Die Mankoë haben einen Landstrich inne, der von Norden her an das Gebiet der Mabunda grenzt und seine größte Ausdehnung von West nach Ost hat, aber nicht auf das westliche Zambesi-Ufer hinübergreift. Die Mamboë wohnen nördlich von den letzteren am unteren Kapombo und Liba. Die Bamomba und Manengo leben im Weichbilde der Stadt Kavagola am oberen Zambesi. Die Masupia bewohnen das Land südöstlich der Barotse bis 30 englische Meilen unter der Tschobe-Zambesi-Vereinigung längs des Zambesi und an 50 englische Meilen den Tschobe stromaufwärts. Die Batoka wohnen östlich von den Masupia am linken Zambesi-Ufer bis etwa 30 englische Meilen unterhalb der Victoria-Fälle. Die Matonga sind Grenznachbarn der letzteren und theilweise der Masupia (von Norden her); die Hauptmasse lebt am Mittellaufe des Kaschteja- (Livingstone’s Madschila-) Flusses. Die westlichen Makalaka wohnen am unteren Kaschteja zwischen den Matonga und Masupia. Die östlichen Makalaka leben als östliche Nachbarn der Batoka den Zambesifluß abwärts, Wanke’s Kraal ist ihre größte Niederlassung. Die Lujana wohnen am Südufer des Zambesi, westlich von den Masupia’s. Die Wohnsitze der übrigen Stämme ziehen von den Lujana gegen die Südgrenze der Barotse, ferner nördlich von den Matonga, Makalaka und östlich von den Mamboë und Mankoë, doch auch in kleineren Gebieten, da, wo sich oft zwei der erwähnten größeren Stämme berühren, oder sie sind über das Gesammtreich zerstreut worden und bilden kleine Colonien im Lande der Makalaka, Mambunda, Marutse etc.
Die meisten der genannten Stämme sind wirkliche Unterthanen und werden mit Ausnahme der Marutse als Sklaven angesehen, nur ungefähr ein Viertheil sind Tributzahlende und dies meist Stämme des Ostens (Batoka, östliche Makalaka, Mabimbi etc.) Durch Sepopo’s Grausamkeiten sind viele Eingeborne aus dem Reiche nach Süden hin geflohen und da dem Tyrannen dadurch auch viele Schwierigkeiten in dem Centrum des Reiches erwuchsen, hat sich in den letzten Jahren das Tributverhältniß der an den Grenzen nach Nordost und Ost wohnenden Stämme bedeutend gelockert. Die den eigentlichen (wirklichen) Unterthanen auferlegten Steuern bestehen in Getreideabgaben (Kleinkorn, Kafirkorn, Mais); im Abliefern bestimmter Mengen getrockneter Früchte, Kürbisse, Tabak, Gummi elasticum, Matten, Canoës, Rudern, Waffen, Holzarbeiten (Töpfe, Schüsseln, Musikinstrumente), Thierhäuten, frischem und getrocknetem Fisch- und Nilpferdfleisch. Außerdem sind Elfenbein, Honig und das nahrhafte Manza Krongut und jeder sie verkaufende, resp. vertauschende Unterthan wird mit dem Tode bestraft. Die Tributzahler haben dem Marutse-Mabunda-Herrscher jährlich eine bestimmte Zahl Elfenbeinzähne (männlicher und weiblicher Elephanten) und Häute einer großen grauen und dunkelbraunen lang behaarten Lemurspecies abzuliefern.
Die herrschende Sprache im Gesammtreiche, ich möchte sagen, das Mittel des leichten Verständnisses zwischen den einzelnen Stämmen, ja ein wahres Bindeglied, ist die der vernichteten Makololo. Die Makololo haben sich viel schweres Unrecht zu Schulden kommen lassen, des Geschickes gerechter Arm hat sie ereilt, doch mit ihrem Verschwinden vom Schauplatze der Geschichte des centralen Süd-Afrika ist eine Versöhnungspalme emporgewachsen; ihre Sprache, das Sesuto ist geblieben, sie vererbte sich auf die Besieger, sie wurde diesen nothwendig, namentlich als durch Vergrößerung des Reiches (in Folge der Vereinigung mit dem Mabunda-Reiche) und engeren Verkehr mit den südlich vom Zambesi wohnenden Völkern sich mehr und mehr und ohne alles absichtliche Zuthun von Seite der Beherrscher, ein gemeinsamer, namentlich nach der letzteren Richtung hin leicht verständlicher Sprachlaut nothwendig erwies.
Welch’ eine große Hilfe für den Forscher, wenn er sich im Süden ohne Schwierigkeit die Sesutosprache zu eigen machen könnte. Die gegenwärtige Makololo-Sprache ist nicht mehr das reine Sesuto, sondern durch die Vermischung mit dem Serotse etwas corrumpirt; ein der Sesutosprache Mächtiger ist im Marutse-Mabunda-Reiche vollkommen sicher. Als ich den König über die Ausdehnung seines Reiches befragte, da meinte er, daß seine Leute 15 bis 20 Tagreisen zu gehen hätten, bevor sie die nördliche Grenze erreichen könnten; nach diesen mit ihm, seinen Häuptlingen, den Abgesandten der nördlich wohnenden Maschukulumbe und den portugiesischen Händlern gepflogenen Besprechungen und nachdem ich die Entfernungen nach Tagreisen in Meilen verwandelt, zog ich die Grenzlinien des Reiches, wie sie auf der Karte zu sehen sind. Die Grenze wird nach Norden und Osten von den Maschukulumbe, nach Südwest von den Bamaschi, nach Süden von den Bamangwato-Reichen und dem Matabelelande gebildet.
Sepopo’s Name bedeutet in der Serotse »einen Traum«, seine Mutter hieß Mangala. Die Vorstellung der in Schescheke anwesenden Häuptlinge und Würdenträger — darunter war auch Kapella, der Commandant der Truppen — schloß der König mit dem häßlichen Maschoku, dem Scharfrichter, einem riesigen Mabunda, und seinen zwei Schwiegersöhnen, welche zugleich seine Schwiegerväter waren. Er hatte nämlich von beiden letzteren je eine Tochter zur Frau genommen und ihnen dafür zwei seiner unmündigen Töchterchen als Frauen zugesagt.
Als er die gegenseitige Vorstellung schloß, näherten sich mit lauten Schangwe-Rufen drei Marutse seiner Hütte und brachten drei Büffelschwänze; der König hatte sie ausgeschickt, um mich und Blockley mit Fleisch zu versorgen. Bei dieser Vorstellung wurde Honigbier getrunken, worin Lunga, die schönste der Basutofrauen, Unglaubliches leistete. Bevor ich noch schied, zeigte mir der König seine beiden Leibärzte, welche ihn mit Zaubermitteln zu versehen haben, so oft er sich auf die Jagd begibt. Den Tag benützte ich, um mir die Stadt zu besehen, und am Abend fand ich mich wieder in dem königlichen Gehöfte ein. Am selben Abend kam auch Makumba von Impalera und brachte die betrübende Nachricht, daß der Händler Y., den ich an Schneemanns-Pfanne getroffen und ihm angerathen hatte, so schnell wie möglich nach Panda ma Tenka zu meinem Wagen zu reisen, gestorben sei, bevor er noch dahin gelangt war.
Vom 20. auf den 21. ereignete sich ein Intermezzo, welches die Harmonie zwischen mir und dem Könige etwas störte. In Folge der Generosität des Freundes Blockley ging es in unserem Höfchen wieder so lustig wie die Nacht zuvor her; es mochte wohl schon Mitternacht sein, bevor die in einen ausgezeichneten Humor versetzten schwarzen Damen und Herren die drei riesigen Biertöpfe geleert hatten. Als sie endlich vor Müdigkeit und in Folge des reichlichen Biergenusses in Schlummer verfielen, da waren es die Kalebaßpiano’s, welche mit ihren Tönen jeden Versuch zum Einschlummern illusorisch machten. Endlich lullten mich die sich wiederholenden Weisen in den wohlverdienten Schlaf ein, doch es währte nicht lange und ich wurde durch das Bellen eines Hundes wieder geweckt. Als ich meine Augen öffnete, schien es mir in der Hütte ungewöhnlich hell und doch hatte ich die Oeffnung mit einer Kiste geschlossen; nun bemerkte ich plötzlich einen dunklen Körper in der niedrigen, 2½ Fuß hohen Thüröffnung. Ein Eingeborner war eben im Begriffe, sich mit der rechten Hand der neben mir auf einer Kiste liegenden Kleider zu bemächtigen. Ich hatte außer einigen über mir hängenden Assagaien, die ich Tags zuvor erstanden, keine Waffe bei mir. Bevor ich noch zum Stoße ausholen konnte, war der Dieb aus der Oeffnung verschwunden, ich stürzte ihm nach, doch derselbe war in Begleitung eines Gehilfen, einen Stock und einen Fisch zurücklassend, zwischen den Hütten verschwunden. Dieses nächtliche Abenteuer regte mich so auf, daß ich für den Rest der Nacht das Auge nicht schließen konnte. Als ich am nächsten Morgen den König davon benachrichtigte, antwortete er mir ausweichend, und ich konnte bemerken, daß ihm an diesem Tage meine Begegnung nicht sonderlich freue. Doch ich ließ nicht ab und wollte, daß er die Sache untersuchen lasse. Ich nahm nun zu einer List Zuflucht, sandte einen von Blockley’s Dienern in die Stadt und ließ bekannt machen, daß ich einen Stock am Flusse gefunden hätte, und daß ich diesen Gegenstand gerne von seinem Besitzer erstehen würde. Ich ließ den Stock beschreiben und war begierig, ob die versprochenen Glasperlen den Dieb eruiren würden. Spät am Nachmittage fand sich ein ältliches Individuum ein, welches, als man ihm den Stock zeigte, auf diesen losstürzte und ihn als sein Eigenthum reclamirte. Nun erst, nachdem er auch den getrockneten Fisch als sein Eigenthum bekannte, führte ich ihn zum Könige, der eben beim Nachtmahle saß. Da jedoch ein Freund des Beschuldigten, der mit ihm gekommen war, rasch heim eilte, um das gestohlene Gut zu verstecken, so fanden die Abgesandten des Königs nichts in seiner Hütte und er wurde unschuldig erklärt. Als ich mich jedoch mit diesem Urtheilsspruch nicht zufrieden gab, meinte der König, daß er den Mann mir zu Liebe bestrafen wolle. Auf meine Frage, welche Strafe er über den Mann verhängen würde, antwortete er, daß ihm der Tod bestimmt sei. Damit konnte ich mich nun wieder keinesfalls einverstanden erklären und bat den König, den Mann auf freien Fuß setzen zu lassen, bemerkte jedoch dem Könige gegenüber, daß ich jeden nächtlichen Eindringling künftighin niederschießen werde. Sepopo meinte hierauf, daß dies das Beste wäre und theilte dies den zahlreich Versammelten sofort mit lauter Stimme mit.
Am Abend kamen Männer von der Barotse, darunter auch ein von Sekeletu gefangen genommener Matabele und brachten ihre Abgaben an Korn. Der König zeigte den Ankömmlingen das Innere seiner Hütte, auf das er nicht wenig stolz war. Nachdem ich am selben Tage durch Masangu, einem Würdenträger, den man vielleicht am richtigsten Arsenal-Verwalter nennen könnte, aufmerksam gemacht worden war, daß der König in Folge der durch den Diebstahl mir zugethanen Beleidigung geneigt wäre, mir Satisfaction zu geben, wollte ich die Gelegenheit benützen und den König formell um die Erlaubniß bitten, sein Reich bereisen zu dürfen. Gleich bei meiner Ankunft in dem Höfchen fiel mir unter den dreißig in tiefer Stille Hockenden ein Mann ob seiner äußerst demüthigen und unterwürfigen Stellung auf, die Verschmitztheit, die aus seinem Gesichte hervorleuchtete, brachte mir die Vermuthung bei, daß ich es nicht mit einem Eingebornen des Marutsereiches zu thun habe; nachdem ich ihn etwas näher fixirt, war ich dessen sicher, daß es ein Halbkast war. Als ich den günstigsten Moment für gekommen hielt, rückte ich mit meinem Ansuchen heraus; ich frug den König, ob er mein ihm durch Westbeech gestelltes Ansuchen kenne, und als er dies bejahte, erläuterte ich nun den Zweck meiner Reise.