Am 9. schleppten mich meine Diener zu einigen geräumigen Hütten über dem Katarakte (etwa 1000 Schritte weit) die für die Königin Moquai errichtet waren. Von den Stromschnellen waren die, von den Marutse Manekango, sowie die, Muniruola genannten, die gefährlichsten zu passiren. Die letzteren waren von einer förmlichen Felsenmauer gebildet, die achtundzwanzig Zoll über dem Wasser quer über den Fluß hinzog und durch welche sich das Wasser durch kleinere und größere Oeffnungen Bahn brach. Bei der heftigen Strömung mußten die Bootsleute die Kähne emporheben und an den engen Durchbruchsstellen durchzuziehen trachten, unterdessen legten mich die Bootsleute aus dem Kahne auf das Felsenriff. In den erwähnten Hütten hatte die Königin drei Tage lang auf mich gewartet, sie dachte, daß ich umgekehrt wäre und setzte die Heimreise fort, sandte aber am 9. von ihrer entfernten Landungsstelle ihren Gemahl Manengo zu mir. Nachmittags stellte sich heftiges Erbrechen und Athembeschwerden ein, ließen aber glücklicher Weise am nächsten Tage wieder nach und ich konnte einige Löffel Maizena zu mir nehmen.
An diesem Tage fuhr Inkambella, der Gouverneur der Barotse, nach Sepopo der bedeutendste Mann im Lande, stromabwärts vorbei. Abends trat abermals eine Verschlimmerung meines Zustandes ein und ich ließ die Bootsleute rufen, um mich mit ihnen über die Rückkehr nach Schescheke verständigen zu können; von meinen Dienern hörte ich indeß, daß diese bereits zwei Kähne unterhalb der Fälle in Bereitschaft hielten, meiner Weisung also schon zuvorgekommen waren. Als ich sie deshalb zur Rede stellte, erfuhr ich, daß ihnen König Sepopo einen geheimen Befehl ertheilt hatte, auf mich wohl Acht zu geben und mich wo möglich in seinem Reiche am Leben zu erhalten. Als Arzt hatte ich mir Achtung verschafft und der König, der mich deshalb als großen Zauberer ansah, wollte es verhüten, daß durch meinen Tod ein großes Unglück über das Land hereinbreche.
Am 11. luden mich die Bootsleute in einen der Kähne, meinen Diener Narri in den zweiten und steuerten bald darauf mit mir gegen Schescheke zu — nicht ohne vorher von mir Geschenke erpreßt zu haben. Zu gleicher Zeit stritten sie sich mit meinen Dienern, weil diese sie beim Diebstahle einiger meiner Gegenstände ertappt hatten.
Auf der Rückfahrt am 11. brannte die Sonne so heiß und der Durst quälte mich so sehr, daß ich, um nur etwas Kühlung zu finden, meine Hände aus dem Boote in’s Wasser herabhängen ließ. Die Bootsleute beeilten sich jedoch, mir sie wieder in den Schoß zu legen und warnten mich vor den zahlreichen Krokodilen. Abends übernachteten wir einige Meilen östlich von Katonga und langten am folgenden Tage in Schescheke an. Als ich von den Bootsleuten zu Westbeech gebracht wurde und mich in der Thüre aufstellte, erkannte mich dieser nicht wieder.
XI.
Dritter Aufenthalt in Schescheke
Condolenzbesuche des Königs und der Häuptlinge — Eine neue Unthat Sepopo’s. — Masarwa’s in Schescheke. — Ceremoniell bei den Mahlzeiten an Sepopo’s Hof. — Mein erster Ausflug. — Der Fischfang im Marutse-Reiche. — Sepopo erkrankt. — Wanderungen eines Arabers durch Süd-Afrika. — Unterthanen-Verhältniß im Marutse-Reiche. — Characterzüge einzelner Stämme des Reiches. — Die Zukunft des Landes.
Fischotterjagd am Tschobeflusse.
Nach Schescheke zurückgekehrt, war es meine Absicht, hier meine Genesung abzuwarten und die Reise dann fortzusetzen. Mein Zustand verschlechterte sich indeß wieder, und da eben die ungesunde Zeit eingetreten war, rieth mir Sepopo sowohl als Westbeech, die Stadt und das Marutse-Reich zu verlassen, nach dem Süden zurückzukehren und meine Reise erst nach meiner vollständigen Genesung wieder aufzunehmen. Meine bisherigen Erfahrungen sagten mir aber, daß die Befolgung dieses Rathes einem Entsagen aller und jeder Hoffnung, in nächster Zeit das Ziel zu erreichen, gleichkam.
Der König, sowie mehrere mir befreundete Häuptlinge kamen um mich zu sehen und drückten ihr Bedauern aus, obgleich mich die meisten versicherten, daß sie meine Erkrankung vorhergesehen; jeder sprach die Ansicht aus, daß ich zu spät Schescheke verlassen hatte, der König beschuldigte mich, daß ich mit meinem Besuche der Victoriafälle des Zambesi die erste günstige Gelegenheit, Schescheke verlassen zu können, versäumt habe, seine Unterthanen jedoch gaben ihm die Schuld, indem er mich von October bis December zurückgehalten habe, und mir vielleicht selbst damals die Kähne nicht zur Verfügung gestellt hätte, wenn er nicht wiederholt von Moquai deshalb bestürmt worden wäre.