Jagd auf Sporngänse.
Am 24. September saß ich wieder in meinem Wagen in Panda ma Tenka, der Ausarbeitung meines Tagebuches obliegend. Ich fühlte mich äußerst mißmuthig und bedrückt; die physischen Schmerzen an meinen wunden Füßen verschärften noch diesen Zustand, aus welchen mich Niger, mein treuer und anhänglicher Begleiter herausriß, da er mich nach längerer Abwesenheit (ich hatte ihn bei dem letzten Ausfluge zu den Victoriafällen zurücklassen müssen) zu begrüßen kam. Es that mir wirklich leid, mich in der nächsten Zukunft von dem Hunde zu trennen, denn da ich ihn dem Gifte der Tsetsefliege nicht aussetzen wollte, gedachte ich ihn mit dem mir von dem Bamangwato-Könige mitgegebenen Diener Meriko nach Schoschong zu senden, wo er einstweilen bei meinem Freunde, Herrn Mackenzie, verbleiben sollte. Hätte ich damals geahnt, daß ich wieder nach dem Süden zurückkehren müsse und Niger nicht wieder sehen sollte, ich hätte das treue Thier nie von meiner Seite gelassen. Als ich Meriko den ausbedungenen Lohn bezahlte und ihn mit Lebensmitteln versehen hatte, machte er sich mit dem Hunde auf den Weg, und langte nach drei Wochen in Schoschong an. Leider war um diese Zeit mein Freund Mackenzie nicht anwesend und der Hund wurde einem Wagenlenker von Francis und Clark, der eben nach Grahamstown fuhr, mitgegeben. Trotz aller Mühe, die ich mir gab, das Thier wieder zu gewinnen, blieb es verschollen.
Meine Tauschartikel waren sehr herabgeschmolzen und so sah ich mich genöthigt, trotz der exorbitanten Preise von den anwesenden Elfenbeinhändlern Glaskorallen, Kattun und Wolldecken zu kaufen.[11]
Am 27. September erkrankte ich an Dysenterie, doch war der Anfall kein heftiger, und gelang es mir, mich bald wieder herzustellen. Während des Aufenthaltes in Panda ma Tenka lernte ich auch einen Mann aus der Umgegend von Grahamstown, Henry W., kennen, er war ein ausgezeichneter Jäger, doch konnte ich nicht umhin, es ihm sehr übel zu nehmen, daß er sich manchmal auf der Jagd arge Schlächtereien erlaubte. So gab er einst einen weiblichen Elephanten, der ihn verfolgte, nachdem er das Thier durch einen Schuß zum Falle gebracht, seinen Dienern preis, welche dasselbe durch mehr denn zwei Stunden mit ihren Assagaien marterten, bevor er seinen Qualen durch einen Schuß ein Ende machte.
Von Panda ma Tenka schrieb ich einen Brief an einige befreundete Großhändler in den Diamantenfeldern und Port Elizabeth, um hier einiges Interesse für den Handel mit Gummi elasticum zu wecken, das die Portugiesen aus dem Marutse-Reiche nach dem Westen ausführen.
An beiden folgenden Tagen hatten wir Regen und Sturm, nachdem in den letzten Monaten zuvor in diesen Gegenden kein Regen gefallen war. Am 30. September verließen wir Panda ma Tenka, um in gleicher Weise wie das erste Mal über die Gaschuma-Ebene nach dem Leschumo-Thale zu gelangen, mußten aber die Fahrt bald unterbrechen, da die Last des Karrens zu groß war und ich um einen zweiten Wagen nach Panda ma Tenka senden mußte. Derselbe kam erst am Nachmittage des 1. October an, wir zogen nun weiter und übernachteten an der Gaschuma-Ebene, auf welcher ebenso wie in Panda ma Tenka die Nacht zuvor ein Trupp Löwen die Zugthiere aus ihrer Umzäunung zu scheuchen bestrebt war. Obgleich meine vier Diener drei verschiedenen Stämmen angehörten und eben so viele Dialecte sprachen, einer die Sesupia, einer die Setonga und einer die Senanso, so verstanden sie doch alle die Sesuto-Serotse und ich hatte, mit ihnen plaudernd, Gelegenheit, neue Ausdrücke in der letztgenannten Sprache zu erlernen. Auf der Fahrt nach Saddlerspan versuchte es ein Diener Westbeechs, mit Namen Fabi, einigen in der Nähe grasenden Zulu-Hartebeests beizukommen und stieß dabei beinahe mit einem Löwen zusammen, der ebenfalls das Wild beschlich.
In der Nacht auf den 4. langten wir wohlbehalten im Leschumothale an. Schon am folgenden Tage sandte ich meine vier Diener nach dem Tschobethale. Da mir Westbeech auch seine acht Langohren, die wir mitgenommen hatten, zur Verfügung stellte, konnte ich den größten Theil meines Gepäckes absenden, und langte am 5. selbst dort an. Im Leschumothale hatte ich die beiden englischen Händler Brown und Kroß getroffen welche mich sehr freundlich aufnahmen und eben von einem vergeblichen Versuche, zu Sepopo gelangen zu können, in’s Leschumothal zurückgekehrt waren; sie hatten kurz vor meiner Ankunft zwei prächtige Löwen, darunter einen alten männlichen und unbemähnten erlegt.
Am Tage nach meiner Ankunft im Tschobethale erschienen hier sechzehn und am folgenden sechs weitere Bootsleute, die von Sepopo gesendet, Westbeech mit seinen Waaren und mich mit meinem Gepäcke nach Schescheke zu bringen hatten. Dem König war es namentlich um die Waaren des Händlers zu thun, da dieser bei seinem letzten Besuche eine Anzahl von Elephanten-Gewehren nach Panda ma Tenka gebracht zu haben vorgab und der König selbe schon mit Ungeduld erwartete. Der giftige Muschungulubaum war diesmal in voller Blüthe, die Blüthen groß, schön dunkel-carminroth. Ich wollte mich früh am 6. mit allen Waaren übersetzen lassen, allein ein heftiger Wind ließ es nicht zu, jedenfalls wäre es sehr gefährlich gewesen, die Bootfahrt zu unternehmen, da das Umkippen der Kähne für die Insassen derselben äußerst unangenehm ist und diese sehr oft den Krokodilen zum Opfer fallen. Ich war später in Schescheke selbst Augenzeuge solcher Unglücksfälle geworden.
Ich gedenke später ausführlicher über die Krokodile des zentralen Zambesi zu sprechen, will aber jetzt schon einer Tragödie gedenken, die sich vor Kurzem unweit der Landungsstelle am jenseitigen (Impalera-)Ufer abgespielt hatte. Ein Masupia-Mann war mit seinem Weibe und seinem Töchterchen längs des linken Tschobe-Ufers ausgefahren, um Schilfrohr für seine Behausung zu schneiden. Während dieser Beschäftigung schlug der Kahn in Folge eines Windstoßes um und seine drei Insassen fielen in’s Wasser. In Folge der eben an dieser Stelle herrschenden starken Strömung gelangten Mutter und Tochter wohlbehalten an eine Sandbank. Sie sahen eben, wie der Mann sich durch das Schilf dem Ufer zuarbeitete, schon hatte er dasselbe erfaßt und trachtete sich auf die etwa vier Fuß hohe, steile Wand emporzuschwingen; nach mehreren fruchtlosen Versuchen, wobei er in’s Wasser zurückfiel, gelang es ihm endlich, einen herabhängenden Buschzweig zu erfassen, so daß er sich auch im selben Augenblicke emporzuziehen vermochte, als der Freudenschrei seiner Angehörigen ihnen auf den Lippen erstarb. Im Schilfe zeigte sich plötzlich der unförmige Körper eines Krokodils. In dem Momente als der Mann sich emporziehen wollte, war das Krokodil ebenfalls emporgeschnellt und hatte einen seiner über dem Wasser hängenden Füße ergriffen und riß den Unglücklichen mit sich in die Fluth zurück. Das Geschrei der Frauen zog eine im Felde arbeitende Genossin herbei, die nach Impalera eilte, um die beiden Frauen noch vor dem Dunkelwerden zu retten, da sie sonst in der Nacht auf der Sandbank ein ähnliches Schicksal wie den Gatten und Vater ereilt hätte.