Bevor ich noch die Erzählung meiner Erlebnisse am ersten in Schescheke zugebrachten Tage beschließe, will ich noch einer Episode erwähnen, die sich während des Impote-Trinkens zutrug. Es erschienen nämlich während desselben vier mit Elfenbein beladene Männer, legten ihre Last auf einen Haufen der in der Mitte der Umzäunung niedergelegten Elephantenzähne, knieten dann nieder und klatschten in die Hände, indem sie zugleich fünfmal mit der Stirne die Erde berührten und »Schangwe, Schangwe« riefen. Dann standen sie auf und setzten sich in die hinterste Reihe und blieben hier so lange ruhig sitzen, bis der König sein Mahl beendet. Sodann krochen sie, dazu aufgefordert, etwas näher und klatschten sowohl während als nach seiner Rede leise in die Hände und erzählten mit einem nicht endenwollenden Wortschwall die Jagd, auf welcher sie das Elfenbein erbeutet. Der König befahl ihnen am nächsten Tage wiederzukommen, um Schießbedarf und eine kleine Belohnung entgegenzunehmen. Das Elfenbein war als Krongut sein Eigenthum und die an die Unterthanen ausgegebenen Gewehre waren diesen nur geliehen, d. h. wurden stets als des Königs Eigenthum betrachtet und konnten jeden Augenblick zurückgefordert werden.
Bei den anderen Weißen, die den König besuchten, war es Sitte, das Geschenk, welches die Erlaubniß des Königs, das Land zu betreten, erwirken sollte, vom rechten Tschobe-Ufer aus, bevor man noch Impalera betreten, zuzusenden. Von mir wurde dies nicht gefordert, sondern ich überreichte mein Geschenk, welches in einem Snider-Hinterlader und 200 Patronen bestand, erst nach meiner Ankunft.
Während das Nachtmahl am vorhergehenden Abend vor der Hütte eingenommen, wurde das Frühstück in der Wohnung servirt. Die längliche einem acht Fuß hohen Giebeldache nicht unähnliche Grashütte war durch eine Scheidewand in zwei Hälften getheilt, in der vorderen Kammer, in welcher wir unser Frühstück einnahmen, waren die Wände mit Marutse-Waffen, riesigen Gewehren und auffallenden Kleidungsstücken darunter einer portugiesischen Dragoner-Uniform, und riesigen Elephantenzähnen geschmückt. Ich benützte die günstige Stimmung des Königs um mir von ihm Aufklärungen über die Geschichte der Marutse und seines Reiches geben zu lassen, und will im Folgenden diese Aufschlüsse, soweit sie mir später von Häuptlingen bestätigt wurden, wiedergeben.
Von Sebituani angeführt, war ein Zweigstamm der zwischen dem oberen Oranje- und oberen Vaal-River wohnenden Basuto nach Norden ausgewandert. Der Durchzug durch die Betschuana-Reiche wurde von denselben mit Gewalt erzwungen und nach der Unterjochung vieler am centralen Zambesi und unteren Tschobe, namentlich der östlichen Bamaschi und der Marutse ein an 2000 Quadratmeilen umfassendes Reich, das der Makololo gegründet, außerdem viele Völker des Ostens bis an den Kafuefluß tributpflichtig gemacht. Als jedoch schon unter dem folgenden Herrscher Sekeletu Zwistigkeiten unter den Makololo ausbrachen und sich diese zu offenem Parteikampfe steigerten, griffen die unterjochten Marutse zu den Waffen, warfen sich auf die zwischen dem Tschobe und Zambesi sich aufhaltenden Makololo und schlugen diesen ohnehin auch durch die Malariafieber decimirten Stamm in mehreren Gefechten, wobei die gesammte männliche Bevölkerung bis auf zwei Männer und die Knaben ausgerottet wurde. Von den südlich vom Tschobe wohnenden Makololo traf auch die etwa 2000 Köpfe zählende männliche Bevölkerung ein ähnliches Los. Wären sie am rechten Tschobe-Ufer geblieben, so hätte das Makololoreich bis heutigen Tags noch fortbestanden, so aber fürchteten sie die durch die Mabundas und andere unterjochten Völkerschaften verstärkten Marutse, verließen das Stromgebiet des Tschobe und wandten sich zu den westlichen Bamangwato, nach dem N’gami-See; sie wurden von dem Könige derselben, Letschuatabele, scheinbar freundlich aufgenommen, allein ihre Vernichtung war schon im Vorhinein beschlossen. Der Abgesandte des Königs begrüßte sie mit den Worten: »Wenn Ihr Freunde der Bathowana seid, dann lasset Eure Speere und Schlachtbeile draußen bei Euren Frauen und kommt als Freunde in die Stadt.« Das thaten auch die Makololo. Kaum waren sie aber im Berathungsraume angelangt, d. h. in die Kotla eingetreten, als die Bathowana den Eingang mit Aesten und Baumstämmen versperrten und die in der Umzäunung befindlichen Makololo bis auf den letzten Mann niedermetzelten. Mit den Frauen geschah dasselbe wie bei den Marutse, die Sieger theilten sie unter sich, der König wählte sich die schönsten, dann kamen die Häuptlinge an die Reihe und der Rest wurde vom Herrscher verschenkt. Seither finden wir unter den dunkelgefärbten Bathowana’s und den nördlich vom Zambesi wohnenden Völkern des Marutse-Reiches Frauen von braunem Teint, auf welche sich die dunklen Stämme nicht wenig einbilden, da sie das lichtere Colorit als eine Veredelung ihrer Race ansehen. Sepopo nahm nun das Land der Makololo mit Ausnahme des östlichen Bamaschi-Territoriums und ihres südlich vom Tschobe gelegenen Gebietes (aus Furcht vor den Matabele) in Besitz.
Nördlich von den Marutse erstreckte sich das Mabunda-Reich, welches von Königen aus der Herrscherfamilie der Marutse regiert wurde. Vor wenigen Jahren starb die Königin der Mabunda, welche auf ihrem Todtenbette Sepopo’s älteste Tochter Moquai zur Nachfolgerin ernannte. Da jedoch Moquai die Nachstellungen von Seite ihres Vaters befürchtete, übergab sie ihm die Regierung ihres Reiches, und so fand ich bei meinem Besuche nördlich vom Zambesi ein vereinigtes Marutse-Mabunda-(Mambunda-)Reich von Sepopo, dem directen Nachkommen der alten Königsfamilie der Marutse beherrscht.
Empfang bei Sepopo.
Während des Frühstücks ließ er die wichtigsten Repräsentanten der 18 größeren, sich in 83 Zweigstämme theilenden Stämme herbeirufen, und stellte sie mir vor. Von den 18 größeren waren die meisten in Schescheke mit einem oder mehreren Häuptlingen in einer Zahl von 10 bis 500 vertreten. Die wichtigsten Stämme des Reiches sind: die Marutse, Mabunda (die beiden herrschenden), Masupia, Matonga, Makalaka, Mankoë, Mamboë, Manansa, Mabimbi, Bajezi, Bakalomo, Bamata, Banjoka, Basuto, Batoka, Livanga, Manenga, welche sich wiederum in folgende Zweigstämme theilen: Aimalio, Aitunga, Alumba, Aluschanga, Ambolela, Ambume, Amoodé, Angoko, Aquanga, Babuiko, Bahumokume, Bajaoma, Bajeji, Bakabololule, Bakalomi, Balea, Bolioa, Balobule, Balomokmeci, Bamakoma, Bamalingo, Bamata, Bamomba, Bamosima, Banamo, Bonoka, Baoë, Bapalesi, Baquanti, Basetuta, Basioma, Basimavotomo, Basuto, Batoka, Boemenda, Boo, Emafoa, Emunonoco, Jabia, Jamoë, Jëta, Kasabe, Katulama, Kombala, Liamba, Liamankua, Liato, Livanga, Linkamba, Loena, Lujana, Luketa, Luueku, Mabimbi, Mafumbe, Makalaka, östliche Nolianga, westliche Notulu, Malundasieeme, Mambalango, Mamboë, Mabunda, Mampakani, Manansa oder Manandscha, Mankoja = Mankoë, Manengo, Marutse, Maschoscha, Masupia, Matomo, Matonga oder Ma-beker, M’Banga, Milanka, M’Kanda = Makanda, M’Koma = Makoma, Moëna, Moëlopuma, Monojanda, Nambo, Nikalulunda, Ojukamonde, Salama, Sima, Wafi, Wassiwanda. Außer diesen schon seit beträchtlicher Zeit in dem Gebiete ansässigen Stämmen finden wir hie und da zerstreut angesiedelt: Matabele, Menons-Makalaka und Masarwa; die beiden letzteren sind als Flüchtlinge aus dem Süden über den Zambesi gekommen (die Masarwa, ein Vasallenstamm der Bamangwato und Menons-Makalaka, ein den Matabele tributpflichtiger Stamm).
Die Marutse bewohnen die fruchtbaren Thäler des Barotselandes zu beiden Seiten des herrlichen Zambesistromes, von Sekhose (Süd) an, stromaufwärts bis an 150 englische Meilen südlich von der Vereinigung des Kapombo mit dem Liba. Ich glaube, daß die Barotse der fruchtbarste Theil des Reiches ist und sich sowohl für die Viehzucht als für den Ackerbau vorzüglich eignet. Sie hat Ueberfluß an Wild und wildwachsenden, dem Menschen sehr nützlichen vegetabilischen Produkten, von denen Gummi elasticum eines der wichtigsten sein dürfte. Das Land besitzt viele bedeutende Städte und war früher der Wohnsitz der Königsfamilie. Die Mabunda’s umwohnen das Land der erstgenannten von Nordost und Ost, wobei jedoch die Hauptmasse des Landes östlich von der Barotse, am oberen Mittellauf der Flüsse Njoko (Noko), Lombe und Loi zu liegen kommt.