Mambari. Matonga.

Diese Schnellen wären mit den Marutse-Kähnen unpassirbar, wenn sie nicht von den Krokodilen gemieden würden. Die Abwesenheit der großen Saurier ermöglicht es den Schiffern, an solchen Stellen das Boot zu verlassen und den Kahn theils schiebend, theils ziehend das Hinderniß zu überwinden. An den schwierigeren Partien ist es jedoch nöthig, das Gepäck auf die aus dem Flusse hervorragenden Blöcke umzuladen und dann den leeren Kahn über die Stromschnellen zu bringen. Die erste dieser Stromschnellen die wir passirten, nennen die Eingebornen Katima Molelo, sie bestand mehreren Partien und wir waren im Stande, sie mit den Rudern an einer Stelle zu überwinden, während an den übrigen die Bootsleute aussteigen und die Kähne über die Felsenriffe ziehen mußten. Kaum über das Hinderniß gelangt, beeilten sie sich in das Boot zu springen, um den im tieferen Fahrwasser auf der Lauer liegenden Krokodilen zu entgehen. Die nächstbedeutendste Stromschnelle nach dieser, die wir am 5. zu passiren hatten, war jene von den Eingebornen Mutschila Aumsinga genannte, es ist die gefährlichste auf der Strecke Schescheke-Nambwe-Katarakt, sie ließ leider auch mir ihre Gefährlichkeit fühlen. Meine Krankheit hatte sich an diesem Tage verschlimmert, allein ich achtete darauf, daß mir selbst das Sitzen in dem Kahne beschwerlich wurde, indem es mit Gliederschmerzen verbunden war, dennoch ließ ich mich in meiner kartographischen Arbeit nicht stören.

Zambesi aufwärts.

Die Mutschila-Aumsinga-Stromschnelle wird durch eine ziemlich bedeutende Neigung des felsigen Bettes, sowie zahlreiche unter dem Wasser liegende Felsenblöcke gebildet, doch die dem Schiffer drohende Gefahr rührt von einem anderen Umstande her. Zwischen einer bewaldeten Insel und dem linken Ufer gelegen, und nur etwa fünfzig Meter breit, zeigt sie zwei, durch einige an ihrem Beginn liegende Inseln bedingte Seitenströmungen, welche die Kraft des Schiffers erschöpfen, und dieß um so mehr, als sie an keiner Stelle so seicht ist, daß die Bootsleute den Kahn über die Schwelle ziehen könnten. Ein zweiter Uebelstand in meinem Falle war, daß die Kähne schwer beladen, aber nicht hinreichend bemannt waren. Meine Gewehre sowie meine Tagebücher, Glasperlen, Patronen, und die für die Häuptlinge und Könige bestimmten Geschenke befanden sich in meinem Boote, das an diesem Tage das dritte in der Reihenfolge war. Das zweite war jenes, welches mein Schießpulver, meine Medicamente, meine Provisionen und die in Schescheke gesammelten Insecten und Pflanzen führte (die übrigen gesammelten Gegenstände hatte ich Westbeech zur Weiterbeförderung nach Panda ma Tenka übergeben). Da ich sah, daß die Bemannung dieses Bootes nur mit genauer Noth der Strömung Widerstand leisten konnte, rief ich den Leuten zu, die vom Ufer überhängenden Bäume und Büsche zu ergreifen, um das Boot mindestens in seiner Stellung zu erhalten. Meine Zurufe wurden indeß vom Brausen der Strömung übertönt. Die Ruder gleiten von der Felsenplatte wie von einer Spiegelfläche ab, die ihnen allen wohlbekannte Gefahr verwirrt die Bootsleute, statt ihre Muskeln anzuspannen; regellos greifen ihre Ruder ein und damit war das Los des Bootes entschieden. Doch nein, es kann nicht möglich sein, so bitter und unversöhnlich kann ja des Geschickes Walten mir nicht entgegentreten. Meine Medicamente, die Nahrungsmittel, die Mühen so vieler Tage sollten vom Wasser verschlungen und mir verloren gehen? und eben jetzt, da ich an Fieber erkrankt, ihrer bedürftiger als je gewesen, und wo die Hoffnung und Möglichkeit, das Verlorene wieder zu erlangen, vollkommen fern gerückt war?

Meine Bootsleute wurden durch die verzweifelte Lage des vorderen Bootes verwirrt und die Strömung begann auch mit unserem Boote ihr Spiel. Doch wir waren dem Ufer nahe und rasch genug konnten die überhängenden Aeste ergriffen und das Boot gegen die Insel herangezogen werden. Das erste Boot aber war der Wucht der Strömung nachgebend, bald aus seiner zur Stromlinie parallellen Stellung gebracht und bot der Gewalt des Wassers seine Breitseite entgegen. »Helft doch!« schrie ich verzweifelt den Leuten in meinem Boote zu und war eben selbst im Begriffe in das Wasser zu springen, alles andere, selbst das heftige Fieber, unter dessen Einwirkung ich seit den letzten zwei Stunden so heftig transpirirte, daß die Kleider am Körper klebten, war unter den obwaltenden Umständen vergessen; meine Bootsleute hielten mich aber mit Gewalt zurück. Von der Strömung erfaßt, auf der einen Seite niedergepreßt, neigte sich das Boot, seine Lenker, denen bei dem verzweifelten Versuch, die Gewalt der Strömung zu überwinden, die Ruder gebrochen waren, verloren das Gleichgewicht und in demselben Momente schlug die erste Welle in das Boot, bald folgten eine zweite, eine dritte Welle und nun — ich traute meinen Augen nicht — schlug es um. Nach mehrfachen Anstrengungen, wobei meine und die folgenden Bootsleute treulich mithalfen, gelang es, das Boot wieder flott zu machen und einige Gegenstände zu retten.

Alle kühnen Hoffnungen, alle Pläne und Wünsche, der Traum vom atlantischen Ocean — alles war hier versunken. Mitleidslos zerstörte das Geschick in wenigen Augenblicken die siebenjährigen Vorbereitungen zur Ausführung meiner mir selbstgestellten Aufgabe. Angesichts dieses Unfalls, der alle früheren Enttäuschungen tausendfach überbot, mußte ich, vom Fieber niedergeworfen, auf die Fortsetzung der Reise, der alle meine Anstrengungen galten, verzichten. Und um das Maaß der bitteren Erfahrungen voll zu machen, sah ich auch die Früchte monatelanger Arbeit emsigen Sammelns vernichtet — kaum einen nennenswerten Bruchteil konnte ich retten.

Verlust meines Bootes.