Andere Tänze sind der Trauungstanz, ferner der Elephantentanz, der zugleich mit dem größten Trinkgelage verbunden ist, bei welcher Gelegenheit ich auch den schädlichen Effect des Butschuala beobachten konnte. Die Fächerpalmen-Instrumente werden dabei rasch mit einem Rohrstäbchen gestrichen und mit den Stahlhandschuhen (klöppellosen Doppelglocken) der Tact dazu geschlagen. Ferner gibt es den Löwen- und Leopardentanz, welche nach glücklich ausgeführten Jagden von den heimkehrenden Jägern und den ihnen entgegenkommenden Dorfbewohnern ausgeführt werden. Wie an dem Elephantentanze, so betheiligt sich der König auch an dem Mokoro- oder Bootstanze.
Jener, den ich am 20. October in Schescheke beobachten konnte, war ein prophetischer Tanz und eine der vielen Gaukeleien, welche dem Stamme der Masupia’s eigenthümlich sind. Zwei Männer tanzten unter dem Schalle der größten Trommeln der königlichen Capelle und dem Gesange und Händeklatschen einiger dreißig sie eng umringender Landsleute vom frühen Morgen bis zum Sonnen-Niedergange, bis sie sozusagen besinnungslos niederstürzten; in diesem Momente mußten sie Worte ausstoßen welche sich auf das Vorhaben, eine große Jagd, Krieg oder Raubzug etc., bezogen, welches der König oder Statthalter auszuführen gesonnen war. Beinahe durchwegs lautet ihre Weissagung günstig und ein Geschenk von Glasperlen oder Kattun wird ihnen dafür zu Theil; straft der Zufall ihre Worte Lügen, so müssen sie sich aus dem Bereiche des erzürnten Hohen ferne halten, um nicht ein fühlbares Nachgeschenk zu erhalten. Masupia-Tänzer waren phantastisch mit Gnu- oder Zebraschwänzen am Kopfe, an den Armen und Hüften geschmückt und bildeten mit ihrem Tanze einen Uebergang zu den maskirten Tänzern. Der Tanz an sich selbst ist ein Hüpfen von einem Fuß auf den andern, unterbrochen von einem Sichausstrecken auf dem Boden, das plötzlich, oder so langsam mit kaum wahrnehmbarer Benützung der Gelenke geschieht, und mit einem Schütteln des Körpers und Kopfes, Verschieben des Kopfschmuckes etc. verbunden ist. Auch diese Tänzer benützen die Wadenschellen und einige kleine flaschenförmige, zu gleichen Zwecken gearbeitete Kürbisschalen. Zu Hause begehen die Masupia’s ähnliche Tänze mit Gaukeleien verbunden, welche sie oft geschickt einzufädeln wissen. So scheint es, als wenn sie sich während des Tanzes mehrmals tief in die Zunge schneiden und nach jedem Schnitt Blut hervorquellen würde; untersucht man aber die Zunge nach dem Tanze, so findet man sie nicht im Geringsten verletzt.
Abends kamen Boten von Dr. Bradshaw von Panda ma Tenka mit einem Briefe, worin wir mit der Nachricht überrascht wurden, daß der den Lesern schon von den Klamaklenjana-Quellen her bekannte Händler A. X., dem ich zwei Kistchen gesammelter Objecte nach Panda ma Tenka gesendet, am Nataflusse von Hyänen getödtet wurde. Der Mann hatte sein wenig glorreiches Leben damit zum Abschlusse gebracht, daß er einen seiner Diener wegen eines kleinen Vergehens niederschoß und in der Furcht, von den Genossen des ermordeten Dieners getödtet zu werden, im trunkenen Zustande seinen Wagen verließ und sich in den nahen Büschen verbarg. Die erschreckten Diener hörten sein Geschrei während der Nacht, doch wagten sie es nicht, ihm zu Hilfe zu eilen. Am nächsten Morgen sollen sie seine frisch abgenagten Gebeine und zu Fetzen zerrissenen Kleider gefunden haben. Zwei der Diener hatten sich, nachdem sie sich mit Nahrungsmitteln versehen auf den Weg nach dem Panda ma Tenka-Flüßchen gemacht, um hier den Compagnon des Verunglückten aufzusuchen und ihm den Unglücksfall zu berichten.
Am 21. setzte ich mein einige Tage zuvor angefangenes Studium der Fische fort, wobei ich diesmal meine Aufmerksamkeit dem auch im Zambesi vorkommenden schildköpfigen Wels (Glanis siluris) widmete. Ich erwähnte schon des Thieres und seiner Parasiten und will noch hinzufügen, daß mir seine Farbe hier dunkler erschien als die der südlicher vorkommenden Thiere. An Stellen, die uns von Krokodilen weniger dicht bewohnt zu sein schienen, warfen wir die Grundangel aus und in der Regel mit gutem Erfolg.
In der Nacht auf den 22. vernahm ich aus dem Dorfe des Häuptlings Ratau (dem westlichsten) Frauengeschrei und früh Morgens einige Gewehrschüsse. Das erstere bezeichnete das Ableben eines Marutse, das zweite, daß man ihn bestatte. Am 22. sandte der König einen Kahn, um Blockley und Bauren nach Impalera zu schaffen, damit der erstere den des Tauschhandels halber geplanten Ausflug nach dem Lande des Makalaka-Fürsten Wanke unternehmen könne. Die Sendung eines Kahnes für zwei Weiße und mehrere Diener wurde von Blockley als Beleidigung angesehen und diente nicht dazu, um das in letzterer Zeit durch das unfreundliche Auftreten von Seite Sepopo’s eingetretene Zerwürfniß zu mildern. Der König erschien diesmal von 120 der Seinen und seiner Capelle begleitet. Die Menschen füllten das kleine Höfchen vollständig, Sepopo wollte durch dieses imposante Auftreten den Händlern zu verstehen geben, daß sie vollkommen in seiner Gewalt seien.
Der König hatte sich kaum entfernt und ich war an die Ausführung einiger Zeichnungen geschritten, als zwölf Königinnen auf meine Hütte losstürzten. Sepopo hatte ihnen erzählt, daß ich unlängst ihn und Maschoku abgezeichnet, nun wollten sie sein und des Scharfrichters Bild sehen; da half kein Widerstreben und ich mußte mit der Zeichnung heraus, ja ich mußte ihnen auch zeigen, wie ich das Bild gezeichnet hatte, dabei wurde ich derart umlagert, daß mir das Athmen schwer wurde. Die eine wies auf das und frug die andere um jenes, während eine dritte nach dem Bleistifte griff und zwei andere wieder die Feinheit des Papieres bewunderten; die rückwärts Stehenden, die nicht viel sehen konnten, drängten hervor und zwei der Vordersten lehnten sich sans gène an meine Schultern und entfalteten dabei so viel Koketterie, wie ich sie nie an den schüchternen Betschuana- und Zulu-Frauen beobachten konnte. Da ich des Königs Eifersucht wohl kannte, hielt ich es für das Beste, einen der schwarzen Diener, der sich beim Eintreten der Frauen des Königs entfernen wollte, bleiben zu heißen. Nach einer halben Stunde verließen sie mich, um Westbeech in dem nebenan liegenden Waarenhäuschen anzubetteln. Nach ihrer Entfernung warf ich eine Matte gegen die Thüröffnung und ließ nur eine Spalte für das Licht offen, ich hoffte nun Ruhe zu haben, doch hatte ich die Neugierde der Töchter Eva’s nicht in Rechnung gebracht, denn kaum war dies geschehen, als abermals zwei Königinnen an der Thüre erschienen. Sie dachten mich wohl abwesend, denn aus den Worten der einen, »Sikurumela mo’ ndu, Njaka chajo« (der Deckel liegt an der Thüre, der Doctor ist abwesend), konnte ich ihre Enttäuschung entnehmen.
Besuch der Königinnen.
Von allen mir bis jetzt in Südafrika bekannten Eingebornenstämmen halte ich jene im Marutse-Reiche für die reinlichsten. Gerade an den am Flusse gelegenen größeren Ortschaften gibt es wenige sandige Untiefen; nichtsdestoweniger und trotz der Gefahr, welche den Badenden durch die zahlreichen Krokodile droht, lieben die Stämme des Marutse-Reiches das Bad. Ist das Ufer zu steil oder das Wasser zu tief, so wird das Wasser über den Kopf gegossen. Waschen ist ihnen eine Nothwendigkeit, sie reinigen sich selbst nach jedem Mahle Mund und Hände.
Am 23. machte ich einen Ausflug auf die angrenzende Wildebene (Blockley’s Kraal), wobei ich Gelegenheit fand, die Puku-, Letschwe- und Wasser-Antilopen beobachten zu können. Am Rande des Gehölzes (die Ueberschwemmungen des Zambesi setzen diese Ebenen bis an das Gehölz unter Wasser) beobachtete ich zahlreiche Felder der Eingebornen. Frauen und Kinder waren mit dem Umgraben, Männer mit dem Fällen der Bäume beschäftigt, um den Grundbesitz ihrer Herren (die auch sie ernährten) nach dem Gehölze hin auszudehnen. Heimkehrend fielen mir die an mehreren Stellen im Umkreise einiger schon errichteten Gehöfte erbauten Hütten auf, sie hatten eine Nachtmützenform und mußten in wenigen Stunden aus Gras und Schilfrohr errichtet worden sein. Sie waren für die Sklavinnen bestimmt und standen ohne alle Umzäunung da, damit ihr Eigenthümer leicht die Aus- und Eingehenden überblicken konnte.