar nach vorwärts gekrümmter Hörner ausgezeichnet. Außerdem sah ich Trupps von Rietbockgazellen im hohen Grase hinter den Schilfrohrpartien. Nach dem Gehölze zu bemerkte ich zahllose Heerden von Zebra’s und kleinere 10 bis 20 Stück zählende Trupps des gestreiften Gnu.

Nilpferdjagd.

Wir fuhren stets nahe am Ufer und dies namentlich, um den tagsüber sich in der Strommitte aufhaltenden und nur zeitweilig an der Oberfläche auftauchenden Nilpferden auszuweichen. Hatten wir an manchen Stellen der Strömung halber den Fluß zu kreuzen, so wurde dies von den Bootsleuten so schnell wie möglich ausgeführt. Als wir das linke Ufer mit dem an der betreffenden Stelle von einer Papyrus-Insel gebildeten rechten, vertauschten und stromaufwärts dahin glitten, fiel es mir auf, daß die Leute plötzlich innehielten und der mir zunächst stehende Ruderer mir das Wort Kubu zuflüsterte. Ueber die Bedeutung dieses Wortes blieb ich nicht lange im Zweifel, denn mein freundlicher Nachbar wies auf eine etwa 200 Schritte entfernte Stelle im Strome vor uns, an welcher ein dunkler kurzer Klotz auftauchte und dem ein niedriger doppelter Wasserstrahl entstieg, bald darauf erschien auch ein zweiter. Es waren die Köpfe von Nilpferden. So wie die dunkle Masse unter dem Wasser verschwand, wurde äußerst leise und langsam vorwärts gerudert, und als wir mit der Stelle, wo die Thiere zuerst erschienen, in eine Linie gekommen waren, wurde wieder stille gehalten. Blockley und ich hielten unsere Gewehre schußbereit; zuerst erschienen diesmal die Köpfe zweier junger Thiere, dann der große Kopf des männlichen Thieres, dem jener eines weiblichen unmittelbar folgte. Von acht auf die beiden letzteren abgefeuerten Schüssen trafen zwei den Alten hinter das Ohr. Die Bootsleute behaupteten, daß das Thier tödtlich getroffen sei, und es mußte auch der Fall gewesen sein, denn obgleich wir noch eine Stunde lang gegen den Willen der Eingebornen, welche, wenn nicht mit den kleinsten ihrer Kähne und mit eigens dazu verfertigten Speeren ausgerüstet, aus der Nähe dieser Thiere so schnell wie möglich zu kommen trachten, auf derselben Stelle blieben, tauchten immer wieder nur drei Köpfe, nicht aber jener des Alten auf.

Unter den größeren Säugethieren Südafrika’s halte ich das Hippopotamus dem unbewaffneten Menschen gegenüber für das gefährlichste. In der freien Natur kennt und leidet das Thier nur jene Objecte in seiner Nähe, die es stets um sich sieht. Jeden ihm fremd erscheinenden Gegenstand behandelt es als einen seine Ruhe störenden Feind; trifft es bei seinem Ausgange oder Heimwege zum Flusse (in den Schilfrohrgrotten) ein solches Object, mag es nun ein Ochs, ein Pferd, ein Stachelschwein oder eine Kiste, ein angestrichener Holzblock, eine quer über gehängte Wolldecke oder gar ein menschliches Wesen sein, so stürzt es sofort darauf los, um sich den Weg frei zu machen. Geschieht es nun, daß der betreffende Gegenstand rasch entfernt wird oder daß sich das lebende Wesen in die Büsche zurückzieht, so geht das Nilpferd seines Weges ruhig weiter, es hat den Gegenstand, der seinen Stumpfsinn für einen Moment aufgeregt hat, vergessen.[9] Vor ihm findet der unbewaffnete Mensch, der doch so oft aus einer Begegnung mit dem Löwen und in der Mehrzahl der Fälle, aus einer solchen mit dem Leoparden, und Büffel (wenn er diese Thiere nicht gereizt) unbehelligt hervorgeht, keinen Pardon.

Wird von mehreren auf derselben Stelle im Flusse auftauchend Nilpferden eines verwundet, so kommen die Uebrigen seltener zur Oberfläche des Wassers, und war die Wunde eine tödtliche, so erscheint das leblose Thier eine Stunde nach seinem Tode an der Oberfläche und treibt mit den Wellen abwärts. In einem solchen Falle verstehen es die Völker des Marutse-Reiches sich auf leichte Weise des Kadavers zu bemächtigen. Ein an eine Grasschnur befestigter Stein wird über dem Cadaver geworfen, und indem man das freie Ende der Schnur in der Hand festhält, vermag man mit einem leisen Zuge der Hand den Coloß gegen das Ufer zu ziehen. Die Bewohner des Marutsereiches, vor Allem aber die längs dem Zambesi-Ufer wohnenden, Marutse, Masupia, Batoka und namentlich jedoch die letzteren, welche ob ihrer Geschicklichkeit im Jagen dieses Dickhäuters von den Marutsekönigen aus ihren am oberen Zambesi befindlichen Wohnsitzen geholt und längs dem Flusse in kleinen Dörfern angesiedelt wurden, um den königlichen Hof sowohl, wie die in den am Flusse grenzenden den Provinzen wohnenden Häuptlinge mit frischen und getrockneten Fischen und Nilpferdfleisch zu versorgen, sind passionirte Jäger des Thieres.

Diese Stämme haben die kleinsten ihrer Kähne, die kaum eine Person tragen und äußerst schwierig zu regieren sind, jedoch blitzschnelle Bewegungen zulassen, Mokoro tschi Kubu (Nilpferdkanoe) genannt. Zur Jagd bedienen sie sich besonders großer, mit einem einfachen Widerhaken versehener, langgestielter Assagaie, welche jedoch, da der Stiel aus weichem Holze gearbeitet ist, nicht schwerer als die gewöhnlichen kleineren Wurfspeere sind. Als ich später nach Schescheke kam, berichtete man mir einen höchst traurigen Fall, der sich im vorigen Jahre (1874) auf einer Sandbank in der Nähe dieser Stadt abgespielt hatte. Ein den Fluß herabfahrender Masupia bemerkte an der Sandbank ein schlafendes Nilpferd und hielt es für eine leichte Sache, dasselbe zu erlegen. So geräuschlos wie möglich heranrudernd, kam er in die unmittelbare Nähe des Thieres. Er steigt aus dem Boote, nähert sich dem Thiere und stößt ihm den Speer hinter die Schulter ein. Doch das Eisen erzeugte nur eine unbedeutende Wunde, indem es an einer Rippe abglitt. Bei dem Stoße erhob sich das Thier und wandte sich so rasch, daß der Mann nicht bei Seite und aus seinem Gesichtskreise springen konnte. Da er sich jedoch sofort von dem Thiere angegriffen sah, warf er sich flach auf die Erde, um sich unsichtbar zu machen. Doch er mußte diese Bewegung nicht behend genug ausgeführt haben, um selbst das stumpfsinnige Geschöpf zu täuschen, denn das Thier warf sich auf ihn und wollte den Mann zertreten. Als dieser sich wehrend den rechten Arm ausstreckte, fühlte er denselben auch zwischen den scharfen Hauern des Feindes und bis auf einen Hautlappen durchbissen. Der unwillkürliche Versuch, auch die linke Hand zur Abwehr auszustrecken, hatte eine völlige Amputation derselben zur Folge. Vorüberfahrende Fischer fanden den Verstümmelten in sterbendem Zustande.

Ich habe wiederholt Nilpferdfleisch genossen, doch konnte ich demselben keinen besonderen Geschmack abgewinnen. Als ein Leckerbissen wird die gelatinöse dicke Haut desselben gebraten betrachtet. Roh zugeschnitten, gibt sie gute Handhaben für Messer und kleinere Werkzeuge, da sie getrocknet zusammenschrumpft und den Eisentheil festhält.

Wird von den Masupia oder Marutse flußaufwärts oder abwärts bis zu zehn geographischen Meilen von Schescheke entfernt, ein Flußpferd erlegt, so wird beinahe in allen Fällen die Hälfte nach Schescheke dem Könige überbracht, dabei gilt der Brustkorb als Königsstück. In der Regel verläßt das Hippopotamus sein Element am Abend und geht auf die Weide, wobei es oft wählerisch ist und zuweilen grasend neun englische Meilen stromaufwärts streift, um bei Tagesgrauen den Heimweg nach dem Flusse anzutreten, d. h. die Stelle aufsucht, an der es am Tage im Flusse oder in der Lagune geweilt, und seine Anwesenheit durch wiederholtes Auftauchen und »Blasen« kundgibt. Zuweilen wurden die Flußpferde neun bis zehn englische Meilen weit vom Strome im Walde und dann meist schlafend angetroffen. Weniger beschwerlich ist die Jagd auf diese Thiere im östlichen und südlichen Matabele, sowie im Maschona-Land, wo sie im Süden vom Limpopo, im Norden vom Zambesi die Zuflüsse aufwärts verfolgen und sich in der Tangente derselben aufhalten. Matabele-Händler berichteten mir Fälle, in welchen Maschonas vor ihren Augen mit breitschneidigen Dolchen die Nilpferde im Wasser angriffen und auch bewältigten.