Werden sie verfolgt und ist Flucht nicht mehr möglich, so kehren die Manansa um und gehen mit gesenktem Assagai ihren Feinden entgegen. Bei dem Zusammentreffen legen sie die Waffen auf die Erde und hocken sich nieder. Wenn nun auch der Sturm ihrer Verfolger auf sie losbricht, sie bleiben ruhig. Als sie von einem (dem vorletzten) der Bamangwato-Könige Moschesch bedrängt wurden, beschwichtigten sie die Habsucht ihrer Verfolger mit Elfenbein. Moselikatze’s Krieger raubten die Knaben und auch viele Frauen; die Horden des gegenwärtigen Matabele-Despoten nehmen, was sie nur zu Gesichte bekommen, auch dann, wenn sie von La-Bengula einem Weißen als Begleiter nach den Victoriafällen mitgegeben werden — nur dann, wenn dem Könige in dem Weißen durch einen der in Gubulowajo wohnenden Missionäre ein Mann von Bedeutung vorgestellt wird, wie z. B. im Jahre 1875, als Major S. um Diener nach den Victoriafällen ersuchte, befiehlt der König den Begleitern, sich jedweden Mordens und Raubens zu enthalten, damit es der Weiße bei seiner Rückkehr der »großen weißen Königin« (Königin Victoria) nicht berichten könne.
Als ich einst einem Manansa, der periodisch sich bei einem Händler verdungen und sich so über das Geistesniveau seiner Landsleute geschwungen hatte, über die »Feigheit« seines Stammes fragte, antwortete er mir mit einem gutmüthigen Lächeln und Schütteln des Kopfes: »Furchtsame Pallahs sind wir nicht und auch von langer Zeit her nicht gewesen. Allein wir lieben das Leben in den Dörfern und das Jagen der Thiere, die wir in Gruben fangen, seltener die Waffe gebrauchend. Wir geben den blutliebenden Matabele unsere Elephantenzähne und zeigen ihnen, wenn sie es verlangen, die frischen Spuren der Elephanten, um ihrer noch mehr zu erlegen; allein wir wollen und mögen nicht kämpfen da wir nicht das Blut und das Tödten der Thiere, noch weniger der Menschen lieben.«
Nach dem Tode eines Königs versammeln sich die Männer und bringen den zum Nachfolger bestimmten Thronerben in des Königs Haus. Sie bringen eine Handvoll Sand und kleine Steinchen vom Zambesi und auch einen Hammer. »Hier ist die Allgewalt über das Land, das Wasser und das Eisen (Arbeit und die Waffen).« Dabei erinnern ihn die Häuptlinge und das Volk von dem Tage an, wo er König wurde, nie vom Fleische des Nilpferdes und des Rhinoceros zu essen, da diese Thiere »sehr bösartig« seien, und der König, der ihr Fleisch genieße, wild und böse werden könnte.
Das Albertland, im Süden von dem sandigen Lachenplateau begrenzt, im Westen bis zur Tschobe-Mündung reichend, und vom Zambesi durchströmt, gehört unstreitig zu den meist interessanten Partien des zentralen Süd-Afrika. Nicht allein durch das Naturphänomen der Victoriafälle von Wichtigkeit, bietet es dem Touristen eine Fülle anziehender, felsiger und bewaldeter Hügellandschaften und hochbegraster Thäler.
Der Geologe, Botaniker wie auch der Mineraloge werden gewiß nur befriedigt dieses Hügelland verlassen. Mit Ausnahme des Spring- und Bläßbockes und des schwarzen Gnu wird der Mammaliajäger die meisten größeren Quadrupeden, die Süd- und Central-Afrika charakterisiren, vorfinden; der Mineraloge findet reichliche Arbeit. Unter den niederen Thieren sind Reptilien zahlreich vertreten, Krokodile oft bis zu den entferntesten Partien der Bergflüsse anzutreffen, in denen theils Spuren am Ufer, theils das getrübte Wasser ihre Gegenwart verrathen. Von Insecten sind alle Geschlechter, namentlich aber die Lepidoptera durch viele neue Arten ausgezeichnet. Die Thäler besitzen einen so guten Boden, daß bei dem warmen Klima tropische Gewächse mit Vortheil angebaut werden könnten, nur muß vorerst die Tsetse-Frage gelöst sein und man Mittel gefunden haben, den sommerlichen Fiebern vorbeugen zu können.
Auf dem Rückzuge nach Panda ma Tenka schlugen wir eine etwas veränderte Richtung ein. Unsere Capdiener schossen am Matopa-Flusse ein Wildschwein und weiter aufwärts im selben Thale wurde unsere Colonne von einem Geschrei der voranschreitenden Diener alarmirt. Durch einen penetranten Geruch angezogen, waren unsere Schwarzen abseits in die Büsche eingedrungen und fanden hier einen männlichen Elephanten in Folge von Schußwunden verendet. Das Thier war stark von Löwen angefressen; diese hatten sich an die Lippen gemacht und das Fleisch an den Schußwunden aufgerissen. Die Diener konnten noch eines der davonschleichenden Raubthiere erblicken. W. und F., deren Diener das Elfenbein gefunden, nahmen es in Besitz, und die Diener schnitten die untersten Fußglieder ab, um sie zu unserem Aerger mitzunehmen. Der penetrante Geruch, der diesem Leckerbissen der Eingebornen entströmte, zwang uns endlich, auf dessen Entfernung zu dringen. Frisch zubereitet kommen sie den Bärentatzen gleich; die der schwartigen Sohle aufliegende Substanz und das Herz, also winzige Theile im Verhältniß zu seiner Größe, sind die Leckerbissen, die das Riesenthier dem Menschen bietet.
Der Rückweg mit den wunden Füßen war so beschwerlich, daß ich mich mit Noth weiter schleppte. Den größten Theil beider Strecken von der Gaschuma-Ebene bis zu den Fällen und zurück nach der Ebene, hatten auch die Damen zu Fuße zurückgelegt. Wir gelangten bis auf mich wohlbehalten in der Gaschuma-Ebene und einen Tag später, am 24. September, in Panda ma Tenka an. Hier traf ich zwei Matonga’s und einen Manansa, welche Arbeit suchten und die ich sofort miethete, während mir W. und F. mit ihren Leuten behilflich waren, meine zu einer so weiten Reise nöthigen, zahlreichen Gegenstände nach dem Leschumo-Thale zu schaffen.
IX.
Zweiter Besuch im Marutse-Reiche.
Zweiter Aufbruch nach Impalera. — Die Krokodile im Zambesi und ihre Gefährlichkeit. — Begräbnißfeier bei den Masupias. — Sepopo und seine Frauen. — Reisepläne. — Baum- und Busch-Vegetation im Walde von Schescheke. — Einzug einer Karawane von Tributpflichtigen. — Die Marutse als Fischer. — Maschoku, der Scharfrichter Sepopo’s. — Schmiedewerkzeuge der Marutse. — Der prophetische Tanz der Masupia’s. — Besuch der Königinnen. — Der Fang des Krokodils. — Die Mankoë. — Die Verwaltung des Marutse-Mabunda-Reiches. — Die Beamten-Hierarchie. — Eine Elephantenjagd unter Sepopo’s Anführung. — Ausflüge in den Wald von Schescheke und Büffeljagden in demselben. — Eine interessante Löwenjagd. — Der Löwentanz der Marutse. — Die Maschukulumbe am Hofe Sepopo’s. — Moquai, des Königs Tochter. — Hochzeitsfeier bei den Marutse.