Wir folgten ihnen und kamen in den Wald zurück, dann an einem Eingebornendorfe vorüber und tiefer in den Wald hinein. Etwa drei Meilen vom Dorfe fanden wir neben den Spuren frische halbzerkaute Grashalme, die unsere Aufmerksamkeit auf das Aeußerste spannten weil wir uns die Thiere in unmittelbarer Nähe dachten. Der Niederwald von Schescheke ist in dieser Richtung zwar ziemlich dicht, doch sind die Bäume nicht hoch. Er umschließt viele hochbegraste Lichtungen und bildet gegen dieselben zu oft Gebüschdickichte von Unterholz welche das Vorwärtskommen äußerst erschweren.
Wir hatten nun in einer Partie des Waldes ganz frische Spuren bemerkt und bewegten uns mit größter Vorsicht vorwärts. Gebeugt gingen wir etwa drei Schritte von einander entfernt und musterten scharf die Umgebung. Tschukuru, der Matonga-Diener, war der erste, welcher den übrigen Dienern ein Halt gebot und sich vorbeugend, mir Wort »Narri« (Büffel) zuflüsterte. »Okaj (wo)?« frug ich, »kia hassibona narri (ich sehe keinen Büffel).« Tschukuru drückte leise an meine Schulter um mich zum Niederbengen zu bewegen, was die Anderen auch verstanden und sich je hinter einem Baume niederhockten. Der mir angegebenen Richtung folgend, sah ich etwa 120 Schritte vor mir einige dunkle auf der Erde liegende Körper, es waren vier Büffel, von welchen einer mit der Stirne zu mir gekehrt lag. Auf diesen legte ich nun an und feuerte. Wir erhoben uns sofort nach dem Schusse, um dessen Wirkung zu sehen; das in das Dickfleisch des Nackens getroffene Thier wälzte sich auf der Erde herum, doch im nächsten Momente sprang es wieder auf und mit ihm die Gefährten, die wir jedoch nicht deutlich zählen konnten, da sich die Büffel ziemlich dicht aneinander drängend zur Flucht gewendet hatten. Ich konnte nicht annehmen, daß das getroffene Thier schwer verwundet worden war.
Wir verfolgten die Thiere äußerst vorsichtig, denn mir sowohl wie den Dienern war die List eines erzürnten oder verwundeten Büffels wohlbekannt. Der Büffel vermag besser als das Nilpferd Feinde von fremden Gegenständen, die es nicht zu fürchten hat, zu unterscheiden und ist auch ungereizt dem unbewaffneten Menschen gegenüber ungefährlicher als das Hyppopotamus. Verwundet trachtet der Büffel bis zum letzten Momente seinem Gegner beizukommen, um ihn zu vernichten. Um dieses zu erreichen, befolgen die Thiere eine und dieselbe Methode, das Thier wendet sich zur Flucht und sucht sich hinter einem Gebüsch zu verstecken, um den folgenden Jäger zu erwarten, dann stürzt dasselbe hervor, um sich auf ihn zu werfen. Unglücksfälle solcher Art sind ziemlich häufig und selbst erfahrene Jäger, welche diese List des Thieres kannten, sind von dem südafrikanischen Büffel überlistet und schwer verwundet worden. In manchen Fällen begnügt sich dann das erzürnte Thier, mit gesenktem Kopfe auf diesen zu stürzen und ihn emporzuwerfen, was in der Regel eine Ausrenkung des Fußes oder einen Arm- oder Beinbruch zur Folge hat, doch manchmal macht das Thier auch von seinen Hufen Gebrauch und preßt den Körper des Niedergeworfenen mit den Hörnern zur Erde. So ist mir ein Fall, der sich am Limpopo ereignete, bekannt, in welchem ein Weißer und drei Schwarze getödtet und ein vierter Schwarzer von einem und demselben Büffelstier schwer verwundet wurde.
Zweihundert Schritte von der Stelle, an der wir die Stiere zuerst aufgejagt hatten, blieben dieselben stehen, und als wir uns näherten, konnten wir deutlich sehen, wie die vordersten unsere Witterung zu gewinnen suchten; als wir um fünfzig Schritte näher gekommen waren, wandten sie sich mit Ausnahme eines einzigen zur Flucht. Dieser folgte ihnen zuerst langsam einige Schritte nach und dann blieb er stehen, indem er sich hinter einem Baumstamme zu decken suchte. Ich hieß meine Begleiter stehen bleiben, um die Aufmerksamkeit der Thiere auf sich zu lenken, während ich tief gebeugt näher kroch, und dem Büffel eine Kugel in den Leib sandte; das Thier sank für einen Moment, erhob sich jedoch gleich wieder. Ich schlich abermals näher, indem ich mich unter dem Winde hielt, und von links, von der Seite her, dem Thiere aus fünfzig Schritte Entfernung eine Kugel zusandte. Dieser Schuß traf das Thier in die Brust und rasch folgte ein zweiter, der das linke Blatt durchbohrte, nach diesem Schusse wankte das Thier auf eine freiere Stelle, wo es in die Knie sank. Tanzend und singend liefen nun die Diener herbei. Ich aber sandte dem sterbenden Thiere aus einer Entfernung von zwanzig Schritten eine Kugel hinter das Ohr, worauf der Kopf zurückfiel, die mächtigen Füße sich ausstreckten und der Büffelstier unsere Beute war. Jetzt ließen sich die Diener nicht mehr halten und waren mit mehreren Sprüngen oben auf dem Cadaver, um es sich daselbst für einen Moment bequem zu machen. Ein großes Feuer wurde nun angezündet, und ein Stück des Büffelherzens am Feuer gebraten, dann ein Schenkelknochen herausgeschnitten und das Mark geröstet.
Gegen Abend verließ ich mit Narri die Stelle, um heimzukehren, während die übrigen Diener zurückblieben, um das Thier vollends zu zerlegen. Der wilden Thiere halber — Löwenspuren gab es in Menge und an dem Gehölzrande gegen die nächste Lagune zu Leopardenspuren — mußte das Fleisch auf einem Baume aufgehangen werden; da sich jedoch mit Einbruch der Nacht ein heftiges Gewitter entlud, waren sie nicht im Stande, Feuer anzumachen und mußten ebenfalls, auf dem Baume hockend die Nacht zubringen.
Löwenjagd bei Schescheke.
Als ich auf der Heimkehr eben die Stadt betrat, ward ein von zwei Fischern gelenktes, mit Fischen beladenes Boot von dem sich erhebenden Orkan umgeschlagen. Wunderbarer Weise gelangten beide unbeschädigt an’s Ufer dafür aber war der Fluß von einer Menge todter Fische bedeckt, welche die Strömung rasch dem Ufer zutrieb. Wie aus dem Boden gewachsen tauchten nun rechts und links am Ufer Jungen auf, welche es sich angelegen sein ließen, die ausgeworfene Beute sofort in Beschlag zu nehmen. Manche hatten schon ihr kleines von der Schulter herabgerissenes Ledermäntelchen vollgefüllt, als sich plötzlich unter ihnen eine wilde Bewegung bemerkbar machte und die mir zunächst Stehenden die Fische von sich warfen und die obere Uferpartie rasch zu gewinnen suchten. Der durch seine rothe Wolldecke gekennzeichnete Aufseher der Fischer nämlich war wie ein Raubvogel zwischen die beutelustige, am Strande versammelte männliche Jugend Schescheke’s eingefallen und ließ wacker den Stock auf dem Rücken der kleinen Freibeuter tanzen.
Am Morgen des 2. November war ich nicht wenig erstaunt, zahlreiche Bewaffnete nach dem im Westen der Stadt liegenden Walde eilen zu sehen; es konnte doch unmöglich ein Feind sein, dem es zu begegnen galt. Einige auf uns zuschreitende Männer lösten bald diesen Zweifel. Es waren Abgesandte, welche uns den Gruß ihres Häuptlings entboten und uns zu einer Löwenjagd einluden. Vier Löwen waren in des Königs Heerden eingefallen und hatten vier Rinder getödtet. Der von Westen fließende Zambesi machte etwa 150 Schritte oberhalb unseres Gehöftes eine plötzliche Wendung nach Norden, um sich nach einer kurzen Strecke unter einem rechten Winkel nach Osten zu wenden, und so Neu-Schescheke zu umspülen. An dem letzterwähnten scharfen Buge nach Osten zweigt sich eine Lagune nach Westen ab, welche sich in Arme theilt und an deren linkem nördlichen Ufer auf einer Halbinsel der Schauplatz der von den Löwen begangenen Unthat lag. Westbeech und Walsh fanden kein Vergnügen an der Jagd und lehnten die Einladung ab, Cowley und ich folgten derselben.
Cowley war ein angenehmer, achtzehnjähriger Jüngling mit einem rosigen Mädchengesicht; er war sehr zuvorkommend und hatte meiner Ansicht nach nur den einen Fehler, daß er um jeden Preis ein Gordon Cumming werden wollte. Auf einer Löwenjagd hätte er um ein Haar sein Leben eingebüßt; so jung er auch war, hatte er bereits zwei Löwen erlegt, ich fand nun seine Eile erklärlich, den dritten hinzuzufügen. Außer dem Häuptling waren etwa 170 Eingeborene anwesend, davon jedoch nur vier mit Gewehren bewaffnet. Später hatte ich Gelegenheit, zu beobachten, daß die Marutse nur in Fällen, wenn der Löwe ihnen einen Schaden zugefügt hat, mit einigem Muth auf denselben losgehen. Als ich nach einer halben Stunde um die Lagune bog, kam mir der ganze Troß entgegen, man folgte eben der größten der vier Löwenspuren, nachdem man noch zuvor die Hirten über den Vorgang befragt und den Thatbestand bis in’s kleinste Detail aufgenommen hatte. Da man es für unmöglich hielt, daß sich die Löwen so nahe an die Stadt wagen würden, wurden die königlichen Heerden auch in der Nacht auf einer freien Stelle gehalten, während die Hirten in kleinen gebrechlichen Grashütten schliefen.