Jagd auf Bushvaarks.

In Panda ma Tenka angelangt, fand ich reges Leben in Westbeechs Pfahlumzäunung, mehrere Wägen waren eingetroffen, ein ganzer Troß von Dienern bewegte sich bunt durcheinander und dazwischen heulten und liefen nicht weniger als etwa 20 Hunde. Leider fand ich, daß der Regen in meinen Wagen gedrungen war und mir die aus Thierfellen bereiteten Kisten derartig beschädigt hatte, daß die meisten der in ihnen aufbewahrten Insecten, Pflanzen und Samen verdorben waren. Einige der bei meiner Abreise zurückgebliebenen Händler fand ich bedenklich am Fieber erkrankt. Während meiner Abwesenheit wurde einer der Diener Khama’s, des Bamangwato-Königs, der von diesem an den schon erwähnten Jäger Africa verdungen worden war, von einem Elephanten getödtet. Africa mußte später, als er nach Schoschong kam, als Entschädigung 50 £ St. zahlen.

Nach dem Besuche der Victoriafälle wollte Westbeech mit seinem Gehilfen Bauren einen dreimonatlichen Aufenthalt in Schescheke nehmen, Blockley sollte es indeß versuchen, mit Wanke, dem östlich von den Victoriafällen wohnenden Makalaka-Fürsten Handel zu treiben, während Bradshaw in Panda ma Tenka bleiben, die Oberaufsicht führen und von den Madenassana’s und Masarwa’s Elfenbein einhandeln sollte. Mein Gefährte Th. hatte vollauf zu thun, um für die am Wechselfieber erkrankten Elfenbeinhändler die nöthigen Medicamente zu bereiten. Während ich tagsüber Ausflüge unternahm und meine Vorbereitungen zur zweiten Zambesi-Reise traf, benützte ich die Nachtstunden zur Erledigung meiner Korrespondenz und Aufzeichnung meiner Erlebnisse.

Am 10. September kehrten Westbeech und Francis von Sepopo zurück und brachten je einen circa 50 Pfund schweren Elfenbeinzahn als Geschenk des Königs für ihre Frauen mit. Sie waren auf ihrer Rückfahrt auf mehr als 30 Krokodile und 5 Nilpferde gestoßen, wobei sie von einem der letzteren angegriffen wurden. Mein zweiter Aufenthalt in Panda ma Tenka brachte mir viele Sorgen und Enttäuschungen, meine Mühe, Diener und Träger zu finden, war leider vergeblich. Meine Enttäuschung erreichte den höchsten Grad, als ich von einem der Händler erfuhr, daß mein Gefährte Th. mit mir nicht weiter gehen und mich hier verlassen wolle, um nach dem Süden zurückzukehren; ich hatte mich auf ihn verlassen und seinethalben andere Offerten zurückgewiesen. Th. war mir die ganze Zeit bisher immer treu und willig beigestanden und ich konnte es kaum glauben, daß er mich in der gegenwärtigen entscheidenden Stunde meiner Reise, in welcher ich einen Freund so nöthig hatte, verlassen konnte, dieses Mißgeschick war indeß unabwendbar und wurde noch dadurch verschärft, daß Pit sich derart ungeberdig benahm, daß ich ihn entlassen mußte.

Zusammentreffen mit Giraffen.

Es war eine Wiederholung jener vielen Enttäuschungen am Vorabende der Ausführung einer lange gehegten Idee oder eines lange gefaßten Planes, wodurch ich mich plötzlich von meinem angestrebten Ziele weit zurückgeschleudert sah. Wo sollte ich Diener miethen, die mir auf meiner Weiterreise nach Nordwest als Träger dienen mußten? In dieser unangenehmen Lage, in einer Situation, in der ich, von meinen Leuten verlassen, selbst nicht im Stande war, in den Wäldern nach Osten die Eingebornendörfer aufzusuchen, um neue Diener zu miethen, wurden Westbeech und Francis meine Retter. Als die Beiden meine Noth erfuhren, versprachen sie mir unter den südlich von den Victoriafällen wohnenden Manansa oder den ihnen benachbarten Batoka’s Diener zu werben — doch unter der Bedingung, daß ich sie zu den Victoriafällen begleitete, wohin sie sich begeben wollten um »the splendid falls« ihren Frauen zu zeigen. Da half kein Zögern und ich ging. Es gelang mir noch zuvor einen Masupia-Mann, den ich »Elephant« taufte und der vom Zambesi hergekommen war, um bei einem Eingebornen oder weißen Jäger Arbeit zu suchen, zu miethen.

Es war eigentlich nicht meine Absicht, die Victoriafälle aufzusuchen (sie lagen etwa 50 englische Meilen rechts ab von meiner Reisetour), allein durch diese eigenthümlichen, unerwarteten Umstände gezwungen, mußte ich mich zu einem Besuche derselben entschließen. Heute schätze ich mich glücklich, der Aufforderung der beiden Händler Folge geleistet zu haben. Meinen Wagen der Aufsicht der Leute Westbeechs überlassend, machte ich mich mit den neuen Freunden auf den Weg. Wir fuhren in zwei Wägen bis zur Gaschuma-Ebene. Die Gegend zwischen der früheren Handelsstation am Panda ma Tenka-Flüßchen und Gaschuma ist für den Reisenden sehr anziehend. Wir gelangten gegen 3 Uhr Morgens zu den ersten Teichen der Gaschuma-Ebene. Die Richtung nach derselben war eine nordnordwestliche, während die Victoriafälle nordöstlich lagen, wir uns daher von der Gaschuma-Ebene nach Osten zu wenden und dann eine Ostnordost-Richtung einzuschlagen hatten.

Um die von der Tsetse inficirte Gegend zu den Victoriafällen durchziehen zu können, mußten die Wägen mit den Ochsen auf der Gaschuma-Ebene zurückgelassen werden und bedienten wir uns für die Weiterfahrt eines von sechs Langohren gezogenen Karrens. Die Reise-Gesellschaft bestand aus folgenden Personen: Westbeech und seine Frau, Francis und dessen Frau, Bauren, Oppenshaw, Walsh und mir, ferner vier Cap-Halfcastmännern, meinem Masupia-Diener und zwanzig Makalaka’s und Matabele’s. Diese benutzten wir als Träger, um unsere Nahrung, Kochgeschirre und Decken fortzuschaffen.

Auf der Gaschuma-Ebene, welche durch dichte Fächerpalmenbüsche und einige prachtvolle Fächerpalmen geschmückt ist, blieben wir bis zum 15., um eine tüchtige Umzäunung um unsere Wagen zu errichten, denn zahlreiche Löwenspuren nöthigten uns zur größten Vorsicht. Das Gras auf der Ebene war zum größten Theile niedergebrannt, nur hie und da zeigten sich noch dichtere Partien. Stellenweise fing neues Gras zu sprossen an und hier, kaum daß man sie wahrnehmen konnte, lagen flach auf der Erde paarweise oder zu Vieren die schönen, zierlichen Orbecki-Gazellen, die bei unserer Annäherung plötzlich aufsprangen und in Sätzen davon eilten, um sich in der Entfernung von einigen hundert Schritten nach uns umzusehen.