Nachdem wir uns dem Zuge angeschlossen hatten, brach der ganze Haufe auf, einige Eingeborene, welche von zwei Hunden unterstützt wurden, verfolgten die Spur der Raubthiere. Dann kam Marancian in unserer Begleitung und hinter uns wälzte sich laut schreiend und gesticulirend der übrige Troß. Lange konnten wir indeß diese Marschordnung nicht beibehalten, sie war nur in unbebuschten Partien möglich, doch als die Spur durch Dorndickichte führte, durch welche kaum die Hunde durchschlüpfen konnten, suchte sich jeder durchzuarbeiten, so gut er konnte, dabei war es schwer möglich, sich schußbereit zu halten; noch unangenehmer war unsere Lage dort, wo die Spur durch ausgetrocknete, hochbeschilfte Vertiefungen führte. Indem wir nicht sofort des Thieres ansichtig wurden, sondern es erst nach einer mehr denn einstündigen Verfolgung erblickten, wuchs der Muth unserer schwarzen Begleiter, da sie der Meinung waren, daß der Löwe seiner Schuld bewußt, auf voller Flucht begriffen sei. Wir waren eben aus einer solchen Vertiefung auf eine mit Dornenbüschen bewachsene Düne gelangt, als die Hunde wüthend gegen eine zweite, unseren Weg kreuzende und in die erstgenannte einmündende beschilfte, etwa drei Meter tiefe und acht Meter breite Einsenkung lossprangen. Die Fährte war hier so frisch, daß das Raubthier sich eben verborgen haben mußte. Hier ließen wir den Troß der Eingebornen zurück und forderten sie auf, möglichst viel Lärm zu machen; ich umging die Terrainmulde an ihrem Beginne und stellte mich am gegenüberliegenden Rande schußbereit auf, während mein Begleiter seine Hunde in das Röhricht hetzte. Mehrere Eingeborne, darunter auch Marancian, hatten sich indeß zu mir gesellt.

Das Gebell der Hunde belehrte uns bald, daß das Raubthier uns umgangen und in unserem Rücken Posto gefaßt hatte. Da wir von dieser Seite dem Thiere nicht beikommen konnten, hoffte ich es von dem gegenüber und tiefer liegenden Rande des Röhrichtes zu erblicken und stieg deshalb nach abwärts, um es zu durchschreiten, wobei mir auch der ganze Schwarm der Schwarzen folgte. Wir standen nun etwa hundert Mann an der bezeichneten Stelle und suchten vergebens das Raubthier. Cowley hatte sich am linken Flügel aufgestellt, ich wählte mir die zum Schusse geeignetste Stelle, und zwar dem vermeintlichen Verstecke gegenüber. Da jedoch weder Schreien, noch das Werfen von Holzstücken und Assagaien irgend welchen Erfolg hatte, so ließ ich die noch immer nachströmenden Schwarzen die von mir erst wenige Augenblicke zuvor eingenommene Stelle, wo ich von dem Löwen umgangen worden war, dicht besetzen und mit ihren langgestielten Assagaien das Dickicht durchwühlen. Es war ein Höllenlärm, alle schrieen aus Leibeskräften und hielten ihre Wurfspeere zum Gebrauche bereit. Marancian stand etwa zwanzig Schritte vor mir, von seinen mit Gewehren bewaffneten Unterthanen umgeben. Je länger das Thier in seinem Verstecke verharrte, desto mehr wuchs der Muth der Angreifer. Plötzlich, wie das Aufleuchten eines Blitzes, wirft sich eine Löwin mit einem Satze aus dem Gebüsch in das Schilfdickicht vor uns und bevor noch die Wurfgeschosse sie erreichen konnten, erfolgte ein zweiter Satz, mit welchem die Löwin laut aufbrüllend fünfzehn Schritte rechts von mir mitten in die Doppelreihe der schwarzen Jäger sprang. Leider war es mir in diesem sonst günstigen Momente des dichten sich zwischen mir und dem Thiere befindlichen Menschenknäuels halber nicht möglich, das Gewehr abzufeuern. Die Löwin hatte die Menschen nieder- und auseinandergeworfen, ohne sie arg verletzt zu haben und war dann mit einem dritten Satze in einem überaus dichten, zwei Schritte hinter uns beginnenden, an zwölf Fuß hohem Dickichte verschwunden. Sofort wandten wir uns alle dem neuen Schlupfwinkel der Löwin zu. Marancian befahl seinen Leuten, das Schilfrohr niederzubrechen und das Raubthier nach der entgegengesetzten Seite zu drängen. Was uns alle befremdete, war das Verstummen der Hunde, sie waren inzwischen in das Dickicht eingedrungen und erst, als sich die Leute an das Brechen des Schilfrohres machten, hörten wir ihr von der Wiese herüberschallendes Gekläffe.

Wir eilten so schnell, als uns unsere Füße nur trugen, auf die Wiese und sahen die Löwin in weiten Sätzen dahinjagen und die Hunde unmittelbar auf ihren Fersen. Ich sah meinem armen Freunde den Verdruß an, seine früher eingenommene Stelle verlassen zu haben. Die Scene, die nun folgte, wäre wohl des Griffels eines Künstlers werth gewesen. Vergegenwärtigen wir uns eine nach Südwest und West von Schilfrohr-Dickichten, nach Norden von einem Gebüsch umsäumte, an 800 Meter lange und 600 bis 700 Meter breite, hochbegraste Wiesenfläche. Auf dieser als den vordersten Gegenstand der sich dahinbewegenden Gruppe die gelbliche, sich momentan über das hohe Gras emporschnellende Gestalt der flüchtenden Löwin, dann die kleineren, jedoch nur seltener sichtbaren der Hunde und dann der gesammte Troß der Verfolger, an zweihundert dunkle Menschengestalten, die einen trabend, die letzten raschen Schrittes folgend, die vordersten jedoch einander in schnellem Laufe überbietend. Die meisten bis auf die rothen, weißen, carrirten oder ledernen, braunen Schürzen, vollkommen entblößt, nur wenige mit über die Schulter geworfenen Karoßmäntelchen, die bei dem raschen Laufe und den hohen Sprüngen lustig im Winde flatterten. Die Einen schwingen die langen Waffen, die Anderen haben ihre Speere geschultert, und während die vorderste durch die Flucht der Löwin ermuthigte Schaar lautgellende Schreie ausstößt, beginnt die Nachhut die Melodie zum Löwentanz. Etwa 800 Meter von ihrem letzten Schlupfwinkel nahm die Löwin abermals in einem Schilfrohr-Dickicht von dreieckiger Form, im Umfange von siebzig Metern, ihre Zuflucht. Dieses Dickicht war an seiner nördlichen, langen Seite von einer zehn Fuß hohen, bebuschten Sanddüne begrenzt. Marancian faßte mit seinem Stabe von etwa sechzig Schwarzen circa acht Meter vor dem Röhricht Posto; ich etwa fünf Meter der Basis des schilfigen Dreieckes gegenüber (an seinem Ostrande). Cowley stand etwa dreißig Schritte hinter mir und hinter einem Busche auf der Düne, da er sich dachte, daß die Löwin von unten gedrängt, nach aufwärts längs der Düne zu entkommen trachten werde. Etwa zehn Eingeborne hatten sich zu meiner Seite postirt. Nun folgte die vielleicht interessanteste Episode dieses Abenteuers. Von Marancian theils durch Worte aufgemuntert, theils auch fühlbar mit seinem langen Stabe dazu angespornt, begannen die meisten der Jäger von seiner Seite her das Schilfrohr in der Mitte seiner Höhe zu brechen und sich darauf zu schwingen. Das Schilfdickicht vor mir verwandelte sich nach und nach in eine schwankende, dunkelgrüne, prasselnde, vier Fuß hohe Gerüstdecke, auf der sich vierzig schwarze Gehalten in einer so eigenthümlichen Weise herumtummelten, daß man trotz des Ernstes der Situation das Lachen nicht unterdrücken konnte. Dabei wurde geschrieen und mit der freien Hand gesticulirt, daß man eine Schlachtscene vor sich zu sehen glauben konnte. Bei allen den Bewegungen war es jedoch für die Leute äußerst schwierig, das Gleichgewicht auf der schwankenden Rohrdecke zu behaupten, hier fiel einer der Länge nach kopfüber, dort zwei nach rückwärts.

Die Scene änderte sich jeden Augenblick. Man hatte von der Spitze des Dreieckes begonnen und arbeitete gegen seine Basis, gegen uns zu, und hatte so allmälig das ganze Dickicht bis auf eine kleine Ecke (Dünenecke) niedergebrochen; die Löwin war unstreitig immer mehr zurückgewichen und wir mußten sie jeden Augenblick hervorstürzen sehen. Um so gespannter und aufgeregter schien alles, nur Marancian nicht, der noch immer auf seinem Platze in aller Gemüthsruhe saß. Plötzlich erschallt ein zorniges Brummen und aus dem noch ungebrochenem Schilfe stürzt die Löwin auf ihre Angreifer hervor. Von diesen feuert einer einen Schuß ab, die Kugel schlägt in den Sand zwischen die Leute zu meiner Rechten ein, die meisten der Braven auf der schwankenden Decke fallen aus Bestürzung zurück, ein guter Theil wird unsichtbar, von den Hintersten werfen einige die mächtigen Wurfspeere auf das Thier, welches nach dem Ausfalle sofort wieder in seinen Schlupfwinkel zurückkehrt und sich hier niederkauert, um einen rettenden Sprung auf die Düne zu wagen. In diesem Momente den Kopf des Thieres erblickend, springe ich heran und feuere aus einer Entfernung von zwei Metern, drei Speere fallen zu gleicher Zeit in das Dickicht ein und treffen das Raubthier, dessen Brummen aufgehört hat. Das Thier war todt, doch um sicherer zu sein, feuern ich und Cowley zu gleicher Zeit und zwanzig Speere senken sich noch überdies in den Körper der Löwin, bevor man sie herauszog. Nun kam jeder der Schwarzen herbei und einen Spruch murmelnd bohrte er seinen Assagai in den Leib des Thieres. Da die Löwen des Königs Ochsen getödtet hatten, mußte der Schädel des Thieres als ein Beschwörungsmittel dienen und über dem Viehkraal in Schescheke aufgehangen werden.

Ich kehrte mit Cowley heim, während unsere Trophäe am Nachmittage unter Sang und Klang zur Stadt gebracht wurde. Vier kräftige Männer trugen an zwei Pfählen (die Vorder- und Hintertatzen des Thieres waren zusammengebunden worden) die Löwin, so daß ihr Kopf beinahe auf der Erde schleifte. Bei ihrer Annäherung — es war beinahe um dieselbe Zeit, als meine Diener mit dem Büffelfleisch heimkehrten — zog ihnen der Rest der männlichen Bevölkerung entgegen. Man musizirte auf der schon erwähnten Löwentrommel und führte dabei den Löwentanz auf. Die Menge ordnete sich hierbei in zwei Gruppen, die Träger der Beute und die Jäger. Diese wurden von dem Würdenträger, der den Kampf geleitet, eröffnet; ihm folgten diejenigen Jäger, die dem Thiere am nächsten gestanden hatten, während sich in der Mitte der Menge der Musiker, ein Tambour, befand. Die Tänzer bildeten plötzlich aus der Gruppe nach rechts, links und vorne hinausrennende, mit Schild und Speer den Löwenkampf versinnlichende Jäger, die den regsten Antheil an der Jagd genommen hatten. Der Gesang der zweiten oder tanzenden Gruppe, der von der vorderen beantwortet wird, ist nicht so monoton wie bei anderen Gelegenheiten, wird jedoch durch die Töne des Instruments, die ihn begleiten, sehr verunglimpft.

Maschukulumbe an Sepopo’s Hofe.

Als der Körper des Thieres unter den beiden Mimosen niedergelegt wurde, untersuchten ich und Cowley die Wunden und fanden, daß mein erster Schuß die linke Schädelhälfte der Länge nach durchbohrt hatte. Nach dem Schusse lag die Löwin auf der Erde und von ihrem Gesichte war nur ein kleiner Theil unter den Augen sichtbar geworden. Dorthin drang meine zweite und auch Cowley’s Kugel ein; ich fand sie in dem zerschmetterten zweiten Halswirbel, während sich die kleine Bleipille meines Freundes an den scharfen unteren Schädelknochen in Atome zersplittert hatte.

Mit der Aufzeichnung dieser Löwenjagd war auch das mir von Westbeech geschenkte und aus seinem Tagebuche geschnittene Papier, das letzte, dessen ich überhaupt habhaft werden konnte, ausgegangen, ich nahm nun meine Zeitungen, die ich in Schoschong erhalten und zwischen denen ich Pflanzen zu pressen pflegte, zu Hilfe, schnitt die freien Ränder ab und klebte sie mit dem Gummi der Mimosen zu Blättern zusammen.