Schöpflöffel und Kalebassen-Korngefäße bei den Mabunda.

Am Flusse angekommen, besteigt die etwa siebzig Köpfe zählende Menge sämmtliche am Ufer liegende Boote und fährt nach dem jenseitigen Ufer; die Tambours folgen, während die Myrimba’s zurückbleiben. Am jenseitigen Ufer; angekommen, läßt sich Sepopo auf ein Stühlchen nieder, der Scharfrichter, seine Knechte und die Mitglieder des engeren Rathes bilden einen Kreis, die Tambours und die anderen Musiker stellen sich rings umher, damit das Volk von Schescheke die grausame That nicht sehe. Der Knabe, durch alle die schweigsamen Männer erschreckt, folgt nur zögernd. Nun nickt der König mit dem Kopfe und im selben Momente wird der Knabe zur Erde geworfen, das erschrockene Kind beginnt laut zu schreien, aber den Tambours wurde zugleich das Zeichen gegeben, und laut schallen die Trommeln, um das Geschrei des Kindes zu übertönen. Der Widerstand des hilflosen Kindes ist von den Henkersknechten bald überwältigt, und nun gehen die alten Doctoren an’s Werk und schneiden dem Opfer Finger um Finger, Zehe um Zehe vom Körper. Trotz des lauten Trommelschlages vernimmt die Menge am diesseitigen Ufer einige Worte des sterbenden Knaben. »Ra, Ra came, Ra Ra« (Vater, mein Vater), zeitweilig wird das Wort: »Umu umu bulaja« (sie tödten mich) hörbar; obwohl die Menschenmenge sich mit jedem Augenblicke mehrt, und alle begreifen, daß Sepopo eine neue Grausamkeit begeht, wagt es Niemand, an die Rettung des armen Knaben zu denken.

Nachdem sich die Doctoren der genannten Gliedmaßen bemächtigt haben, wird dem Leben des Knaben sofort ein Ende gemacht, d. h. das Opfer wird erwürgt und mit einem Kiri erschlagen. Nach vollbrachtem Werke werden die Boote wieder bestiegen, ganz zufällig scheinen diese in der Mitte des Fluges einen Knäuel zu bilden, in Wirklichkeit aber nur, um den Körper des Knaben unbemerkt in den Fluß gleiten zu lassen. Während die Boote etwas flußabwärts an den königlichen Gehöften anlegen, folgt ihnen eine jammernde Frau am Ufer nach, watet, die Krokodile und den Zorn des Tyrannen nicht achtend, in das Wasser und fordert laut ihr Kind, ihren Muschemani zurück. Der König steigt ruhig aus, was weiß er von Mutterfreude und Mutterschmerz, ihm folgen die Seinen, und bald sitzt man bei einigen Töpfen Butschuala, während die alten Doctoren die getrennten Finger und Zehen in einer der Kriegstrommeln verbergen.

Diese Alarm-, Kriegs-, Schlachttrommeln sind ebenfalls königliches Eigenthum, von welchen stets drei bis vier vorhanden und im großen Berathungshause aufbewahrt sind, sie werden nur bei Ueberfällen der Residenz, beim Ausmarsch in den Krieg, beim Ausbruch revolutionärer Emeuten u. s. w. geschlagen. Ich vermuthe, daß diese Trommeln mit ähnlichen Schlägeln wie die Kalebaß-Piano’s oder mit kleinen Kiris bearbeitet werden. Der Holztheil der Trommel ist mit rothem Ocker bemalt, die Füße sind klein, der Henkel gleich der Lederumreifung aus ungegerbten Rindsfellen gearbeitet. Diese Trommeln haben dreißig bis fünfzig Centimeter im Durchmesser und vierzig bis fünfzig Zentimeter Höhe.

Als ich nach meinem zweiten Besuche nach Schescheke zurückgekehrt war, berichteten mir zwei der Häuptlinge von Schescheke diese Episode, am ausführlichsten that es Blockley, denn unser Gehöft lag dem Thatorte gegenüber.

Noch bevor ich den Zambesi überschritt, hörte ich die industrielle Thätigkeit der Völker Sepopo’s rühmen. Unter den Süd-Zambesi-Stämmen behaupten die Maschona den ersten Rang. Da ich das Maschona-Land nicht besuchen konnte und nur nach den mir zugekommenen oder gezeigten Handarbeiten urtheilen mußte, mag mein Ausspruch nicht jenes Gewicht besitzen, das ich wünschen würde, doch kann ich mich dahin aussprechen, daß es Stämme im vereinigten Marutse-Mabunda-Reiche gibt, welche in gewissen Branchen der Industrie die Maschona übertreffen.

Unter den Küchenutensilien stehen die aus Thon verfertigten Gefäße obenan. Manche haben Vasenform, andere sind durch die angebrachten dunkleren und helleren Verzierungen, die am Halse oder Mantelkragen angebracht sind, und andere dadurch wieder ausgezeichnet, daß sie geglättet, förmlich von einer Glasur überzogen zu sein scheinen. Am Boden fand ich nie Zeichnungen vor, auch vermißte ich Henkel. Die als Getreide-Speicher benützten Thongefäße haben Riesendimensionen und Urnenform. Diese Riesengefäße sind roher als die vorgenannten gearbeitet und ohne Ausnahme aus ungebranntem Thon. Die Gefäße sind nach oben mit einem tellerförmigen Thondeckel geschlossen und zeigen an der vorderen Seite unmittelbar über dem Boden eine halbkreisförmige, meist handbreite Oeffnung, die mit einer beweglichen Platte von Innen verschlossen ist. Diese Platte trägt einen horizontal sitzenden Stiel, mit dessen Hilfe die Oeffnung nach Belieben geschlossen werden kann. Diese Riesengefäße sind so schwer, daß ich, wie an den königlichen, sechzehn Männer keuchend schleppen sah, beim Transport werden sie auf Pfählen getragen. Die Thongefäße sind meist nur Arbeit der Frauen, während die Holzgefäße von Männern, und zwar meist von Mabunda’s gearbeitet werden. Die ersteren werden zur Aufbewahrung und Zubereitung von Kafirkornbier, zur Aufbewahrung von Milch, Wasser und zum Kochen benützt. Sämmtliche Holzgefäße sind innen und außen mit Eiseninstrumenten tiefschwarz eingebrannt und dies ist so gleichmäßig und vorsichtig ausgeführt, daß man sie aus Ebenholz verfertigt halten würde. Die meisten derselben sind mit erhabenen, symmetrischen, um den Rand, Hals und Mantelkragen laufenden Schnitzereien und manche mit durchgebohrten, abgeflachten Buckeln als Henkeln versehen; jeder Holztopf ist mit einem geschnitzten Deckel versehen.

Nächst den Thongefäßen sind die aus Holz verfertigten Gefäße zahlreich und nicht minder mannigfach vertreten. Unter diesen gehören die Vorlegschüsseln für klein gehackte Fleischsorten zu den edelsten Holzschnitzereien der Mabunda, zu den besten Holzarbeiten in der Abtheilung der Küchenutensilien. Im Allgemeinen sind die Holztöpfe von cylindrischer oder Kegelstutz-Form mit abgerundetem Boden. Sie dienen zur Aufbewahrung von Mehl, Bohnen, kleinen Früchten und Bier. Den Uebergang von den Holztöpfen zu den zahlreichen Varietäten der Holzschüsseln bilden die mit Ausgußmulden versehenen Napfschüsseln.

Die eigentlichen Holzschüsseln sind entweder Rundschüsseln oder ovale; die letzteren wieder schiffchenförmige oder schalenförmige. Die ersteren der ovalen Gattung sind die früher erwähnten, schön gearbeiteten Fleisch- und Vorlegeschüsseln, sie trafen durchwegs einen horizontal-vorstehenden, durchbrochen geschnitzten Rand, sind henkellos und tiefschwarz von Farbe. Ich fand sie in der Regel im Hause der Angesehenen, doch die schönsten in des Königs Besitz. Die länglich-schalenförmigen gehören zu den größten Holzschüsseln, die riesigsten fand ich bei den Matabele. Sie sind von doppelter bis dreifacher Größe der obgenannten und stets mit zwei ordentlichen Henkeln an den Enden des größten Durchmessers versehen. Sie dienen zum Auftischen von groben Fleischstücken für eine größere Anzahl von Personen und sind oft an ihrer ganzen Mantelfläche mit symmetrischen oder unsymmetrischen, ein bis drei Centimeter erhabenen Arabesken-Schnitzereien bedeckt. Ich glaube, daß den Maschona die Palme in dieser Arbeit gebührt. Von Rundschüsseln finden wir mehrere Varietäten vor; alle haben mehr oder weniger hervorragende Henkelbuckel und in der Regel eine gewölbte, nur in seltenen Fällen eine ebene, thalergroße Bodenfläche, der Rand ist meist gekerbt. Sie fehlen in keiner Haushaltung, da ihr Gebrauch ein allseitiger ist, und sie als Milch- und Oelgefäße und zur Aufbewahrung fetter Substanzen dienen.