Im Gesange stehen die Bewohner des Marutse-Mabunda-Reiches höher als die Betschuana, in manchen Formen ebenbürtig der Zulu-Race, doch werden sie von diesen und den Matabele durch deren großartige Kriegs- und Todtengesänge übertroffen. Der oben erwähnte Tanz, den ich am 26. beobachtete, ist ein Landesgebrauch der Mabunda, wird Kischitanz genannt und nur auf des Königs Geheiß getanzt und hat geschlechtliche Aufregung zum Zwecke. Den Kischitanz tanzen zwei oder vier Männer, von denen je einer den Mann, der andere die Frau vorstellen soll; die große Röhrentrommel begleitet den Tanz; die Tänzer sind von einem Haufen junger Leute umgeben, die zu dem Trommelschlag singend in die Hände klatschen und aus deren Mitte zuerst einzeln, dann je zwei neue Tänzer hervorkommen und gegen den König gewendet, ihren körperverdrehenden Tanz beginnen. Ein Anlauf, ein Annähern von der einen, ein Zurückweichen von der anderen Seite etc. sind das Wesen und die gebräuchlichen Gesten des Tanzes. Die Costüme sind königliches Eigenthum, es war mir daher nicht möglich, sie zu erwerben.

Dasselbe besteht aus der eigentlichen Maske, dem Netzwerk und der Lendenumhüllung. Die Maske, von Knaben aus Thon und Kuhdünger modellirt, ist mit rothem Ocker und Kalk bemalt und ein ziemlich bedeutendes Product des Mabunda-Fleißes. Die Maske ist bedeutend größer als der Kopf, den sie nebst dem Halse vollkommen bedeckt und einer mit niedergeschlagenem Visir versehenen Helmhaube ähnelt. Für die Augen und den Mund, seltener für die Nase, sind kleine Spalten offen gelassen. Die scharf hervorragenden Züge der Maske sind den als Wasserspeier benützten Zerrgestalten ähnlich und die Maske am Cranium mit Buckeln versehen, am mittleren in der Regel als Schmuck Schwanzhaare des gestreiften Gnu, an den übrigen Federbüsche befestigt. An der Maskenhaube oder unter ihr so weit hinausreichend, daß der Halstheil bedeckt wird, sehen wir das Netzgewand, das aus einer langen geschlossenen, mit langen Aermeln und daran befestigten Netzhandschuhen, aus federspuldickem Bastnetzwerk gearbeiteten Jacke und aus ähnlichen hohen Strümpfen besteht. Von den Lenden bis zu den Knöcheln reicht eine in Falten gelegte Wolldecke oder Carosse, welche die die Frau vorstellende Maske trägt, über der letzteren wird noch je ein Thierfell vorne und hinten getragen. Bis auf einen um den Hals bandartig geschlungenen Strohwisch ähnelt die weibliche Maske der männlichen, die letztere zeigt auffallendere Haubenverzierungen. Am Stahlringe, der um die Hüften läuft, sind rückwärts einige Glöckchen befestigt, die bei der leisesten Körperbewegung erklingen. Der Kischitanz, der eine Unzahl von Zuschauern anlockt und zu dem Kinder nicht zugelassen werden, wird in Schescheke meist in vierzehntägigen Zwischenräumen aufgeführt.

Am Ufer des Zambesi.

Am 27. bemerkte ich einige Leute des Alumba-Stammes, welche sich durch eine besondere Haarfrisur auszeichneten. Die einzelnen kleinen Knoten ihres wolligen Haares werden mit einem aus Fett und Brauneisenstein bestehenden Brei derart bestrichen, daß die Wolle vollkommen verhüllt wird und die 1 bis 2½ Zoll langen Haarknoten an dem herabhängenden Ende bedeutend verdickt erscheinen. In dieser Weise wird nur das Wollhaar am Scheitel behandelt, und zwar in etwa vier über einander liegenden Lagen. Einige der Marutse trugen am Halse Schuppen des Schuppenthieres und Reste einer Schildkrötenart, welche sie mit gutem Erfolg als blutstillendes Mittel gebrauchten. Auch zeigte man mir ein Stückchen Buschholz, an dem man bei Keuchhusten-Anfällen, kleine Kinder mit Erfolg saugen läßt.

Bei seinen Besuchen, die uns Sepopo abstattete, brachte er stets, von einem ganzen Trosse seiner Diener begleitet, bedeutende Mengen von Elfenbein, um von Blockley namentlich Gewehre und Schießpulver zu kaufen. Während des Nachtmahls stellten sich dann die Schützen ein, welche am folgenden Morgen zur Jagd befohlen waren; der König gab jedem circa einen Liter Schießpulver und merkte sich genau den Mann. Blockley klagte über die Forderungen Sepopo’s, die dieser an ihn stelle, besonders darüber, daß er nach jedem Kaufe ein bedeutendes Geschenk begehre. Westbeech hatte dies eingeführt und den König daran so gewöhnt, daß dieser nunmehr sich ohne Geschenk nicht zufrieden gab. Anfangs, da Westbeech der einzige Händler war, welcher seine Waaren am Zambesi feilbot und dies am rechten Tschobe-Ufer geschah, konnte er für seine Waaren jeden beliebigen Preis fordern und bekam ihn auch, als jedoch andere Händler, durch diesen Erfolg angelockt, nach Schescheke gingen, waren sie vollkommen in der Gewalt des Königs und da sie sich noch überdies überboten, klagten sie über den schlechten Ertrag des Handels.

Als ich am 28. den König besuchte und wir abermals über meine Reise sprachen (der König war in Folge eines Streites mit Blockley in schlechter Stimmung und ich trachtete ihn, indem ich ihm durch Mahura lustige Reisebegebnisse erzählte, wieder in guten Humor zu bringen), zeichnete er mir im Sande mit seinem Stöckchen meine Route durch sein Reich, zeichnete den Lauf des oberen Zambesi und seiner Nebenflüsse, daß mir förmlich das Herz vor Freude pochte. Den König freute das Interesse, das ich an seinen Mittheilungen nahm, er rief zwei vorübergehende Männer herbei. Es waren zwei Manengo vom oberen Zambesi, welche die mir bezeichnete Strecke mehrmals bereist hatten und vom Könige befragt, die eben von ihm beschriebene Route selbst bestimmen sollten. Und siehe da — ihre Erklärung stimmte mit der des Königs vollkommen überein.

Als ich Abends eben damit beschäftigt war, an meinem Tagebuche zu arbeiten, versuchte es Jemand, sich durch die Eingangsöffnung zu drängen. Es war eine Frau, die den Basuto-Diener April suchte. Ihr Mann hatte bei dem Brande Alles verloren und von April ein kleines Geschenk an Glasperlen erhalten, wofür er sein Mulekau wurde und nun dessen Frau während der Zeit seines Aufenthaltes in Schescheke als Gegengeschenk erhalten hatte.

Alles was Sepopo bei mir sah und ihm neu erschien, wollte er, wenn es ein ihm brauchbar dünkender Gegenstand war, besitzen, andernfalls aber wenigstens die Erklärung des Gegenstandes erhalten. So befragte er mich über meinen Compaß; um ihm die Wichtigkeit des Instrumentes zu zeigen, zeichnete ich die östliche Hemisphäre in den Sand, dann Afrika allein und darauf meine Route wie die verschiedenen, südlich vom Zambesi liegenden, unabhängigen Betschuana-Reiche.

Am Nachmittage besuchte ich das königliche Küchen-Departement, das mehrere Personen zählte und unter der Leitung einer Frau stand. Die riesigen Korngefäße ruhten auf Holzgestellen, in eigenen, aus Matten und Rohr erbauten Hütten. Im Allgemeinen war Alles sehr reinlich gehalten. Zur Zeit meines Besuches wurde eben — das Feuer wird stets im Höfchen auf einem niedrigen Heerde angemacht — von einem Diener Nilpferdfleisch in einem riesigen Topfe gekocht. Das Fleisch war ziemlich gar und wurde auf einer Holzschüssel servirt, dann aus dieser auf kleinere zertheilt und der Königin zugesendet.