König Sepopo.

Am folgenden Morgen wurde meine Aufmerksamkeit durch wiederholte Gewehrschüsse wachgerufen; ich erfuhr auf meine Frage, was dieselben zu bedeuten hätten, daß man eben einen Masupia begrabe. Ungefähr 400 Schritte nördlich der Niederlassung liefen auf einem zwischen zwei Bäumen gelegenen Raume zwölf mit Gewehren bewaffnete Männer herum, welche ihre Gewehre abschossen und dazwischen heftig schrieen; unter einem der beiden Bäume saßen zehn Männer und Frauen Bier trinkend, unter dem linken Baume befand sich das bereits zugeworfene Grab. Die Masupia’s machen ihre Gräber sechs bis sieben Fuß tief und zwei Fuß breit. Der Verstorbene wird mit seiner Carosse und seinen Waffen, seiner Haue, begraben und ihm auch etwas Korn in’s Grab gelegt. Seine Freunde verbleiben den Tag über am Grabe, und ist der Mann wohlhabend, so wird neben dem Bier auch viel Fleisch von seinen geschlachteten Hausthieren verzehrt. Das Schießen, Schreien und Umherlaufen soll das Eindringen der bösen Geister in das frischaufgeworfene Grab verhüten. Als ich einen der Umstehenden über die Todesursache des Dahingeschiedenen fragte, hob dieser die Augen gegen das Firmament und meinte Molemo sei daran schuld. Am selben Tage brachten die Masupia’s Fleisch von einem Nilpferde, das sie erbeutet. Es war, wie sie meinten, ein junges Thier, doch hatte es bereits zehn Zoll lange Stoßzähne. Beim Transportiren meines Gepäcks nach der Makumba-Landungsstelle war mir Makumba’s Bruder, Ramusokotan, behilflich, ein Unterhäuptling, der einige Meilen stromaufwärts am linken Ufer des Tschobe wohnend, den unteren Flußlauf zu bewachen hat. Auf meinem Gange nach der benannten Landungsstelle stieß ich dreimal auf Pallahgazellen, zweimal so nahe, daß ich sie aus nächster Nähe beobachten konnte.

Kaïka, König Sepopo’s Tochter.

Ich fand das Wasser des Zambesi abermals gesunken, auf der Bootfahrt während des Vormittags entkam mein Boot nur durch ein Wunder der Wuth des einen der drei Nilpferde, denen Blockley auf unserer ersten Fahrt nach Schescheke den Führer mit zwei Schüssen geraubt hatte. Als wir an derselben Stelle diesmal ohne die Thiere zu beunruhigen, vorbeipassiren wollten, fühlten plötzlich Westbeechs Bootsleute mit ihren Rudern das Thier unter dem Kahne, doch entkamen sie glücklich, weil vielleicht die Berührung mit dem Ruder das Nilpferd etwas abgeschreckt hatte. Das Thier machte nun einen Stoß nach meinem (dem folgenden) Boote; doch die Bootsleute, gewarnt durch den Schrei und die pfeilschnelle Bewegung des vorderen Bootes, waren eben so schnell nachgefolgt, und so tauchte der unförmliche Kopf des Dickhäuters drei Meter hinter meinem Kahne auf.

In Schescheke angekommen, hätte ich in einer vom Könige errichteten Hütte wohnen können, ich zog jedoch das Anerbieten Westbeechs vor, mich in einer der Hütten, die in seinem Höfchen standen und in welchem inzwischen Blockley einen kleinen Pfahlbau als Waarenhäuschen errichtet hatte, niederzulassen. Als ich Sepopo aufsuchte, rief mir dieser entgegen, daß ich zu spät gekommen sei und er die für mich bestimmten Marutse-Männer nicht länger hätte auf mich warten lassen können. Am Nachmittage kam ich wieder und brachte dem Könige allerlei kleine Geschenke, wobei es den König recht ergötzlich stimmte, als ich mich selbst mit ihm in der Sesuto-Serotse zu verständigen suchte.

Gegen Abend rief mich Blockley aus der Hütte, um einen seltenen Anblick genießen zu können. Der König war von einem Besuche der sich in der Barotse aufhaltenden Königinnen und seiner Tochter Moaquai, der Mabunda-Königin, beehrt worden. Es waren etwa 40 Kähne, in manchen war die Mitte des Bootes für die königlichen Frauen mit je einer Matte überdeckt, um diese gegen die Gluth der Sonne und den Regen zu schützen, manche der Kähne hatten 13 Ruderer, die durchwegs stehend ihre Arbeit verrichteten. Andere Kähne waren mit riesigen Töpfen, Matten, Körben, theils mit den Bedürfnissen der Reisenden, theils mit den für den König bestimmten Geschenken beladen.

Am folgenden Tage besuchte ich Kapt. McLoud, Fairly und Kowly. Der König hatte sie in einer Rundhütte nahe dem königlichen Gehöfte einlogirt. Sie klagten, daß der König noch immer zaudere, die große Elephantenjagd, derentwegen sie zum zweiten Male herüber gekommen waren, abzuhalten. Auch besuchte ich mit Westbeech die Königinnen, welche von der Barotse gekommen waren und welche dieser während seines Aufenthaltes in der Barotse kennen gelernt hatte, unter ihnen befand sich Mokena, die Mutter des Landes. Ich lernte sechzehn Frauen Sepopo’s kennen, seine Lieblingsfrau war eine Makololo Namens Lunga, eine andere hieß Mafischwati, die Mutter Kaikas, der von Sepopo bestimmten Thronerbin; die vierte hieß Makaloe, die fünfte Uesi, die sechste Liapaleng, sodann folgte Makkapelo, durch welche im Jahre 1874 zwei Männer ihren Tod fanden; Mantaralucha, Manatwa, Sybamba, Kacindo. Als zwölfte nenne ich Molechy, die von Sepopo wegen Treulosigkeit beinahe ertränkt worden war, dasselbe geschah einer anderen mit Namen Sitau. Der Verführer wurde gewöhnlich den Scharfrichterknechten übergeben, um für den König Büffelfleisch zu holen, d. h. er wurde im Walde gespeert. Der König selbst bestrafte aber Sitau auf folgende Weise. Unter großem Zulauf der Bewohner Schescheke’s stieß er mit einigen Kähnen vom Lande gegen die Flußmitte ab, er selbst saß mit Sitau in einem Kahne. Mitten im Strome angelangt, band er ihr Hände und Füße, und tauchte sie dreimal so lange unter das Wasser, daß sie mit genauer Noth wieder zu sich gebracht werden konnte. Als sie zu sich kam, fragte er sie, wie ihr das Ertrinken gefalle, und drohte ihr, das nächste Mal sie einfach in den Fluß zu werfen. Die vierzehnte war Silala und zwei andere hatte er zweien seiner Häuptlinge zum Geschenk gemacht. Der eigentliche Thronfolger war vor zwei Jahren gestorben, er hieß Maritela und war ein Sohn Marischwati’s. Vor seinem Tode kam zufällig der Gouverneur der Barotse an sein Lager, und da das Kind über Durst klagte, willfahrte er seinem Begehr und reichte ihm einen Trunk aus einem in der Nähe stehenden Topfe. Zufällig starb der Knabe kurz darauf und der allgemein beliebte Gouverneur wurde von Sepopo angeklagt, sein Söhnchen vergiftet zu haben, zum Tode verurtheilt und vergiftet. Die ebenfalls aus der Barotse angekommene Tochter Moquay hatte sich mit einem der aus der allgemeinen Metzelei geretteten Makololo, Namens Manengo verheirathet. Der König berichtete mir während eines Besuches, den er mir abstattete, über den König der Makololo, daß dieser sehr elend zu Grunde ging, da sein Körper mit Geschwüren gänzlich bedeckt war. Nach seinem Tode begannen die Parteikämpfe unter seinem Stamme.

Eine weitere Konferenz mit Sepopo und den Portugiesen, die ich am 12. hatte, ließ schon dem Könige keine Ruhe, er belehrte mich, daß, wenn ich auf meiner Weiterreise von Schescheke mich nur zwei Tage lang in jeder Stadt der Barotse aufhalte, ich zwei Monate lang durch sein Reich in einem Kahne zu reisen hätte, bevor ich jenes des Iwan-Joe erreicht haben würde. Ich fände hier die Quellen des Zambesi und würde von da zwei Monate sieben Tage bis Matimbundu brauchen. Auch am 13. besuchten wir die neu angekommenen Königinnen und fanden, daß sie in hoher Achtung standen. Gruppen von Besuchern waren um sie gelagert und warteten ruhig ab, bis es ihnen gestattet wurde, die hohen Gäste ansprechen zu dürfen.

Am 14. wurden wir von einem Tänzer besucht, dessen Waden mit einigen aus Fruchtschalen gearbeiteten Schellen behangen waren. Sein Tanz war ein Springen und ein Schütteln des ganzen Körpers, um mit den Schellen großen Lärm zu erzeugen. Am Hofe Sepopo’s fand sich auch ein Mambari, der bei dem Könige Schneiderdienste verrichtete, er war auf einem nach Westen unternommenen Raubzuge der Marutse mit seinen Leuten irriger Weise gefangen genommen worden. Dieser Mambari war mit zwei seiner Genossen an einer nahen Quelle, als sie bei der Rückkehr eben zu der Metzelei ihrer Leute anlangten. Die beiden anderen ließ Sepopo wieder ziehen, nachdem er sie reichlich mit Vieh beschenkt, doch Kolintschintschi, der nunmehrige königliche Schneider, wurde am Hofe zurückgehalten.