Zum königlichen Frühmahle werden stets einige seiner Frauen (Königinnen) und Kinder geladen, die sich gegen Sonnenaufgang (Osten) niederlassen, Fremde (Weiße) erhalten dieselbe Richtung angewiesen, während sie Abends zur Linken des Herrschers zu sitzen kommen. Die eingeladenen Würdenträger, wenn sie zufällig hinzukommen, lassen sich bei den im Hause eingenommenen Mahlzeiten zur Rechten vom Eingange und vom König, bei den im Freien eingenommenen zu seiner Linken und auf bloßer Erde nieder. Bei den Früh-Mahlzeiten im Hause gruppirte sich das stets zahlreich vertretene Volk um den Eingang des Hauses, bei den letzteren um den König, seine Gäste und die Gouverneure in einem Halbzirkel gegen den Hofeingang, so zwar, daß zwischen dem Könige und dem halbkreisförmigen Knäuel eine Stelle offen blieb, die von den das Mahl auftischenden Dienern, beim Mahlschluß von dem königlichen Mundschenk eingenommen wurde. Der König und der Hausherr überhaupt, wenn es ein höherer Würdenträger ist, sucht sich das beste Stück aus, er reicht sodann das Gericht der Lieblingsfrau und den anderen Königinnen, hierauf erst dem weißen Gaste (sind zwei anwesend, so müssen sie sich mit einem Gefäße behelfen) und zuletzt einem oder zweien der Würdenträger. Sind jedoch die Frauen nicht gegenwärtig, so erhalten die Würdenträger oder der Mundschenk die ersten Bissen.

Nach dem Frühstück wird Kafirkornbier genossen, gewöhnlich ein, beim Könige zwei bis drei riesige Töpfe voll. Das Bier wird aus langgestielten Kürbißlöffeln getrunken. Beim Könige wird außerdem noch Honigbier nach dem Frühstück, beim Nachtmahle ein bis drei wohlgefüllte Kalebassen desselben aufgetragen. Für das kredenzen derselben ist stets ein Mundschenk bestimmt, der zuerst das Getränk verkosten muß, bevor er es dem König reicht. Der König leert das erste Gefäß, nippt vom zweiten, um es einer der Frauen oder einem seiner kleinen Kinder zu reichen; dann thut er ein Gleiches dem weißen Besucher gegenüber. Vom Honigbier bekamen nur seine besonderen Günstlinge zu verkosten, meist Menschen, deren Dienst er den Tag über in Anspruch nahm oder es für den nächsten Tag beabsichtigt.

Da der Honig Krongut ist, wird das Honigbier nur in der königlichen Familie öffentlich, sonst nur im Geheimen getrunken, es wird, wie ich schon erwähnte, nicht aus reinem Honig, sondern aus den mit Wasser übergossenen und an einer der Sonne ausgesetzten Stelle acht bis zwölf Stunden in einer Kalebasse belassenen Honigwaben und dem unreinen Honig bereitet.

Am 24. wagte ich einen längeren Ausgang durch die Stadt, ich ging, wie ich es später zu meiner Hauptbeschäftigung in Schescheke machte, um gegen die nun leider nicht mehr benöthigten Ausrüstungs-Utensilien von den verschiedenen Schescheke bewohnenden Stämmen ethnographische Objekte einzutauschen. Unter den gesammelten Pflanzen fand ich ein Drittel mir schon bekannter Arten vor, zwei Dritttheile waren mir neu, von welchen wieder ein großer Theil vom unmittelbaren Ufer des Zambesi aus dem Zambesi-Hochlande herrührte.[14]

Die uns durch die Mosquitos bereiteten schlaflosen Abende benützte ich, um von Westbeech Näheres über die als Unterthanen der Matabele am Majtengwe wohnenden westlichen Südzambesi-Makalakas zu erfahren, die ich persönlich während meiner verschiedenen Besuche in Schoschong sowie durch die Berichte meines Freundes Mackenzie kennen gelernt hatte.

Am 25. fühlte sich der König derart unwohl, daß er den Weißen den Eintritt in sein Gehöft bis auf Weiteres verbot; es war das unstreitig das Werk Sykendu’s, dem es darum zu thun war, dem gesunkenen Handel seiner Partei wieder aufzuhelfen und die weißen Männer aus dem Süden möglichst zu verschwärzen und ihnen die Gunst Sepopo’s zu entziehen.

Täglich brachten uns die Fischer Sepopo’s Fische zum Kaufe. Die im Marutse-Reiche übliche Fischerei theile ich in Fisch- und Wasserreptilien-Fang ein. Im Fange gewisser Wasserreptilien haben einige, im Fischfange die sämmtlichen am Zambesi vom Kabompo bis weit über die Victoria-Katarakte östlich wohnenden Stämme eine ungewöhnliche Fertigkeit, sie übertreffen in dieser Hinsicht manche der Küstenbewohner (Eingeborne) und jene am N’gami-See, welche keine schlechten Fischer zu nennen sind. Nicht minder meisterhaft betreiben gewisse Stämme im Reiche, wie die Marutse und Mamboë’s den Fang der beiden großen Wasserreptilien, des Wasserleguans und des Krokodils. Die Fischerei verschafft den Bewohnern des Reiches einen nicht unbedeutenden Theil der Lebensbedürfnisse; die Fische, welche regelmäßige Steuer- und Tributabgaben bilden, sind auch Handelsartikel. Der Fischfang wird auf fünffache Art betrieben: 1. in Netzen, 2. in Reusen, 3. in niedrigen kleinen Dämmen, 4. durch Absperren kleinerer Lagunen mit weitmaschigen Rohrmatten und 5. mit Speeren. Von den fünf verschiedenen Fangweisen der Fische im Marutse-Reiche ist der Fang mit Netzen am großartigsten und reichlichst lohnend. Die Marutse arbeiten sehr gute, weite und engmaschige, mit Schwimmpflöckchen und Beschwermitteln versehene, fünfzehn bis fünfundzwanzig Meter breite Netze aus Bastfäden, die zu Federspul- und kleinfingerdicken Schnüren gedreht sind. Die Netze entsprechen ihrem Zwecke vollkommen, halten sich auch länger als man denken würde. Nach beendeten Fischzügen werden sie sorgsam gereinigt und getrocknet. Die Netze werden meist zum Fischen in den breiten und längeren Lagunen benützt, namentlich in solchen, die kein morastig-schilfiges Ufer haben. Die Mamboë, Marutse und Masupia sind als die besten Fischer im Reiche bekannt. Dieselben sind in Colonien längs dem Flusse angesiedelt, und bewohnen hier theils stabile, theils periodische Niederlassungen.

Die zweite Fangweise ist die in Reusen; diese wird zur Zeit des niedrigsten und des höchsten Wasserstandes, im letzteren Falle oft combinirt mit der dritten Fangweise, versucht. Im ersteren Falle stets an den Stromschnellen, wo die Wassermenge des Flusses durch zahlreiche Inseln getheilt, kleine, zwischen zwei Felsenblöcke eingeengte Strömchen bildet. Die Reusen sind auffallend schmal, etwa 1½ Meter lang, mit dreißig bis vierzig Zentimeter Querdurchmesser und in der Form unseren Reusen ähnlich. Sie sind aus starkem Rohr gearbeitet und werden dem Strome mit ihren Mündungen entgegengehalten.

Die dritte Fangart besteht in der Errichtung niedriger, aus dem durchweichten Boden der überschwemmten ebenen Partien der Thäler aufgeführter Ringdämme. Diese werden mit dem ersten Sinken des Flusses errichtet, welches so rasch erfolgt, daß man mit Leichtigkeit sich der Fische innerhalb der Dämme bemächtigen kann. Ich fand ähnliche Dammüberreste an ebenen Stellen in der Nachbarschaft der Dörfer und Städte. Der Inquisi wird in dieser Weise häufig erbeutet. Das trübe Wasser erleichtert das Gelingen des Fanges.

Die vierte Fangweise besteht im Absperren der Mündungen kleiner drei bis zehn Meter breiter, minder dicht oder gar nicht beschilfter Lagunen mit weitmaschigen, aus starkem Rohr gearbeiteten Matten. Diese Fangweise wird in den Monaten Mai, Juni, Juli und August zur Zeit des Sinkens des Wassers in der Regel mit gutem Erfolge angewendet. In ähnlicher Weise werden in den Fluß einmündende Regenmulden abgesperrt. Die fünfte Fangweise ist nächst dem Netzfang die anziehendste und beweist die große Geschicklichkeit, mit welcher die Zambesi-Bewohner die leichteren Wurf- und Stoßspeere zu handhaben wissen. Nebst den Fischen werden auch Leguane gespeert, als Speere bedient man sich einer Waffe, die zwischen einem Fischotter- und einem Fischassagai die Mitte hält. Die Scheide ist nur acht bis zehn Zentimeter lang, zierlich gearbeitet und vertritt die nagelförmige runde Spitze der letztgenannten Waffe, so, daß der übrige Theil vierkantig und fingerdick ist. Die vier Kanten sind von vier Reihen gekrümmter Widerhaken gebildet.