Da die von mir bewohnte und von Blockley in Westbeech’s Gehöfte erbaute Hütte nach meiner Abreise eine andere Bestimmung erhalten hatte, nahm mich Westbeech in seinem Waarenhause freundlichst auf. Mit dem Könige selbst ging es stark herab; ich erwähnte, daß während meines Aufenthaltes am Njambwe-Katarakt der geachtetste Mann im ganzen Reich an mir vorüber nach Schescheke fuhr, um den König zu begrüßen. Es war mir auch bekannt, daß ihn Sepopo wegen seines Ansehens und seiner Beliebtheit bei dem Volke tief haßte. Da sich kein Unterthan seines Reiches zu einem Meuchelmord am Barotse-Gouverneur hergegeben hätte, klagte er ihn und die mit ihm von der Barotse zugleich herabgekommenen Häuptlinge des Hochverrates an, doch ohne Erfolg, denn dieselben wurden sofort freigesprochen. Bei dieser Gelegenheit war Westbeech und John Mahura gegenwärtig; wie tief Sepopo in Macht und Ansehen gesunken war, mag daraus hervorgehen, daß er sich während der Verhandlung von Mahura einen Narren und den größten Verräther an seinem Lande nennen ließ.

Am 13. kam der König wieder zu Besuche, indem er mit seinem Hofstaate, sich an dem Mokoro-Tanze belustigend, in das Höfchen hineingelangt war. Er nannte mich seinen Mulekau, und während sich Inkambella und seine Freunde zu mir setzten, trat der König zu Westbeech; die Gesellschaft Inkambella’s war ihm unerträglich geworden.

Am 14. gegen Abend stellten sich bei mir solche Brustschmerzen und Beklemmungen ein, daß ich mich auf der Erde wand und mich meine vier Diener kaum zu halten im Stande waren. Erst nachdem mir Westbeech etwas Ipecacuanha gereicht hatte, und ich mich darauf zweimal erbrochen hatte, wurde das Athmen etwas freier. Später während meiner sechzehnmonatlichen Krankheit wiederholten sich diese Anfälle noch mehrmals, bei deren Bekämpfung mir das oben erwähnte Mittel stets gute Dienste leistete.

Masupia. Panda.

Am 17. berichtete man mir, daß mein zuerst engagirter, portugiesischer Führer Sykendu zu gleicher Zeit mit mir Schescheke verlassen und sich das Zambesi-Thal entlang nach der Barotse gewendet hatte. Unter den Schwarzen, die er mit nach dem Westen nahm, und die er bei den zwischen der Küste und dem Innern Central-Afrikas wohnenden Stämmen gegen Gummi und Elfenbein auszutauschen pflegte, befanden sich auch zwei Mädchen, die er unmittelbar vor seiner Reise gekauft hatte. Eines der Mädchen entzog sich der nach der Westküste ziehenden Sklaven-Carawane heimlich durch die Flucht, sie wurde jedoch wieder eingefangen, mit ihrer Genossin in Ketten gelegt und weiterbefördert.

In den letzten Wochen waren die zahlreichen Völker Sepopo’s durch Vertreter eines neuen Stammes vermehrt worden. Es waren Masarwa’s, welche aus dem östlichen und weltlichen Bamangwato-Lande entflohen, Schutz bei Sepopo suchten und hier als äußerst geschickte Elephantenjäger mit offenen Armen empfangen wurden und ein bedeutend besseres Los als bei ihren früheren Herren zu erwarten hatten. Bei meinem späteren Besuche in dem königlichen Gehöfte machte mich oft der König auf diese Flüchtlinge aufmerksam. »Sieh, Njaka, sieh da die Masarwa’s;« ein andermal. »Hier sitzen Khama’s Unterthanen« u. s. w. Am selben Tage ging es Abends während des Impotegelages in dem königlichen Höfchen recht lebendig zu. Ein Mambari, der von Sekeletu, dem letzten Makololoherrscher zum Sklaven gemacht worden war, beklagte sich darüber, daß er nicht, gleich den anderen, frei gegeben wurde und begann einen Streit mit den Marutse, der in Tätlichkeiten auszuarten drohte.

Ich konnte mich noch immer nicht vom Lager erheben, den ganzen Tag mir allein überlassen, hatte ich Muße genug, über meinen Zustand nachzudenken und über das harte Walten des Geschickes zu klagen. Durch Boten, die von dem Panda ma Tenka-Flüßchen zum Tschobe gesendet wurden, sowie durch Masupia’s vom genannten Flusse erfuhren wir, daß meine englischen Freunde McLaud, Fairly, Cowley, Dorehill, ihre sämmtlichen Diener, sowie mein Diener Pit in Panda ma Tenka am Fieber schwer erkrankt waren.

Erst am 19. hatte sich mein Zustand so weit gebessert, daß ich mit Hilfe meiner Diener einen Gang durch das Gras um unser Gehöfte machen konnte. Um uns unseren Aufenthalt in Schescheke recht zu verleiden, gesellten sich zu den schon bestehenden Unannehmlichkeiten noch die Mosquitos, welche am Zambesi und am Zugariver eine wahre Landplage sind. Der Abend und die Nacht sind die Zeiten, zu denen diese kleinen blutdürstigen Insecten ihre wüthenden Angriffe auf Mensch und Thier unternehmen, selbst Wolldecken schützen vor den langen spitzen Saugrüsseln der Schnacken nicht. Das einzige Mittel, das uns einigermaßen gegen ihre Angriffe Schutz gewährte, bestand darin, daß wir von den Dienern drei bis vier Kuhdüngerhaufen in unserer Hütte anzünden ließen.

Den folgenden Tag begaben sich Walsh und Westbeech auf die Sporngansjagd und versahen unsere Küche mit frischem Fleischvorrath. Leider erlaubte es mein Zustand nicht, mich selbst an einer solchen Jagd zu betheiligen. Die Sporngänse wie die meisten Entenarten halten sich um diese Zeit des Jahres auf den freien Stellen in den Sümpfen auf, und man nähert sich ihnen mit Kähnen, indem man ihrem Gekaker folgend, durch das hohe Schilfrohr streichen muß. Am erfolgreichsten ist die Jagd bei mäßigem Winde, wobei das Sausen des Schilfes das durch das Boot verursachte Geräusch deckt. Als der König von den Jagderfolgen meines Freundes gehört hatte, kaufte er ihm eine größere Menge Schrot ab und sandte einige seiner Günstlinge auf die Jagd aus, und als ich einige Tage später beim Könige zu Besuche war, wurden einige der erbeuteten Gänse zum Frühstück servirt; aus der Zubereitung derselben konnte ich entnehmen, daß die Marutse gewohnt sind, ähnliches Wild zu erbeuten und zuzubereiten. Speisen in fester Form werden mit den Fingern, halbflüssige mit Holzlöffeln zum Munde geführt und die Mahlzeiten gewöhnlich in sitzender Stellung auf Stroh und Binsenmatten, sei es im Wohnhause oder vor dem Eingange desselben, eingenommen.