Zur Würze der Speisen bedienen sich blos die Wohlhabenderen des Salzes, da dieses von weit her aus West und Südwest herbeigebracht wird. Von geistigen Getränken erzeugen sie aus Kafirkorn ein starkes und ein schwaches Bier, das erstere, das Lagerbier, wird Matimbe, das zweite Butschuala genannt; außerdem erzeugen sie süßliche Biere aus mehreren Wildfrüchten, so aus der Morulafrucht, das ciderartige, ferner das schon erwähnte Honigbier Impote. In der Regel halten Wohlhabende zwei Mahlzeiten, die erste 1½ oder zwei Stunden nach Sonnenaufgang, die zweite beim Sonnenuntergang, Bier wird nachgetrunken. Die ärmeren Classen halten nur eine nennenswerthe Mahlzeit und zwar am Abend.
Unstreitig sind die Völker im Marutse-Mabunda-Reiche in der Zubereitung ihrer Speisen auffallend reinlich und verwahren dieselben in reinen Holz- und Erdtöpfen, in Körben und Kalebassen. Auch waren die Marutse die ersten, bei denen ich Butter zubereiten sah; sie rauchen mehr Tabak als jene Stämme, zu denen er von den Weißen eingeführt wird. Mit dem Genuß von Rauch- und Schnupftaback wird schon in früher Jugend begonnen, dem letzteren huldigen alle, auch junge Mädchen nicht ausgenommen. Doch ist ihr Schnupftabak ein complicirterer als der im Süden gebrauchte, er enthält gestoßenen Tabak, Asche, getrocknete und gepulverte Nymphaeastengel und die Secretion aus der Drüse des Rhabdogale mustelina. Der Rauchtabak wird in brödchenförmigen Kuchen geformt, die durchlöchert an einer Schnur getragen werden.
Was die Pflege des Körpers betrifft, so halte ich von allen mir bis jetzt in Süd-Afrika bekannten dunklen Stämmen die das Marutse-Mabunda-Reich bewohnenden für die reinlichsten; sie baden häufig, selbst wenn dies auch in seichten Stellen und in den Lagunen der Krokodile halber sehr gefährlich ist.
Die Kleidung der Marutse ist trotz ihrer Einfachheit weit geschmackvoller als jene der meisten südafrikanischen Stämme. Statt der Riemenfranzen der Zulu-Race und den um die Lenden geschlungenen, kaum handbreiten Riemen der Betschuana, Makalaka etc. tragen die Männer in der Regel Leder- und Kattunschürzen, welche an einem Leibgurt, d. h. um denselben von vorne nach hinten geschlungen werden. Blos die Stämme, die häufiger das südliche Zambesi-Ufer besuchen, wie die Batoka, Makalaka, Manansa, Masupia, Marutse etc., d. h. jene, die oft mit den Weißen zusammenkommen, bedienen sich des Kattuns als Schürze. Gewöhnlich beanspruchen sie ein 2½ bis drei Meter langes Stück gewöhnlichen Kattuns, ohne auf Farbenunterschiede Gewicht zu legen. Können sie ein Stück von obiger Länge (eine Sitsiba) nicht erhalten, so trachten sie mindestens ein solches zu gewinnen, das vorne bis an die Knie reicht. Jene, welche Lederschürzen tragen, bedienen sich rauhgar gegerbter Felle kleiner Säugethiere, so die Marutse und Masupia solcher des Scopophorus und Cephalopus, welche längs des Randes mit eingeschnittenen rundlichen oder viereckigen Löchern versehen sind, die Kopftheile finden sich oben am Gürtel. Die Manansa benützen einen kleinen, kaum handbreiten Kattun-, Tuch- oder Lederlappen. Auch in ihren Carossen differiren die das Marutse-Reich bewohnenden Banthustämme bedeutend von den meisten südlich vom Zambesi wohnenden, zu dieser großen Völkerfamilie gehörenden Stämmen. Sie lieben die Kreisform, die einem spanischen Mäntelchen nicht unähnlich ist und bis zu den Hüften herabreicht. Auch sind Mäntelchen aus Letschwe- und Pukufellen im Gebrauch. Der Herrscher und einige seiner höchsten Würdenträger kleiden sich zuweilen in europäische Kleider, doch gehen sie auch oft blos mit der Schürze angethan einher oder sie hüllen sich, wie bei ungünstiger Witterung in eine Wolldecke ein. Der Leibgurt ist aus glattgar geerbtem Gnu- oder Gazellenleder, aus Elephantenhaut, aus der Haut des Wasserleguans, der Boa, Cobra und anderer Schlangen, oder auch aus Stroh- und Grasgeflecht verfertigt.
Was die Bekleidung der Kinder und Frauen betrifft, gehen kleine Mädchen bis zum vierten, Knaben bis zum sechsten und zehnten Jahre unbekleidet einher. Im vierten Jahre erhalten Mädchen ein Riemenschürzchen aus dünnen, bis fünfundzwanzig Centimeter langen, gedrehten, zuweilen mit Bronceringelchen geschmückten Riemen; vom zehnten Jahre an tragen sie in der Regel eine kleine an einem Riemen befestigte viereckige Lederschürze. Da sie jedoch meist schon in früher Jugend, lange vor ihrer Reife verlobt werden, so tragen viele zwei Schürzen, eine vordere kürzere und eine hintere längere. Verheiratete Frauen bedienen sich eines bis an die Knie herabreichenden, rauhgar gegerbten, mit den Haaren nach innen gekehrten, meist aus Rindsfell verfertigten Röckchens, das mit einem Doppelband (Riemen) an den Leib festgehalten wird. Die Außenseite des Röckchens ist mit einem röthlichbraunen, angenehm riechenden Rindenstoffe stark eingerieben. Säugende Frauen gehen oft ähnlich den Männern mit einem Letschwefellmantel angethan umher, der gewöhnlich über den Rücken geworfen, bei Annäherung von Fremden oder Besuchern über die Brust zugezogen wird.
Sepopo’s Capellmeister.
Bei ungünstigem Wetter tragen die Frauen, seltener die Männer, riesige bis auf die Knöchel reichende, kreisförmige, nach vorne geschlitzte, mit einer Rundöffnung für den Kopf versehene Carossen, die mit einem Riemen oder einer Holz- und Metallspange um den Hals festgehalten und gewöhnlich mit der Rechten zusammengehalten werden, so daß die sich ihrer Bedienenden gleichsam in einen gefalteten Lederkegel gehüllt erscheinen. Die Stämme gehen meist barfuß einher, was der im Lande überwiegende Sandboden leichter gestattet, als die meist dornenreichen Länderstrecken der südlich vom Zambesi wohnenden Stämme. Für größere Reisetouren bedienen sich die Bewohner des Marutse-Reiches meist aus rohem Büffel-, Gnu- und Rindvieh-Leder gearbeiteter Sandalen, die mit Riemchen zur großen Zehe über den Fußrücken und den Fersenhacken befestigt werden.
Einige der östlichen Tributstämme wie die Makalaka und Matonga, bereiten aus selbstgezogener Baumwolle Gewebe von Tuch- bis Deckengröße. Aehnliche werden auch aus Bast von den Maschona’s gearbeitet. Die kleineren Gewebestücke dienen als Schürzen meist für Männer; der deckenartigen bedient man sich im Hause; sie sind von viereckiger länglicher Form und auf den kurzen Seiten mit Franzen versehen; sie werden ein bis zwei Meter breit, 1½ bis 2½ Meter lang, die Franzen zehn bis vierzig Centimeter lang gearbeitet.
Die Stellung der Frauen im Marutse-Reiche ist eine bei Weitem bessere und würdigere als bei den südlich vom Zambesi wohnenden Stämmen. Hier bebauen zwar auch die Frauen die Felder und helfen im Häuserbau, allein die schwierigsten Beschäftigungen, wie Jagd, Fischerei, das Herbeischaffen der Baumaterialien fällt den Männern zu. Die älteren Leute fand ich meist in den Wäldern und auf den Feldern beschäftigt, im ersteren Falle Männer Wildfrüchte sammelnd, im letzteren Frauen die jüngeren unterweisend und die weniger beschwerlichen Arbeiten verrichtend. Die Söhne ärmerer Leute, sowie Sklavenknaben verrichten meist Hirtendienste allein oder unter der Leitung eines Erwachsenen; jene der Wohlhabenderen versuchen sich häufig in der Jagd, sei es mit dem Assagai oder dem Gewehr. Zur Erntezeit haben die Knaben auf dürftigen, die Felder überragenden Holzgerüsten die Feldfrüchte gegen Gazellen und Finken zu schützen, sowie bei der Annäherung von Antilopen, Büffeln und Elephanten die Dorfbewohner zu alarmiren.