Korb aus Bast und Kalebassen-Korngefäße bei den Mabunda.

Aus Büffelfett gearbeitete Armringe und Brustbänder sollen gewisse Krankheiten bannen und gegen menschliche Nachstellungen schützen. Das Herzfett der Hausthiere, auf Stäbchen in Kreuzform befestigt und bei Nachtzeit vor die Hütten der aus dem Reiche Geflohenen eingepflanzt, soll auf die Flüchtlinge höchst verderbend einwirken, daß sie auf der Flucht die Sinne verlieren, und wie im trunkenen Zustande zu ihrer Niederlassung zurückkehren, um ihre gerechte Strafe zu erleiden. Das Pulver verschiedener gebrannter Knochen von Säugethieren, Vögeln, Amphibien am Körper getragen, wird verkauft, um schnellfüßig zu werden, das verfolgte Wild in seinem Laufe zu lähmen und dem Jäger reiche Beute zu sichern. Es wird theils in Säckchen auf dem Leibe getragen, theils in an den Armen und Beinen geführte Einschnitte eingerieben. Weitere Zauberkraft enthaltende Mittel sind all’ die pharmaceutischen Präparate, die der Weiße an die Eingebornen verabreicht, seltene Thierfelle, wie das des großen schwarzen Lemur, anormale Bildungen in der Färbung kleiner Säugethiere, Ausschnitte aus dem Kamme der Schwanzflossen des Krokodils, seine Augen und die Luftlöcher; Hörner des Cephalopus Hemprichii und des Scopophorus Urebi, seltene Glasperlen, auffallende pathologische Haar-, Horn- und Knochenbildungen von Thieren; Säckchen, genäht aus der Haut der Boa, Leib- und Brustgurte aus Schlangen-, Erd- und Wasserleguanhaut verfertigt, kleine Muscheln, die an Stirn- und Halsbändern, an Armringen und Leibbinden festgenäht, getragen werden. Die letzteren, sowie andere Kalkproducte von Seethieren haben die Portugiesen eingeführt und damit im Allgemeinen einen regen Handel getrieben.

Diese Amulete und Zaubermittel werden, wenn nicht am Körper getragen, auf geheimen oder nur dem Hausherrn bekannten Orten aufbewahrt gehalten. Der König hat hinter seinem Empfangshause längs der Hofumzäunung eine Reihe von bemalten Thontöpfen und Kalebassen stehen, die sämmtlich abergläubische Mittel enthalten. Außerdem hat der König eine eigene Hütte für seinen medicinischen Besitz und die zahlreichen Amulete erbaut; bei Sepopo stand sie zwischen seinem Empfangs- und dem Waarenhaus. Zu den offenen, Zaubermittel enthaltenden, Behältern gehören: aus Bast, Gras und Stroh verfertigte Säcke und Körbe, kleinere und größere, schwarz gebrannte, einfach gehaltene und gekerbte Holzschüsseln, große, roh gearbeitete Holzschüsseln, Töpfe und Schalen aus ungebranntem oder auch gebranntem Thon, gewöhnlich mit dunklen Glasur-Zeichnungen bedeckt und zuweilen auf Gestellen, Holzfüßen, Baumstämmchen aufgestellt, oder auf Pfählen aufgehangen; ferner Kalebassen, die dann gewöhnlich unter Miniaturdächern aufgestellt werden.

Zu den geschlossenen gehören kleine Makenkekörbe, Miniaturkörbchen aus Fächerpalmblättern gearbeitet, kleine sanduhrförmige, mit Pfröpfen (aus Holz) versehene, Schnupftabakdosen ähnliche Kalebassen, zugepfropfte Hörner kleiner Gazellenarten, mit Linien und Kreisen (Einkerbungen, Eingravierungen) bedeckte kleine Ziegenbockhörner und nett geschnitzte, in Pulverhornform gehaltene Hörner größerer Antilopen (Harrisbock, Gemsbock, Roen-Antilope etc.); sämmtliche sind mit Hängschnüren versehen. Ferner beobachtete ich solche, die sorgsam aus Holz, Rohr, Vögel- und Thierknochen, Nilpferd- und Elephanten-Elfenbein, aus Fruchtschalen, Thierklauen zu Dosen geschnitzt, oder aus Thierfellen und aus der Haut innerer thierischer Organe (Eingeweide, Blase etc.), aus Tuch- und Wolllappen zu Säckchen genäht sind. Im Allgemeinen verwendet man im Marutse-Reiche auf diese Artikel eine bedeutende Sorgfalt, und Sepopo’s Medicin- und Gifthütte allein würde, in ein europäisches Museum transferirt, eine interessante ethnographische Sammlung abgeben. Leider ist es für den Sammler nicht leicht, sich mehrere solcher Objekte durch Tausch anzueignen; die Eingebornen wollen sich der in denselben enthaltenen Zaubermittel halber nicht von ihnen trennen.

Das Ausschütten von Flüssigkeiten vor der Hof- oder Hausthüre wird als ein Zauberversuch zum Schaden des Hausherrn oder Desjenigen angesehen, der unvorsichtiger Weise über die nasse Stelle hinwegschreitet. Unwohlsein wird in der Regel als die Folge von Zauberei oder gefährlichem Uebelwollen angesehen. Meine Arbeiten und meine den Kranken geleistete Hilfe hatten mich im Marutse-Reiche zu einem großen Zauberer gestempelt, und hatten nur das eine Gute, daß ich von allen mehr als andere Weiße gefürchtet wurde. Die meisten Geheimmittel sind den Zauberern (Doctoren), dem König und dem Scharfrichter bekannt und werden verhältnißmäßig theuer verkauft.

Bisweilen wurden zwei und mehrere Sitzungen abgehalten, um sich über dies oder jenes unmenschliche Mittel zu einigen. Personen, die dem Rathe mißtrauten, einzelne nachdenkende Köpfe, wurden nur zu leicht aus der blindlings gehorchenden und unterwürfigen Menge herausgefunden, des Hochverrathes oder anderer nicht begangener Verbrechen angeklagt bei Seite geschafft.

Ich hatte bereits Gelegenheit zu erwähnen, daß von Sepopo zu manchen abergläubischen Zwecken Menschenopfer verwendet wurden. Dieselben sind kein landesüblicher Gebrauch, sondern waren dem Könige von dem engeren Rathe empfohlen worden. Während meines ersten Aufenthaltes begann er, wie ich bereits erwähnt, Neu-Schescheke zu bauen. Um die neue vor einem ähnlichen Schicksale wie es die alte Residenz traf zu bewahren, wurde eine Sitzung des engeren Rathes abgehalten und die Schrecklichen beschlossen, dem Knaben eines Häuptlings die Finger und die Zehen abzuhauen und diese in der Kriegstrommel aufzubewahren. Trotz der Geheimhaltung dieses Beschlusses wurde die Absicht des engeren Rathes einem Häuptlinge verrathen, der die Nachricht allen seinen Freunden mittheilte, doch nicht schnell genug und ohne Verdacht zu erregen. Gegen Ende des Monats September, als Blockley allein in Schescheke zurück geblieben war, konnte man allnächtlich in dem Walde von Schescheke Menschengruppen begegnen, welche nach den tieferen Waldpartien zueilten, es waren die Vertrauten dieses oder jenes Häuptlings, welche dessen Knaben aus dem Bereiche des Tyrannen zu bringen suchten, ohne daß der König oder der Scharfrichter eine Ahnung davon hatten, daß man ihre Pläne zu durchkreuzen suche.

Am bestimmten Tage schickte Maschoku seine Diener in der Stadt umher, um sie die Häuptlingsgehöfte ausspioniren zu lassen, in welchen man sich am leichtesten eines Knaben bemächtigen konnte. Alle bis auf einen kehrten unverrichteter Weise zurück, sie fanden die Gehöfte förmlich kinderleer, nur der eine wollte einen Knaben im Hofraume seines Vaters spielen gesehen haben. Als dies der Scharfrichter dem Könige hinterbracht hatte, befahl er dem Vater des Knaben sofort für die Bedachung eines noch unvollendeten königlichen Baues das nöthige Gras und Schilf zu holen, alles andere nahm Maschoku auf sich. Als ihn seine Diener benachrichtigten, daß der Chef abgereist sei, berief dieser den erwähnten Diener und gab ihm die nöthigen Instructionen, um das Opfer auch glücklich in das Gehöft des Königs zu bringen. Hier war eine größere Menschenmenge versammelt, welche lautlos dasaß; der König schien unmuthig und deshalb wagte es Niemand, ein Wort zu sprechen.

Um diese Zeit erschien in dem Höfchen des Häuptlings, der sein Gehöft verlassen, um für den König das nöthige Schilfrohr zu holen, ein Mabunda-Mann, der Abgesandte des Scharfrichters, setzte sich nahe an der Umzäunung nieder und wartete bis ihm eine der Hausfrauen mit dem Willkommgruß »Rumela« ansprach und theilte derselben nur mit, daß der Kosana, der eben mit seinem Kahne abstoßen wolle, ihn mit dem Auftrage hiehersende, ihm sein kleines Söhnchen zu bringen. Die Mutter befiehlt dem Kinde, dem Manne zu folgen und dieses fügt sich willig dem Gebote. Dieser schlägt aber die Richtung nach den königlichen Gehöften ein, wo er mit seinem Erscheinen plötzlich die darin herrschende Stille unterbricht. Aus seinem Hinbrüten durch Maschoku wachgerufen, wirft der König einen Blick auf den Knaben und steht dann von den Anwesenden gefolgt auf. Man nimmt nun den Knaben in die Mitte, der durch die stillschweigende Menge eingeschüchtert, sich willenlos fortschleppen läßt. Die königliche Capelle beginnt hierauf ihre monotonen Weisen und begleitet den König. Zum Flusse ging es wohl und dies mochte den Knaben etwas ruhiger stimmen, doch ein plötzlicher Schrei einer Häuptlingsfrau, deren Gehöfte man passirte, flößte dem Kinde Furcht und Schrecken ein. Die Frau kannte das Schicksal des Opfers, das man eben zur Schlachtbank führte.