Am 27. sollte endlich die lang besprochene Elephantenjagd abgehalten werden. Ein ungewöhnlich reges Leben herrschte schon mit dem ersten Morgengrauen in Schescheke. Das Königsgehöft war so mit Bewaffneten überfüllt, daß ich mich kaum durchdrängen konnte. Der König war eben im Begriffe, an dieselben Schießpulver und Kugeln auszufolgen. Ich eilte zu meinen englischen Freunden, um ihnen die Nachricht zu bringen, doch sie waren von einem Häuptlinge schon davon in Kenntniß gesetzt, ohne jedoch formell vom Könige dazu eingeladen worden zu sein, und rüsteten sich eben zur Jagd. Am lebhaftesten ging es zwischen dem königlichen Gehöfte und dem Flusse, sowie an demselben her, schreiend und lachend zogen und liefen einzelne zum Flusse herab, ich sah die Männer von Schescheke nie vorher so gesellig und dienstfertig einander begegnen. Es war wohl die Aufregung des Augenblickes, denn nur selten wurden solch’ große Jagden unternommen, man hatte sich schon seit Monaten dazu vorbereitet und ihr Reiz war um so höher, weil sie einestheils mehrmals aufgeschoben war und andererseits weil der König selbst mit drei Weißen sich an der Jagd betheiligen sollte. Am Ufer lagen Kahn an Kahn, auf dem jenseitigen hatte sich eine ganze Flottille eingefunden, deren Bemannung auf dem Sande campirte und jeden Augenblick abzustoßen bereit war. Auch den Fluß entlang zogen Schaaren, welche weiter abwärts an dem Flusse Kaschteja die herabkommende Flottille erwarten und von ihr auf das jenseitige Ufer übergesetzt werden sollten. Es waren meist Mankoë, Mabunda’s und die westlichen Makalaka’s, welche landeinwärts in Karawanen nach Schescheke gekommen waren. Am Ufer vor Schescheke hatte jeder Häuptling seine Leute geordnet, d. h. seine und die Kähne seiner Untergebenen waren an bestimmten Stellen aneinander gereiht und ihre Insassen harrten in denselben oder am Ufer, oder sie waren mit dem Einladen ihrer Karossen, Wassergefäße und Waffen beschäftigt, namentlich waren es ihre Gewehre, mit denen sie sich viel zu schaffen machten.

Jagd auf Wasser-Antilopen.

Schon war der König im Begriffe sein Gehöfte zu verlassen, als er von meinen englischen Freunden an sein ihnen so oft gegebenes Versprechen gemahnt wurde. Hier zeigte es sich nun deutlich, wie abscheulich der König an den Engländern gehandelt; trotzdem er sie so lange vertröstet und sie förmlich ausgesogen, hatten die Herren Alles willig gethan, um nur jedem seiner Wünsche nachzukommen, sie hatten kaum ordentliche Kleider mehr am Leibe, zweimal waren sie von Panda ma Tenka nach Schescheke nur dieser ihnen so angepriesenen Jagd halber herüber gekommen und nun trachtete Sepopo nochmals sie davon abzuhalten. Er that dies aus zwei Gründen, erstlich weil er gewohnt war, die erlegten Elephanten als seine Jagdbeute zu betrachten, wenn er auch selbst nicht einen einzigen erlegt hatte; es hieß immer, der König habe alle Elephanten geschossen, und dann, weil er die Neugierde der Weißen fürchtete, welche durch den Reichthum des Landes an Elephanten leicht zu öfteren Besuchen verleitet werden konnten. Von mehreren Häuptlingen gedrängt, gab er endlich nach und stellte den drei Jägern, sowie einem Händler mit Namen Dorehill, der den König schon ein Jahr zuvor besucht hatte, einen Kahn zur Verfügung.

Gegen Mittag reiste der König ab und die Flottille — am Ufer vor Schescheke standen allein etwa zweihundert Boote — setzte sich unter den Klängen von Sepopo’s Capelle in Bewegung. Ich bedaure nur, daß ich die Jagd selbst nicht mitmachen konnte, ohne des Königs Verdacht zu erregen, auf meiner Weiterreise durch sein Reich seine Elephanten belästigen zu wollen.

Die Abendstunden, welche ich nun in Gesellschaft W.’s zubrachte, benützte ich mit seiner Hilfe, um mit den Eingebornen über deren Sitten und Gebräuche zu sprechen und Erkundigungen einzuziehen. Während des Mahles am ersten Abende fand sich ein Marutse mit Namen Uana ca Njambe, d. i. Kind Gottes, ein, er hielt sich für sehr weise und wurde von Sepopo oft zu Rathe gezogen.

Am 29. blieb ich in unserem Gehöfte als Wächter zurück, während W. mit seinen Dienern auf die Jagd auszog, sie waren glücklicher als ich am Tage vorher, denn sie brachten einen Letschwebock heim, das arme Thier hatte nicht weniger als zehn Kugeln im Leibe. Ich glaube, daß keine Antilope so stark und mächtig entwickelte Halsmuskeln besitzt wie der Letschwe. Am 30. kamen mehrere Marutse in unser Gehöft, welche um die Stirne und Brust aus Schlangenhäuten gearbeitete Binden zu dem Zwecke trugen, um den Kopf- und Brustschmerz zu verscheuchen; sie belehrten mich, daß sie dieselben auch zur Abwehr des Hungers trugen, ähnlich wie dies die Makalaka’s mit Riemen und die Matabele mit Kattunstücken thun, indem sie sich damit den Unterleib zusammenschnüren. Am Abende kamen zwei Bootsleute von den vier auf die Elephantenjagd ausgezogenen Weißen, um ihnen Nahrung nachzuführen. Sie brachten die Nachricht, daß die Jagd bisher ohne Erfolg gewesen sei und am folgenden Morgen fortgesetzt werden solle. Nach einer Stunde kehrte Herr Dorehill und H. Cowley unerwartet zurück, sie schienen höchst enttäuscht und entrüstet. Sie waren mit Sepopo und den hervorragendsten seiner Leute in einem Schilfdickicht postirt, in welchem sie die zuerst von der Vorhut angetroffene Elephantenheerde erwarteten. Der König war unvorsichtig genug, schon aus einer Entfernung von sechzig Schritten zu feuern, so daß sich die Heerde sofort zur Flucht wandte, und nach allen Seiten in das Dickicht auseinanderstob. In des Königs Nähe lagen über achthundert Schützen und eben so zahlreich waren die Antreiber gewesen. Kaum daß sich die Elephanten zur Flucht wandten, feuerten nun alle ihre Gewehre auf diese los, viele legten dabei die Waffe gar nicht an die Wange an und so war es nicht zu verwundern, daß blos fünf Elephanten dabei getödtet wurden. Die beiden Jäger erzählten, daß sie sich zur Erde werfen mußten, um den Geschossen auszuweichen, denn die Kugeln flogen wie Hagel nach allen Seiten. Die ganze Masse der Antreiber benahm sich sehr ungeschickt und erzielte einen viel geringeren Erfolg, als ihn zwei Masarwa’s erreicht haben würden. Der König machte seiner Entrüstung über den Mißerfolg der Jagd in der gewohnten Weise Luft, indem er mit einem Stocke seine schwarzen Unterthanen so lange schlug, bis sein Arm erlahmte. Der König war mit allerlei Salben beschmiert auf die Jagd gegangen, welche Vorsichtsmaßregel er ein Molemo nannte, um sich leicht der Elephanten zu bemächtigen.

Büffeljagd.

Am 1. November machte ich einen größeren Ausflug nach dem Westen in den Schescheker Wald. Schon vor Sonnenaufgang passirte ich die Stelle, an welcher Alt-Schescheke gestanden und zog dann in westlicher Richtung weiter. Zu meiner Linken breitete sich das Thal des Zambesi, eine unabsehbare mit Bäumen und Schilfdickichten bewachsene Ebene aus, von zahlreichen hie und da bis Meilen langen, tiefen Flußarmen durchfurcht. Der Gehölzrand, an dem ich mich vorwärts bewegte, lag etwa zwanzig Fuß über dem Flußniveau. Manche der Lagunen erstreckten sich vom Flusse in nordwestlicher Richtung bis an das Gehölz, welches sie bis auf einige Meilen begleiteten, während sich der Fluß stellenweise bis drei Meilen von dem Gehölze entfernte. Etwa zehn Meilen von Schescheke ober einer der genannten Lagunen, erblickte ich zwei Schlangenhalsvögel. Diese Thiere bieten, auf einem kahlen, überhängendem Aste sitzend, einen eigentümlichen Anblick. Der niedrige gedrungene Körper und die kurzen Füße stehen in keiner Proportion zu dem dünnen langen Halse, der keinen Moment ruhig, meist schlangenförmige Bewegungen ausführt. Noch wunderlicher erscheint uns dieser Vogel, wenn wir ihn im Wasser schwimmen sehen, der gesammte Körper ist dann bis zur Hälfte des langen Halses in das Wasser eingesunken, nur das schmale mit einem sehr scharfen Schnabel versehene Köpfchen und die dünnste Halspartie ragt über das Wasser empor. Ich begegnete dem Plotus congensis in der östlichen Cap-Colonie und dann erst wieder am Zambesi. Es scheint kaum glaublich, daß das Thier seinen Hals derart erweitern kann, daß es handbreite Fische ohne besondere Beschwerden zu verschlucken vermag; es gelang mir, einige derselben zu erbeuten, obgleich sie in’s Wasser fielen und das Herausholen derselben mir und meinen vier Dienern der Krokodile halber, von welchen die Lagune wimmelte, etwas beschwerlich wurde. Weiter ziehend erlegte ich einen Francolinus nudicollis und nach einigen weiteren Schritten stießen wir auf frische Büffelspuren; diese führten vom Walde zum Flusse herab.