Spät Abends kam ein Bote vom Panda ma Tenka-Thale mit der Nachricht, daß Westbeech mit dem Händler Francis von Schoschong daselbst angekommen sei. Da ich am nächsten Morgen die versprochenen Kähne zur Abreise zu erhalten hoffte, arbeitete ich bis gegen Morgen an den entworfenen Zeichnungen.

Früh am 29. wurde ich auch zu den Kähnen gerufen. Diese sollten mich bis zur Makumba-Landungsstelle bringen und dann hier liegen bleiben, um die von Westbeech zu erwartenden Waaren nach Schescheke zu bringen. Die Stromfahrt nach abwärts war nicht minder angenehm als die Fahrt zu Sepopo. Ich gab mich der Betrachtung der reichen Vogelwelt hin und hatte bald an den insbesondere durch einen verlängerten Unterkiefer ausgezeichneten, schwarzweiß-gescheckten Scheerenschnäbeln (Rhynchopsinae), den riesigen Marabus und den großen Eisvögeln mehr denn hinreichende Studienobjecte gefunden. Die Binsen waren mit Schnecken bedeckt und das Ufer von den Krabben förmlich durchlöchert. Ein Loch lag neben und über dem andern. Das Wasser war in den wenigen Tagen, seitdem ich den Strom aufwärts befahren hatte, um 18 Zoll gefallen.

Am nächsten Morgen, nachdem wir an der Bucht übernachtet, fuhren wir weiter, die Bootsleute thaten dabei ihr Möglichstes, rasch vorwärts zu kommen, und schätzte ich die Geschwindigkeit, mit der wir uns vorwärts bewegten auf vier bis fünf englische Meilen in der Stunde. Als ich nach Impalera gelangte, fand ich hier die Händler Westbeech und B. Francis, sowie einen Gehilfen des ersteren, welche eben im Begriffe waren, Sepopo begrüßen zu gehen. Sie hatten ihre Wägen in Panda ma Tenka zurückgelassen. Francis war diesmal wie auf allen seinen Handelszügen von seiner von Weißen wie Schwarzen hochgeschätzten Gemahlin begleitet. Er war mit zwei Wägen und einem entfernten Verwandten, Oppenshaw, als Gehilfen (Clerk) gekommen. Westbeech, der sich erst einige Monate zuvor mit einer Farmerstochter aus dem westlichen Transvaal-Gebiete verehelichte, kam in der Begleitung seiner jungen Frau, eines Gehilfen Buuren und eines Mannes mit Namen Walsh, der früher Soldat und dann Gefangenwärter in Hope-Town gewesen war und sich sehr gut auf das Abbalgen der Vögel verstand. Er sollte eben dieser Arbeit in den Zambesi-Gegenden obliegen und beide sich in den Ertrag theilen. Westbeech und Francis wollten von ihrem Besuche bei Sepopo rasch nach dem Panda ma Tenka-Thale zurückkehren und dann nach den Victoriafällen gehen, um dieses Naturwunder ihren Frauen zu zeigen.

Von den angekommenen Händlern erhielt ich meine Correspondenz, darunter willkommene Briefe aus der Heimat, aus den Diamantenfeldern (Griqualand-West), aus den Transvaaler Goldfeldern, auch 60 Zeitungen, deren freie Ränder mir später von großem Nutzen sein sollten; darunter ein Exemplar der »Diamond News« mit meinem ersten über die dritte Reise veröffentlichten Artikel. Meine Abreise war durch die Abwesenheit des Häuptlings Makumba verzögert worden. Das Uebersetzen über den Tschobe schien mir zwar leicht zu bewerkstelligen, allein ich brauchte ja Träger, um die in Schescheke gesammelten Objecte und das für den Verkauf von Ochsen von Blockley erhaltene Elfenbein nach dem Panda ma Tenka-Thale schaffen zu lassen. Die zweite Ueberfahrt über Tschobe verursachte mir viel Sorgen und Aerger. Mangel an Trägern und ein Boot, das ein faustgroßes Leck hatte, wodurch der Transport meiner Sammlungen sehr gefährdet wurde, hielten mich in steter Aufregung. Im Leschumothale angekommen, fand ich die schon erwähnten englischen Officiere, Mr. Loud und Fairly, die einen zweiten Besuch bei Sepopo machen wollten, sie gestatteten mir, mich ihres Wagens nach Panda ma Tenka zu bedienen. In der Nacht zum 3. wurde das Gespann geholt und ich verließ das Thal. Auf meinem Zuge nach der Gaschuma-Ebene beobachtete ich, daß das Abbrennen des Waldgrases eine Verminderung der Tsetse zur Folge hatte und das Gras bereits neu zu sproßen begann.

Am Mittag des 4. langten wir in der Gaschuma-Ebene an, welche, trotzdem sie wieder abgebrannt worden war, an den noch begrasten Stellen zahlreiches Wild beherbergte. Am Wagen befanden sich auch zwei den englischen Officieren gehörige Pferde, welche unglücklicher Weise gerade dem nachlässigsten ihrer Diener anvertraut waren. Ohne meinen Warnungen Gehör zu schenken, ritt derselbe am nächsten Morgen mit den Pferden voraus. Als wir uns der Baobabstelle näherten, befahl ich meinem Diener und dem Wagenlenker scharf auszuspähen, denn ich war dessen sicher, daß der bekannte Löwe dem störrigen Diener begegnet war. Da es noch nicht vollkommen Tag war, konnten wir nicht viel sehen, doch bemerkte der Wagenlenker den Gesuchten auf einem Baume stehend und blos ein Pferd des Capitän M. nahebei. Das geübte Auge des Hottentotten erkannte zu gleicher Zeit in den einige hundert Schritte entfernten Büschen zu unserer Rechten einen sich zurückziehenden Löwen. Mich auf den Bock stellend, spähte ich aus und sah auch bald darauf das Pferd einige Schritte links vom Wege mit ausgerissenen Eingeweiden daliegen. Einige kleine Wunden im Nacken zeigten, wie es der Löwe getödtet. Die Sache trug sich folgendermaßen zu. Ungefähr auf 300 Schritte dem schon erwähnten Baobab nahegekommen, wurde der Diener von dem Löwen angegriffen und bei der Verfolgung vom Pferde abgeworfen, während der Löwe, ohne sich um den Mann weiter zu kümmern, den Pferden nachsetzte. Hierbei trat dem Eisenschimmel des Herrn Fairly die herabgleitende Decke bei dem Fluchtversuche hindernd in den Weg, so daß das Thier eingeholt und niedergerissen wurde. Der Schwarze suchte seine Zuflucht in dem nächsten Mapanibaume, auf welchem er auch bis zur Annäherung unseres Wagens verblieb, während das zweite Pferd bis zu unserer Ankunft, etwa sechzig Schritte entfernt ruhig graste. Ich nahm mit den Dienern Verfolgung des Löwen auf, jedoch ohne Erfolg.


[10] Ich hoffe die Manzawurzel zu einem der Ausfuhrmittel aus dem Marutse-Reiche zu machen.

VIII.
Ausflug zu den Victoriafällen.

Ankunft in Panda ma Tenka. — Neue Enttäuschungen. — Theunissen verläßt mich. — Aufbruch nach den Fällen. — Jagd auf Orbecki-Gazellen. — Eine Giraffenheerde. — Die Süßwassertümpel in der Umgebung der Victoriafälle. — Thier- und Pflanzenleben in denselben. — Ein schmerzenreicher Gang. — Der erste Anblick der Fälle. — Unser Skerm. — Charakteristik der Fälle. — Großartigkeit und Pracht derselben. — Höhe und Breite der Fälle. — Die Inseln an der Fallkante. — Höhe der Dunstsäulen. — Die Erscheinung der Fälle bei Sonnen-Auf- und Niedergang. — Die Abflußrinne des Zambesi unterhalb der Fälle. — Felsenbildungen. — Vegetation und Thierleben an den Fällen. — Jagd auf Paviane. — Ein interessantes Löwenabenteuer. — Die Manansa’s. — Schicksale und Charakter derselben. — Ihre Sitten und Gebräuche. — Brautwerbung und eheliches Leben bei denselben. — Todtenbestattung. — Rückkehr nach Panda ma Tenka.