Die Nilpferde waren in früheren Jahren über ganz Südafrika verbreitet; die an den Felsenhöhen angetroffenen Gravirungen der Buschmänner beweisen, daß sie einst nicht nur die Flüsse, sondern auch die salzhaltigen Regenpfannen bevölkerten.

Man findet sie noch in den Flüssen Natals und in der Cap-Colonie berichtete man mir, daß sie noch am Unterlaufe einiger der Flüsse in Kaffraria vorgefunden werden. Im centralen Südafrika trifft man sie von Süden her zuerst im Limpopo an. Obgleich der Zambesi von Krokodilen wimmelt, und sie die Hauptursache waren, warum die Bootsleute so sehr die Nilpferde mieden, sahen wir doch kein einziges. Die Ufer bestanden aus Thon und Humus in abwechselnden 2 bis 18 Zoll starken Lagen, von einer torfähnlichen Masse aus den angeschwemmten und vermoderten Pflanzenresten gebildet. Hie und da, wo eine seichte Einsenkung aus der Grasebene zu unserer Rechten in eine Rinne endend, am Flusse ihren Abschluß fand, hatten die Masupia-Fischer ein bis zehn Fuß hohes Schilfrohrgitter errichtet und damit die Vertiefung gegen den Fluß zu abgesperrt. Wir machten etwa 3 bis 3½ englische Meilen per Stunde und kreuzten an dem ersten Tage zehnmal den Strom und dies theils um scharfen Biegungen desselben, theils um der starken Strömung auszuweichen. Während wir einen Ueberblick über die Grasebene zur Rechten (Blockley’s Kraal) mit all’ ihrem Wildreichthum bis an das sie begrenzende Gehölze genossen, war uns der Ausblick nach Süden und Westen durch hohes Schilfrohrdickicht vollkommen verwehrt. Diese lagunenreichen Dickichte zwischen dem unteren Tschobe und dem Zambesi sind ein wahrer Lieblingsaufenthalt der Elephanten und Nilpferde. Auf einer sandigen Insel, auf welcher wir eine verlassene Hütte trafen, schlugen wir unser Nachtlager auf. Während einige mit ihren Assagaien und Messern das Schilfrohr abschnitten, es zu Bündeln banden, gruben andere mit den gleichen Werkzeugen Löcher in den Sand, in welchen die zu Pfählen verbundenen Schilfbündel eingelassen wurden. Inzwischen hatten drei Kähne abgestoßen, um vom gegenüberliegenden Ufer getrocknetes Gras herbeizuschaffen und es auf die oben in ihren Wipfeln vereinigten Rohrbündel zu werfen. Die nachtmützenförmige etwa 4½ bis 6 Fuß hohe, 2 bis 2½ Fuß breite Hütte war von den Männern in unglaublich kurzer Zeit fertiggestellt.

Am folgenden Vormittage passirten wir am linken Ufer einen an seiner Mündung etwa 50 Meter breiten, an Krokodilen reichen Fluß Kascha oder Kaschteja (der von Livingstone gebrauchte Name Madschilla mußte bei den Makololo im Gebrauche gewesen sein). Schon einige hundert Schritte oberhalb der Mündung verengte sich der Fluß stellenweise bis zu 15 Meter; trotz der stellenweise geringen Tiefe (drei Fuß) wäre das Durchwaten desselben ein gefährliches Wagestück, denn die getrübte Fluth verräth die tückischen Insassen des Gewässers nur zu deutlich. Wir begegneten mehreren Kähnen mit Leuten aus Makumba’s Stadt, welche Elfenbein nach Schescheke zu Sepopo gebracht hatten und nun mit Schießmaterial und zwei Wolldecken als Gegengeschenk auf dem Heimweg waren. Nach einem erfrischenden Bade an einer seichten und ungefährlichen Stelle steuerten wir rüstig weiter, um noch vor Abend die neue Residenz zu erreichen. Die Nähe dieser tsetsefreien Niederlassung der Masupia verkündeten uns schon kleine Viehheerden, welche längs des Flusses und wohl bewacht weideten.

Alt-Schescheke lag etwa 1½ Meilen westlich von der Stelle, wo der Strom von Süden her eine plötzliche Wendung nach Osten macht, an einer Zambesi-Lagune. Der Marutse-Hof residirte von jeher in dem fruchtbaren und für die Viehzucht so wohlgeeigneten Mutterlande Barotse. Sepopo, zur Zeit meines Besuches König des Reiches, hatte sich viele Grausamkeiten unter seinem Stamme zu Schulden kommen lassen, weshalb er in der Barotse mißliebig wurde, seine Residenz verließ und sich in der zum größten Theile durch die Tsetse inficirten Masupia-Provinz niederließ. Ein zweiter Grund der Uebersiedlung war seine Unzufriedenheit mit den portugiesischen Elfenbeinhändlern von der Westküste, deren Waaren ihm im Vergleiche zu jenen Westbeech’s werthlos schienen, weshalb er bemüht war, seine neue Residenz den von Süden kommenden Händlern näher zu rücken.

Als wir uns der Residenz näherten, rieth Blockley an, unsere Ankunft mit einem Rumela anzuzeigen. Kaum waren die Salutschüsse verhallt, erschienen Menschengruppen unter den Bäumen und einige zwanzig Schüsse folgten sofort als Gegengruß; sie bewiesen, daß sich der König unter der Menge befand und selbst die Anlage der neuen Stadt leitete. Unter dem Geschrei der Menge, das uns nun entgegenscholl und welches die Bootsleute aneiferte, hatten wir eine Viertelstunde später das Ufer an den Bäumen erreicht und an eine Stelle, wo einige Kähne an’s Land gezogen waren, angelegt. Zur Audienz bei dem Herrscher am centralen Zambesi hatten wir in Gala zu erscheinen, meine Bestürzung war daher keine geringe, als zur Completirung des Anzuges mein Hut fehlte. Blockley ließ mir kaum Zeit, mein Gepäck zu durchsuchen, denn schon ertönten von den Bäumen her die Klänge der Myrimba.

Wie ich schon früher erwähnte, war mein Kommen dem Könige seit mehreren Monaten bekannt, er hatte sich wiederholt bei Westbeech und Blockley um mich erkundigt und geäußert: »Wenn doch der Njaka käme, der wie Monari (Livingstone) in seinem Reiche reisen wolle.« Deshalb sollte sich auch mein Empfang feierlicher gestalten, als er seit Livingstone den 15 Blaßgesichtern, die vor mir das königliche Antlitz Sepopo’s geschaut, bereitet worden war.


[9] Dies Alles beruht wohl auf der Gehirnquantität der Körpergröße des Thieres gegenüber.

VII.
Der erste Besuch im Marutse-Reiche.

Mein Empfang bei Sepopo. — Der Libeko. — Sepopo auf Schleichwegen. — Sepopo’s Residenz. — Geschichte des Marutse-Mabunda-Reiches. — Die Stämme des Reiches und ihre Wohnsitze. — Unterthanen-Verhältnisse derselben. — Die Sesuto-Sprache. — Portugiesische Händler am Hofe Sepopo’s. — Sepopo erteilt mir die Erlaubniß zur Bereisung seines Landes und beschreibt mir den einzuschlagenden Weg. — Der Bau von Neu-Schescheke. — Brand von Alt-Schescheke. — Culturstufe der Stämme des Reiches. — Der Aberglaube und seine Opfer. — Thronfolge. — Machtbefugnisse des Herrschers. — Das Bauwesen bei den Völkern des Reiches. — Dreifache Bauart der Hütten. — Das Innere des königlichen Gehöftes. — Der Kischitanz. — Sepopo’s Musikcapelle. — Die Musik-Instrumente bei den Marutse-Mabunda’s. — Kriegstrommel. — Die Kischitänzer-Masken. — Rückfahrt nach Impalera. — Ankunft in Panda ma Tenka. — Ein Löwenabenteuer.