Der Unmuth Sepopo’s über seine Krankheit mehrte sich von Tag zu Tag, er wurde mißtrauisch, denn auch diesmal erblickte er in seiner Krankheit den Einfluß eines bösen Zaubers eines seiner Unterthanen und suchte durch eine Reihe von Hinrichtungen diesen Bann zu brechen. Die Stimmung Sepopo’s kam Vielen sehr gelegen, sie konnten sich nun auf die leichteste Weise ihrer Gegner oder Nebenbuhler entledigen, indem sie dieselben einfach des Hochverrates anklagten.

Da sich der Zustand Sepopo’s nicht besserte, ließ er am 27. Sykendu rufen und drohte, ihn hinrichten zu lassen, wenn nicht rasch eine günstige Aenderung eintreten würde. Sykendu versprach ihm rasche Hilfe, jedoch nur unter der Bedingung, daß Sepopo ihm ein schönes Makololo- oder Masupia-Weib übergebe. Der König, welcher bisher das wiederholt ausgesprochene Verlangen des Mambari unberücksichtigt ließ, erfüllte es nunmehr.

Am 30. besuchte mich der Häuptling Rattau; ich lenkte das Gespräch auf meine zukünftige Reise und er erzählte mir von einem Araber, welcher diese Reise einst unternommen hatte. Als ich nun Westbeech darüber befragte, berichtete mir dieser eine Episode, die ebenso abenteuerlich wie interessant genannt werden muß und die Zähigkeit des Arabers erkennen läßt. Ein Araber, der im Dienste des Sultans von Zanzibar stand, schiffte sich mit einem der englischen Dampfschiffe nach Capstadt ein. Hier lebte er eine Zeit lang unter den Malayen und als er von einem Weißen, den er darum befragt hatte, über die Richtung belehrt wurde, in der seine Heimat lag, nahm er sich vor, dahin zu wandern. Man bewilligte ihm die Ueberfahrt nach Port Elizabeth, von wo er sich nach den Diamantenfeldern wandte. Von hier wieder die Richtung nach Norden einschlagend, gelangte er mit dem Wagen eines Händlers bis Kuruman, und bei der ersten Gelegenheit, die sich ihm darbot, nach dem Marico-District, von da kam er irriger Weise wieder nach Kuruman zurück, um schon in kurzer Zeit darauf nach dem Marico-District zurückzukehren. Von Zeerust reiste er auf einem zufällig mit Lebensmitteln nach Schoschong fahrenden Wagen nach dem Lande der östlichen Bamangwato, woselbst er sich eine Zeit lang aufhielt, ohne jedoch das Anerbieten der Schoschonger Kaufleute, sich bei ihnen zu verdingen, anzunehmen.

Das Speeren der Fische.

In ein dürftiges Gewand gehüllt, mit getrocknetem Fleisch und einem Kiri versehen, trat er, nachdem er sich den Weg nach Norden hatte beschreiben lassen, seine Weiterreise an. So kam er bis zum Nataflusse, hier fanden ihn Seschele’s Leute (welche von einem Jagdzuge zurückkehrten) in halbverhungertem Zustande, trugen ihm ihre Hilfe an und forderten ihn auf, mit ihnen nach dem Süden zurückzukehren. Er schlug jedoch ihr Anerbieten aus und zog weiter. In Folge Wassermangels wich er jedoch vom Wege ab, schlug eine östliche Richtung ein und irrte drei Tage lang umher, schlief in der Nacht auf Bäumen, bis er zuletzt unter einem derselben in bewußtlosem Zustande liegen blieb. Hier fanden ihn Matabele, nährten ihn bis er wieder zu Kräften kam und brachten ihn hierauf zu ihrem Könige La Bengula nach Gubuluwajo, woselbst er einige Zeit verweilte. Als er von Westbeech’s erstem Zuge zu Sepopo hörte, folgte er diesem, nachdem ihm der Matabele-König eine Strecke weit Führer mitgegeben. So kam er abermals zum Nataflusse, an dem er den Wagen des holländischen Jägers van Groonen antraf, jedoch ohne Aufenthalt weiter nach dem Zambesi zog. Jenseits des Saddler’schen Tümpels begegneten und berichteten ihm Westbeech’s Diener, daß der letztere am Tschobe weile. In Folge Wassermangels verließ er neuerdings seinen Pfad und traf einen Haufen Masarwa’s, die einen Kudu und ein Zebra erlegt hatten; von ihnen erhielt er Antilopenfleisch und ließ sich zu Westbeech führen. Dieser war nicht wenig erstaunt, diesen kaum bekleideten, und über und über von dem dornenvollen Wege mit Wunden bedeckten Menschen vor sich zu sehen. Am 9. September 1871 verließ der Araber Impalera, um sich mit Sepopo’s Leuten nach der Barotse, wo der König damals wohnte, einzuschiffen. Fünf Monate lang blieb er bei Sepopo, bis er sich erholt hatte; als er sich auf die Weiterreise begab, wurde er von einem Stamme, der weiter ab wohnte, wieder zu Sepopo zurückgebracht, verblieb hier einige Zeit und trat neuerdings seine Reise weiter nach Norden an. Man erfuhr nur noch, daß er nach einer der nördlichen Provinzen des Landes, nach dem Mankoë-Lande gelangt war und dann verschollen blieb.

Gang durch Schescheke.

Am letzten Tage des Jahres 1875 brachten uns Masupia’s von Panda ma Tenka die traurige Nachricht, daß Cowley, der Begleiter der beiden englischen Officiere, welche zu Sepopo der Elephantenjagd halber gekommen waren, dem Fieber erleben sei, ferner daß die beiden Officiere in einem trostlosen Zustande von den Victoriafällen von ihren Dienern zurückgetragen wurden.

Am 2. Jänner 1876 erkrankte Westbeech an einer Entzündung der Kniehöhle, nachdem ihm seine Mittel nicht die gewünschte Linderung brachten, untersuchte ich die erkrankten Stellen und fand, daß beiderseits die Kniehöhle von zahllosen weißen Blasen bedeckt sei. Ich öffnete einige derselben und fand zu meinem Erstaunen, daß sie mit feinen äußerst scharf bewollten Pflanzenhärchen eines binsenartigen Grases gefüllt waren. Zu dem Könige, den ich seit meiner Rückkehr noch nicht besucht hatte, war in der letzten Zeit außer Sykendu, drei seiner Frauen und seinen Günstlingen Niemand zugelassen worden.[15]