[14] Siehe [Anhang 3].
[15] Siehe [Anhang 4].
XII.
Die Culturstufe der Völker im Marutse-Reiche.
Religiöse Vorstellungen. — Lebensweise der Völker. — Ackerbau. — Erträgniß desselben. — Preis der Feldfrüchte. — Consum. — Kleidung der Männer und Frauen. — Die Stellung der Frau im Marutse-Reiche. — Erziehung der Kinder. — Ehe. — Todtenbestattung. — Grabdenkmäler. — Das Reisen im Lande. — Die Rechtspflege im Reiche. — Eine Hinrichtung. — Die Doctoren Sepopo’s. — Aberglauben. — Zaubermittel. — Menschenopfer. — Industrie-Erzeugnisse der Marutse. — Thongefäße. — Holzarbeiten. — Calebassen. — Flechtarbeiten. — Schneide-Werkzeuge. — Jagd- und Kriegswaffen. — Textil-Industrie. — Canoebau. — Tabakspfeifen und Schnupftabakdosen. — Toilette-Artikel. — Schmuckgegenstände.
Ertränken arbeitsunfähiger Personen.
Ich erlaubte mir in den letzten Capiteln bei verschiedenen Gelegenheiten auf die mir interessant erscheinenden Gebräuche im Marutse-Reiche und auf viele Charakterzüge seiner Stämme hinzuweisen; ich will nun die Schilderung derselben im Folgenden vervollständigen und im nächsten Capitel zu meinen Reise-Erlebnissen zurückkehren.
Wie schon erwähnt, besaß die Banthu-Familie, bevor sie sich in die zahlreichen Stämme theilte, welchen wir gegenwärtig begegnen, den Glauben an einen mächtigen, unsichtbaren Gott; bei den Marutse hat sich dieser Glaube unter allen Banthu-Stämmen am reinsten erhalten. Man glaubt an ein unsichtbares allwissendes Wesen, welches genau das Thun eines Jeden beobachtet und mit jedem Menschen nach Belieben verfährt.
Man scheut sich sogar seinen Namen auszusprechen, und bedient in der Regel eines Ersatzwortes: »Molemo«, welches Wort jedoch umfangreichen Begriff in sich schließt und deshalb in seinem jedesmaligen Sinne leicht verwechselt werden kann. Molemo kann Gott, kann böse oder gute Geister, Heilmittel und auch Gifte, Zaubermittel Amulete etc. bezeichnen. Ihre richtige Benennung für das oben erwähnte allwissende Wesen ist »Ñambe« = Njambe. Beim Aussprechen dieses Wortes erheben sie ihre Augen gegen das Firmament, weisen mit der Hand dahin oder sie thun beides ohne Njambe auszusprechen. Ich beobachtete Viele, die es mit »Er da oben« oder »Er« umschrieben. Sie meinen, das mächtige Wesen lebe »mo-chorino«, d. h. im Blau des Firmamentes. Stirbt Jemand natürlichen Todes, so heißt es: »Njambe rief ihn hinweg«; unterliegt ein anderer im Kampfe mit seinem Nebenmenschen, mit wilden Thieren oder der Wuth der Elemente, so heißt es: »Es geschah auf Njambe’s Geheiß;« wird ein Verbrecher zum Tode verurtheilt, so wird dies als die gerechte von Njambe gesandte Strafe angesehen und der Schuldige, der davon überzeugt zu sein scheint, ergibt sich demüthig in sein Geschick, während der unschuldig Verurteilte (unter Sepopo gab es deren zahllose) wie die ihn begleitenden Freunde bis zum letzten Momente das größte Vertrauen in Njambe’s Allwissenheit setzend, auf seine Hilfe hoffen, die sich bei dem bei Hinrichtungen gebräuchlichen Giftgenusse im Erbrechen des Giftes äußern soll.
Die Völker des Marutse-Reiches glauben außerdem an unsichtbare gute und böse Geister und suchen letztere durch auf Pfähle aufgehangene Beschwörungsmittel von ihren Gehöften zu bannen oder sie mindestens zu besänftigen. Die Abwehr- und Besänftigungsmittel sind: Thier- und Menschenknochen, Nilpferdzähne, besondere Holzstücke, Baumrinden, Kürbißkalebassen etc., die in aus Bast, Gras oder Baumblättern geflochtenen sackförmigen Körbchen auf drei bis vier Fuß hohen Pfählen aufgehangen werden. Die meisten Völker des Marutse-Mabunda-Reiches glauben an ein Fortleben nach dem Tode, und so pflanzen z. B. die Masupia mächtige Elfenbeinzähne auf die Gräber ihrer Chefs. Es geschieht dies hauptsächlich, um den verstorbenen, Njambe näher gerückten Chef durch die Weihe der Zähne für seine Trennung von seinem Hab und Gut und von ihnen selbst zu beschwichtigen und sich seines nun doppelt mächtigen Schutzes zu vergewissern.