Sepopo’s Arzt.
Am 20. machte ich wieder einen Ausflug nach Nordost und schoß eine Steinbock-Gazelle, dabei war meine Ausbeute an Coleoptera äußerst reich. Am folgenden Tage machte ich einen größeren Ausflug nach Norden. Ich verließ Schescheke noch vor Tagesgrauen und kehrte gegen sechs Uhr Abends heim. Trotz des starken Thaues und der sonstigen Mühen fühlte ich mich durch neue Beobachtungen und die gewonnene Beute reichlich entlohnt. Ich fand manche Theile des Waldes mit einem hohen umfangreichen Busch, der von Tausenden großer weißer Blüthen bedeckt war, dicht bestanden. Diese Blüthen dufteten so herrlich, daß die Luft im Walde von einem starken, förmlich berauschenden Wohlgeruche geschwängert war. Auf einer der tief im Walde liegenden Lichtungen fand ich zwei zuvor noch nicht beobachtete Lilien, die eine zeigte eine schöne violette Blüthe; an der zweiten fand ich einen ockergelben Blattkäfer, an den jungen Trieben des Mutsetlabusches eine zweite rothblaugestreifte und zwei mir noch neue Rüsselkäfer-Arten. Am Heimwege erhaschte ich an zwei weißblühenden Büschen drei Arten kleiner Rosenkäfer und in einer ausgetrocknete hochbegrasten Bodeneinsenkung, die auf meiner zweiten Reise erwähnte, im Lande Seschele’s angetroffene Litta Spec.
Mabunda. Makololo.
Abends erschien der König in unserem Gehöfte und lud mich und Walsh auf einen Becher Honigbier ein; während des Nachtmahls fertigte der König einen Proceß ab. In der Stadt hatte eine Schlägerei (ein sehr seltenes Ereigniß) stattgefunden, und ein Mann war dabei von seinen Genossen mit dem Widerhaken eines Assagai verwundet worden. Sepopo verurtheilte die Leute zur Zahlung eines Schmerzengeldes und als die Schuldigen (es waren Makalaka’s, welche am Kaschteja wohnen) ihre Insolvenz betheuerten, befahl er ihnen, dem Verwundeten eines ihrer Rinder zu geben, und durch zwei Monate in den königlichen Feldern den Königinnen bei der Ausübung ihrer Arbeiten behilflich zu sein. Am 23. kehrte Bauren über Impalera von Panda ma Tenka nach Schescheke zurück. Er berichtete, daß mein früherer Diener Pit von einem Büffel verwundet worden war und daß Westbeech auf seinem Wege nach Impalera einen Büffel erlegt habe. In Folge der letzten Regen hatten sich die Lachen und Senken in den Gehölzen gefüllt und das Wild sich von der am Zambesi anliegenden Wildebene Blockleyskraal in den Wald zurückgezogen. Am Nachmittage untersuchte ich die beiden Fischspecies Tschi-Mo und Tschi-Maschona, doch sollte ich den Tag nicht beschließen, ohne noch Zeuge einer unerquicklichen und bedauernswerten Scene zu sein, durch die ich die der Königin Moquai gezollte Achtung bedeutend geschmälert sah.
Da ich mich am 24. auf eine Büffeljagd begeben wollte, zog ich mich etwas zeitlicher in meine Hütte zurück. Es mochte etwa neun Uhr Abends sein, als ich ein lautes Weinen vom Flusse her vernahm. Anfangs achtete ich nicht darauf, doch bald wurde dasselbe von einem dumpfen Gebrause menschlicher Stimmen übertönt und erweckte meine Neugierde. Narri, einer meiner Diener, den ich abgesendet, um mich über die Ursache dieser Bewegung aufklären zu lassen, stürzte wenige Minuten später ganz außer Athem zu mir und berichtete, daß die Königin Moquai eben eine ihrer Dienerinnen ertränken lasse. Ich konnte eine solche Handlungsweise von Moquai nicht glauben und eilte zum Flusse, um mich zu überzeugen.
Mehrere Gruppen von zankenden und schreienden aber auch lachenden Menschen belagerten das Ufer, an welches man eben einen anscheinend leblosen Körper einer Sklavin trug. Auf dem Wege nach Moquai’s Wohnung, wohin man diese weiter schleppte, erfuhr ich auch den Sachverhalt. Das vor uns liegende Mädchen, das indessen wieder ihr Bewußtsein erlangt hatte, war eine Dienerin (Sklavin) Moquai’s. Tags zuvor hatte Moquai der Dienerin bekannt gemacht, daß sie ihr einen Mann, einen Mabunda, einen häßlichen Holzschneider, zum Gemahl bestimmt habe. Als Zeichen ihrer Unterwürfigkeit kreuzte die Sklavin ihre Hände über der Brust, doch brach sie im selben Momente in ein lautes Schluchzen aus, ein deutlicher Beweis, wie sehr ihre Gefühle der aufgedrungenen Wahl wiederstrebten. Darüber wurde die Königin so unwillig, daß sie ihre Magd sofort entließ. Moquai, die etwas Aehnliches noch nicht zuvor beobachtet, berief das Mädchen noch einmal vor sich. Als die Königin ihren Befehl wiederholte, wagte es die Sklavin zu widersprechen. Sie wollte ihrer Herrin treu dienen, von dem ihr aufgedrungenen Alten jedoch nichts wissen. Moquai fühlte sich durch diesen Widerstand beleidigt und erzürnt und ließ den Bräutigam rufen und bedeutete ihm, in der Stille der Nacht seine Braut an den Strom zu führen und sie so lange unter Wasser zu halten, bis sie beinahe erschöpft sei, sie dann herauszuziehen und im bewußtlosen Zustande in seine Hütte zu bringen, damit sie aus ihrem Todesschlummer als eine Mosari (eine verheiratete Frau) erwache.
Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als am nächsten Morgen Gesang und Trommelschlag aus Moquai’s Gehöfte an mein Ohr schlugen. Vor der Hütte der Neuvermählten wurde der Hochzeitstanz aufgeführt. Ich sah zehn Männer, welche die Füße hoch emporhebend, sich langsam gehend und gleichzeitig vorwärts bewegend, eine elyptische Bahn beschrieben. In der Mitte der Tanzenden stand ein schreiender Sänger, der sich in entgegengesetzter Richtung drehte und mit einem Laubzweige den Tact angab. Die Tänzer waren sämmtlich mit Schürzen aus rauhgargearbeiteten Thierfellen bekleidet (meist Thari- und grauen Fuchsfellen). Manche hatten ihre Waden mit drei bis vier Reihen angefädelter, aus Fruchtschalen verfertigter Schellen behangen. Der Gesang des in der Mitte Hüpfenden wurde vom Schlage zweier Langtrommeln begleitet, vier andere Tänzer hockten auf der Erde, um die müde gewordenen abzulösen. Unter den Tanzenden drehten sich auch zwei kaum zehnjährige Knaben; später gesellten sich zahlreiche Vorübergehende hinzu; namentlich um sich nach dem Tanze an dem Kafirkornbier gütlich zu thun, das die Königin gespendet. Der Tanz dauerte nicht weniger als drei Tage. Zuweilen wiederholt der Kreis den Gesang im Chore, zog die Schultern an einander und führte in demselben Momente eine rasche Vorwärtsbewegung aus.