Am 24. besuchte ich eine Hütte, in welcher einer der Mambari’s mit Hilfe der ihm von dem Masupia-Häuptling Masangu geliehenen Werkzeuge Schmiedearbeiten verrichtete. Einen Gehilfen Masangu’s fand ich damit beschäftigt, einige Hauen zu schärfen, und sah den von den Marutse verwendeten doppelten Blasebalg, welcher einen continuirlichen Luftstrom in das Feuer bließ. Dieser Blasebalg besteht aus drei Haupttheilen, einem hölzernen, theilweise mit Leder überzogenen, einem aus Horn verfertigten und einem thönernen Theile. Der hölzerne Theil ein Doppelgestell aus zwei mit Lederlappen bedeckten Rundschüsseln und je einer aus diesem parallel laufenden Holzröhre bestehend. Die Lederstücke sind in ihrer Mitte mit Stäbchen versehen, haben an der Seite je eine Oeffnung und werden abwechselnd gehoben oder gesenkt und auf diese Weise Luft eingelassen und ausgepreßt; diese wird abwechselnd in eine der hölzernen Röhren getrieben und tritt aus diesen in die aus den Hörnern der Säbel- oder Gemsbock-Antilope verfertigten. Die beiden Hornröhren sind kürzer als die hölzernen und stehen mit diesen in keinem festen Zusammenhange, sie laufen auch nicht mehr parallel zu einander, sondern sind an den vorderen Enden zu einander geneigt und münden in eine thönerne und diese unmittelbar auf den Feuerherd.

Mein Nachmittags-Spaziergang führte mich zum Flusse, an dem ich einen Haufen lebhaft gesticulirender Eingeborner antraf. Der Fluß hatte soeben die Leiche eines vor einigen Tagen von einem Krokodil beim Baden getödteten Mädchens an’s Land geschwemmt. Menschen, sowie größere Säugethiere werden von den Krokodilen ertränkt, da sie von dem Reptil nicht verschlungen werden können. Sowie das Krokodil durch das Aufhören der Zuckungen von der Widerstandslosigkeit seiner Beute überzeugt ist, öffnet es am Grunde des Wassers seine riesigen Kinnladen und läßt die Beute fallen. Das riesige Thier ist, außer es zerren zwei um das ertränkte Opfer, nicht im Stande, mit seinen Zähnen ein größeres Thier oder den Menschen als frischen Cadaver zu zerkleinern, es bleibt aber als Wächter bei dem Ertränkten liegen, bis der Verwesungsproceß beginnt und die Leiche, durch die Gase emporgehoben, zur Wasseroberfläche aufsteigt. Dann wird erst dieselbe zerstückelt und verschlungen. Hat jedoch ein Fisch oder sonst ein Gegenstand die Aufmerksamkeit des Thieres vom Fraße ab und auf sich gelenkt, und geschah dies während des Tages, so wird der gehobene Gegenstand vor der anbrechenden Dunkelheit nicht mehr berücksichtigt. Sepopo sowie seine Leute theilten mir mit, daß in keinem Theile seines Landes die Krokodile so schlimm und gefürchtet wären, als in der Umgegend von Schescheke. Kurz vor meiner Ankunft wurde ein Mann von denselben aus dem Boote herausgeholt, vor drei Tagen ein sechsjähriger badender Knabe erfaßt und während meines ferneren Aufenthaltes in Schescheke fanden mehr als dreißig Menschen ihren Tod durch diese räuberischen Saurier.

Kleine Krokodile werden zufällig im Netze mit Fischen, große erwachsene Thiere mittelst riesiger Angeln gefangen und getödtet. Die Construction dieser Fangvorrichtung ist sehr sinnreich ausgedacht und ausgeführt. Sie besteht aus einer eisernen Angel, mehreren dünnen Bastschnüren, einem Baststrick und einem Rohrbündel; eine eingehendere Beschreibung dürfte die folgende Skizze ersparen. Der den Angelhaken umhüllende Köder wird von einem Netze gehalten, mehrere vier bis 4½ Meter lange federspuldicke, sehr fest gedrehte Bastschnüre vermitteln die Verbindung zwischen dem Angelhaken und dem 3 bis 4½ Meter langen Basttau, welches an dem Rohrbündel befestigt ist.

Meine Hütten in Neu- und Alt-Schescheke.

Haben die Krokodile in Schescheke in kurzem Zeitraume nacheinander mehrere Opfer gefordert, so werden auf des Königs Geheiß die Krokodil-Angeln ausgelegt. Man legt das Rohrbündel auf das Ufer, den mit dem Köder (in Verwesung übergegangenes Hundefleisch)[12] versehenen Angelhaken auf drei Rohrstöckchen, so daß derselbe am Uferrande 1½ Meter über dem Wasserspiegel wie auf einem Stühlchen ruht. Wittert das riesige Reptil den Köder, so schwimmt es in seine Nähe und verhält sich hier ruhig bis zum Anbruche der Nacht. Sich aus dem Wasser emporschnellend, erfaßt es den Köder mit seinen riesigen Kinnladen und würgt ihn hinunter. Doch die vorstehenden Hakenspitzen verhindern dieß, wie auch das Schließen der Kinnladen, wodurch dann das einfließende Wasser in den Schlund und in die Luftröhre eindringen kann. Es stürzt damit in die Tiefe, nach und nach ermatten seine Anstrengungen, sich von der mit den Widerhaken im Schlunde festsitzenden Angel zu befreien und das Thier treibt stromabwärts. Von diesem Kampfe gibt das an der Wasseroberfläche schwimmende Rohrbündel treues Zeugniß. Nach einer halben bis einer Stunde hat der Saurier ausgerungen und wird vom Strome ab und an eine Sandbank oder gegen das Ufer getrieben, wobei das Rohrbündel den Fischern das geköderte Thier verräth. In Schescheke wurden zuweilen auf fünf aufgestellten Angeln zwei bis drei Krokodile in einer Nacht gefangen. Gespeert werden die Krokodile nur, wenn man die Geangelten noch lebend antrifft, oder wenn man ihnen zufällig beim Fischspeeren, auf der Nilpferd-, Elephanten- oder Otterjagd begegnet. Gleich den Fischnetzen sind auch die Krokodilangeln königliches Eigenthum. Als nach einigen Tagen die fünf Angeln ausgesetzt waren, fand ich mich zeitlich am Flußufer ein, um den Erfolg zu beobachten. Drei der Angeln waren verschwunden, dafür sah ich drei der größeren Kähne mit je zwei Bootsleuten bemannt, flußaufwärts nach Schescheke zusteuern. Ein jedes derselben barg ein riesiges Krokodil, in dessen Leibe ein Mensch füglich Platz finden konnte. Die Thiere wurden nun an’s Ufer geschleppt und einige von Sepopo’s Leuten machten sich daran, ihnen den Kopf abzuschneiden; die Augenlider und Luftwarzen, sowie einige Rückenkammschuppen wurden als Heil- und Zaubermittel dem Könige überbracht.

Krokodilangel.

Als ich eben daranging, die Leiche des vom Krokodile getödteten Mädchens beerdigen zu wollen, wurde ich von deren Verwandten mit den Worten daran verhindert: »Njambes Wille war es, daß sie das Krokodil tödtete, deßhalb muß sie auch dem Krokodile zur Beute werden.« Die Leiche wurde auch gegen Sonnenuntergang von den Krokodilen in die Tiefe gezerrt. An diesem Tage kam auch die Königin Lunga, um mir ihre vierzehnjährige Tochter, mit Namen Njama vorzustellen, sie war eben an Monalula, den ältesten Sohn Sepopo’s, einen Einfaltspinsel, verheiratet worden. Vor der Hochzeit wurde sie vier Wochen lang von ihrer Mutter sowie einigen anderen Königinnen in einem nahen Walde in einer Hütte einquartirt, wo sie die Zeit mit Fasten und Arbeiten zubringen mußte und von den Frauen in den Pflichten des Weibes unterrichtet wurde. Während dieser Zeit war ihr Wollhaar bis auf eine elliptische Stelle abgeschabt und mit Brauneisenstein eingerieben worden. Njama war eine Tochter des Makololo-Fürsten Sekeletu.

Am 25. fand ich auf einem Ausfluge im Walde ein Mankoë-Dorf. Die Leute, der schönste Menschenschlag im Marutse-Reiche, trugen bedeutend längeres Wollhaar, welches sie hoch aufkämmen, wodurch der Kopf wesentlich größer scheint. Sie waren nach Schescheke gekommen, um dem Könige bei dem bevorstehenden Elephanten-Jagdzug behilflich zu sein. Ich beobachtete bei ihnen nächst den Mabunda’s die schönsten Holz- und Hornschnitzereien, wenn diese Gegenstände auch nur Reise-Utensilien waren. Die Wohnungen dieser Leute bestanden in vier riesigen, zwei Meter hohen, zwei Meter breiten Längshütten, welche ein parallel laufendes Doppelhufeisen darstellten. Am Heimwege stieß ich auf mehrere Gräber der Masupia-Häuptlinge, welche mit Elfenbein geschmückt waren. Ferner fand ich Kalebassen, mit ihrer Oeffnung nach abwärts auf einem kleinen Termitenhügel ruhend, durch deren durchlöcherten Boden ein Stab eingeführt war, dieselben sollten mit dem in der Kalebasse befindlichen Knochenpulver nach der Ansicht der Marutse den Regen anziehen.