Ein Marutse-Elephantenjäger.

Die getrockneten Fruchtschalen verschiedener Kürbißarten werden sehr häufig zu Gefäßen verarbeitet. Vor Allem dienen diese Kalebassen als Wasserbehälter sowohl im Hause als auch auf Reisen, da ihnen das geringe Eigengewicht zu statten kommt. Sie bieten noch mannigfachere Formen als die eben genannten Gefäßarten, die einestheils schon von der Natur mannigfach gegeben sind, anderntheils künstlich hergestellt werden. Für den öfteren Gebrauch sind sie gelblich, bräunlich, rothbräunlich, schmutzig- bis dunkelbraun oder ziegelroth polirt und oft mit einem Bast- oder Grasstricknetz umsponnen; jene zu seltenerem Gebrauche sind oft mit eingebrannten Zeichnungen versehen. Auf das Einbrennen der Zeichnungen verstehen sich namentlich die Mabunda, und dies insbesondere mit Rücksicht auf die Figuren. Ich beobachtete einfache und verschlungene Arabesken, Abbildungen von Menschen, Säugethieren, Vögeln, Amphibien, Fischen und Insecten; ferner von Hütten, allerlei Geräthschaften, namentlich Waffen, Rudern, Kähnen, Pfeifen; außerdem von Bäumen, Sonne und Mond; doch auch Jagdscenen auf dem Lande und zu Wasser und Schlachtscenen, von denen mir besonders zwei auffielen, welche die Eroberung einer befestigten Stadt versinnlichen sollten, und wobei die gegenwärtig bei diesen Völkern vermißten steinernen Brustwehren deutlich aufgezeichnet waren. Im Allgemeinen bekunden diese eingebrannten Zeichnungen großen Eifer und eine ziemliche Fertigkeit, sowie einigen für Wilde anerkennenswerthen Kunstsinn, obgleich ich sie nicht den Kunstproben gleichstellen könnte, wie sie die besseren Höhlengemälde der Buschmänner vor Augen führen. Im Allgemeinen nehmen die mit eingebrannten Zeichnungen versehenen Kürbißgefäße einen ehrenvollen Rang in der Industrie der Stämme am centralen Zambesi ein und übertreffen wesentlich die ähnlichen Erzeugnisse der südlich von diesem Flusse wohnenden Stämme. Die zu den Kalebassen nöthigen Kürbisse werden theils auf den Maisfeldern, theils um die Hütten und Häuser angebaut.

Die kleinsten Kalebassen werden zu Schnupftabakdosen, jedoch nicht so häufig verwendet, wie bei den Betschuana. Auch an Löffeln fand ich die schönsten Formen im Marutse-Reiche. Die großen Schöpflöffel werden aus langhalsigen gebogenen, am unteren Ende plötzlich verdickten Kürbissen verfertigt; sie sind nicht selten mit eingebrannten Zeichnungen geschmückt, ihre Farbe meist gelb, bräunlich oder rothbraun. Die zweite Art der Löffel sind Holzlöffel, und zwar gibt es große, bis sechzig Centimeter lange, zum Auftischen von Mehlbrei, eingedickter Milch, gekochter Früchte etc. und kleinere, deren man sich bei Tisch bedient. Unter den Holzlöffeln ragen jene der Mabunda’s durch die mühevolle Arbeit sowie die eingebrannten Zeichnungen nicht nur im Marutse-Reiche, sondern in ganz Afrika hervor. Zum Zerstampfen von Korn fand ich hölzerne, pokalartig aus einem Holzstück verfertigte Blöcke und Mörser. Ferner findet man aus breiten Holzspänen gearbeitete Kornschüsseln zum Sieben des gestampften Getreides.

Die Flechtarbeiten machen den Bewohnern des Marutse-Mabunda-Reiches alle Ehre. Zu den einfachsten gehören kugelförmige, aus Gras sowie ebenso einfach aus Baobabrinde verfertigte Kornsäcke (fünfzig bis siebzig Zentimeter lang und dreißig bis fünfzig breit), ferner eine dritte Art aus Rohr und den Stengeln staudenartiger Gewächse oder Fächerpalmblätter gearbeitet; diese sind größer und dienen zum Transport getrockneter Fische und nuß- bis faustgroßer Früchte. Auch die aus fingerdicken, geflochtenen Bastfasern genetzten und Garnsäcke werden von den meisten Stämmen gleich rasch und gediegen gearbeitet.

Die einfachste Art der Körbe besteht aus einer cylindrischen, nach unten abgeschlossenen und an der Mündung mit einem hölzernen oder aus einem Riemen verfertigten Henkel versehenen Röhre, welche aus einer, unserer rothen Birkenrinde ähnlichen Rinde gearbeitet und mit Bast zusammengenäht wird. Sie dienen meist zum Sammeln der Früchte. Flechtarbeiten im engeren Sinne des Wortes sind die Makuluani-Körbe, d. h. Körbe, die aus lancettförmigen Blatttheilen der Fächerpalme verfertigt werden. Sie sind sehr gediegen gearbeitet und entsprechen vollkommen dem Zwecke, mit ihrem dicht schließenden Deckel und dichten festen Gewebe als Verschlußkästchen oder Truhen zu dienen. Sie haben eine gefällige, jedoch in zahlreichen Exemplaren nicht ein einziges Mal übereinstimmende Form. Die in der Barotse angesiedelten Matabele arbeiten Körbe aus Gras und Stroh so fein, dicht und gediegen, daß sie ein vollkommen wasserdichtes, zum Biertrinken benütztes Gefäß vorstellen.

Zu der best gearbeiteten Flechtarbeit wie zu den besten Handarbeiten der Marutse-Mabunda-Reiche überhaupt gehören unstreitig die beiden in der Barotse von den Marutse-Stämmen gearbeiteten Arten der Makenke-Körbe. Sie werden aus einem verhältnißmäßig schwierig zu bearbeitenden Material, den Wurzelfasern eines ahornartigen Strauches, des Mosura, verfertigt. Man unterscheidet zwei Arten: die eine ist stets deckellos und wird beinahe immer in einer und derselben Form und Größe geflochten, die zweite ist mit einem dichten, falzförmig eingreifenden Deckel versehen und zeigt die größte Verschiedenheit in Bezug auf Form und Umfang. Im künstlerischen Werthe stehen sich beide gleich. Ich sah kein einziges Exemplar ohne Verzierung durch eingeflochtene, schwarz gebrannte oder dunkelgefärbte Fasern (Strähne) hergestellte Zeichnungen. Dies Alles macht diese Körbe selbst in der Barotse beachtenswert, in den anderen Theilen des Reiches bekommt man sie kaum zu Gesicht; ja es hatte große Schwierigkeiten, in Schescheke, am Hofe des Marutse-Herrschers, einige zu erstehen.

Die im Haushalte und von den Männern bei ihrer täglichen Beschäftigung gebrauchten Messer sind scheidenlos und bestehen aus einer dünnen, scharf zugespitzten, oft an der Schneidekante ausgebogenen oder im Ganzen sichelförmig gebogenen Eisenklinge, die fest in einen kürzeren, mit Leguan- oder Schlangenhaut überzogenen Griff eingefügt ist. Unter den Waffen unterscheide ich Wurf-, Stoß-, Hieb-, Schneide-, Schlag- und Schutzwaffen. Zu den ersteren gehören gewisse Arten der Assagaie und Stöcke; zu den zweiten andere Arten von Assagaie und Dolche; zur dritten Kategorie Schlachtbeile; zur vierten Messer, Dolche; zur fünften Stöcke und Kiri’s und zu der letzten Kategorie Schild und Stock.

Die Assagaie zeigen durchwegs gefällige Form, gute Arbeit, sind sinnig den verschiedenen Zwecken entsprechend erdacht und repräsentiren die besten Producte dieser Art, die ich bis jetzt in Südafrika zu beobachten Gelegenheit hatte. Ihre Assagaie stehen weit über denen der Betschuana und Makalaka. Von den verschiedenen Arten derselben erwähne ich die Häuptlings-Assagaie; sie gelten als waffenartige Abzeichen höherer Würdenträger, gehören zu den kräftigsten, aber auch selteneren Waffen. Sie sind 1½ bis zwei Meter lang, wovon ein Dritttheil auf den Eisentheil kommt; der Stiel ist der stärkste unter allen nördlich vom Zambesi bekannten Hand-Assagaien und gewöhnlich an seinem oberen, noch häufiger in der Mitte und am unteren Ende ausgeschnitten, zuweilen auch mit eingekerbten Linien, Ringen etc. verziert.

Der Hand-Assagai dient zur Bewaffnung der Rechten im Handgemenge und ist eine furchtbare Waffe, namentlich in der Hand der Matabele. Er zeichnet sich durch eine zur Hälfte ausgeschliffene Längsleiste an der Schneidefläche, durch einen starken, mit erhabenen Ringen versehenen Hals und einen kurzen festen Stiel aus, dessen unteres Ende durch ein fingerdickes Eisenband beschwert ist.