Als ich am Nachmittage von einem Ausfluge in das westliche Gehölz heimkehrte, lenkte ich meine Schritte nach der Hütte der Neuvermählten. Die Hütten der Leibeigenen ringsum waren im freudigsten Aufruhr; Alles lachte und scherzte und überall saßen und lagen Gruppen um die gefüllten Butschualatöpfe; der Trommelschlag rief viele Neugierige herbei, Alles war lustig und fröhlich, nur Eine, die Hauptperson schien wenig von alldem zu sehen und zu hören, den Kopf auf ihre Hände gestützt, saß sie auf der Erde vor ihrer Hütte; ihre Züge waren starr und das Auge blickte stier auf den nächsten Hüttenzaun.
Am 25. überraschte uns Sepopo und Moquai mit einer Serenade, der erstere hatte sechs, die letztere zwei Musikanten, zwei Myrimbas (Kürbisschalenpianos), und vier Morupas (Röhrentrommeln) im Gefolge; um den König nicht zu beleidigen, blieb ich den ganzen Tag daheim. Gegen Mittag des 26. kam Westbeech von Panda ma Tenka mit Gewehren für den König, auch erschienen zwei Portugiesen in Schescheke, von denen einer, obgleich sie sich beide Señhores nannten, so schwarz wie ein Mambari war, diesen Beinamen jedoch mit Verachtung zurückwies. Francis Roquette hieß der eine, und hatte nebst dunklen Frauen zwanzig Diener. Diese zeichneten sich dadurch aus, daß sie bis auf einen, einem Helmkamm gleichenden Haarkamm ihre Wolle vom Kopfe abgeschabt hatten. Am 27. beendeten meine Diener die ihnen aus Segeltuch zugeschnittenen Segeltuchsäcke, in denen mein Gepäck auf der Weiterreise befördert werden sollte. An diesem Tage wurde auch das im europäischen Style errichtete Berathungshaus fertig und die bisher in einem der königlichen Häuser aufbewahrten Kriegstrommeln darin untergebracht. Da ich deutlich sehen konnte, daß sich die Königinnen zum Aufbruch nach der Barotse rüsteten, traf auch ich meine Vorbereitungen, um jeden Augenblick abreisen zu können. Die beiden Portugiesen kamen vom Norden aus einem der Maschukulumbe-Länder, in welchen sie den größten Theil ihrer Waaren für Elfenbein ausgetauscht hatten, während sie den Rest derselben, Feuerstein-Musketen, grobes Schießpulver in Fäßchen, Blei, Eisenkugeln und Kattun nach Schescheke brachten. Am 1. December 1875 ging endlich mein sehnlichster Wunsch in Erfüllung, ich konnte die Weiterreise stromaufwärts antreten.
[11] Ich bezahlte für 30 Pfund blaue große Glasperlen, die schon um nächsten Tage in der Sonne zersprangen, 30 Pfund Elfenbein.
[12] Einer abergläubischen Ansicht zu Folge halten die Marutse in Verwesung gerathenes Hundefleisch als eine von den Krokodilen besonders gesuchte Lockspeise.
[13] Als sich später die Marutse gegen ihren Herrscher erhoben, eröffneten sie ihre Feindseligkeiten damit, daß sie dieses Riesenboot verbrannten.
X.
Den Zambesi aufwärts.
Aufbruch von Schescheke. — Die Flottille der Königinnen. — Erstes Nachtlager. — Marutse-Typen. — Mankoë. — Fruchtbarkeit des Zambesi-Thales. — Die Stromschnellen an centralen Zambesi. — Die Mutschila-Aumsinga-Stromschnellen. — Schiffbruch in denselben. — Sioma von Löwen belagert. — Vom Fieber besinnungslos niedergeworfen. — Rückkehr nach Schescheke.
Mankoë.