Tabaks- und Dachapfeifen der Marutse und Mabunda.

Während der Betschuana zu Bekleidungsstücken oder um einen guten Verkaufsartikel zu gewinnen, nur gleichartige Thiere ihrer Felle beraubt, ja, wo er z. B. viele Felle einer Art sammelt, dieselben in lichtere und dunklere, in dicht- und spärlich behaarte, oft sogar noch in große und kleine sortirt, und nur die in der Farbe, Behaarung und Größe einheitlichen Felle zu einer Carosse verarbeitet, finden wir im Marutse-Reiche zumeist die Felle verschiedener Thiere unsymmetrisch in einer Carosse zusammengeworfen, von Farben-Nuancen und Größen-Verhältnissen gar nicht zu reden. Auch vermißte ich an ihren Carossen die aus den Fellabfällen (wie Füße, Schwänze etc.) bei den Betschuana verfertigten Fransen und Umsäumungen werthvoller Stücke. In der Näharbeit, die mit der Ahle und gefaserter Thiersehne ausgeführt wird, stehen sich die Stämme nördlich und südlich des Zambesi gleich.

Bezüglich der Bearbeitung der Felle habe ich Folgendes beobachtet: die glattgar zu bearbeitenden, zu Schürzen, Sandalen, Riemen, Säcken etc. verwendeten Felle werden befeuchtet und einige Zeit hindurch eingerollt gehalten, dann die Haare mit der Hand oder mit einem stumpfen Messer abgekratzt und das Fell mit dieser Fläche nach abwärts gekehrt, auf einer glattgescheuerten Stelle ausgespannt und mit Holznägeln längs des Randes an den Boden befestigt. Mit Hilfe eines keilförmigen, vertical in einen daumendicken Stab eingelassenen Eisens oder eines Schabbeilchens »Pala« genannt, an schwächeren, an dicken Fellen mit Hilfe von zehn bis zwanzig in ein Bündel zusammengebundenen, zehn bis fünfzehn Zentimeter langen vierkantigen und scharfspitzigen Nägeln wird die Innenseite des Felles von allen noch etwa ihr anhaftenden Fleischresten, Sehnenfasern etc. freigeschabt, das Fell beiderseits mit fettigen oder öligen Substanzen gut eingerieben und der Proceß damit geschlossen, daß zwei bis sechs Männer in hockender Stellung im Tacte und unter Gesang, das Fell mit ihren Händen pressen, Stelle an Stelle an einander reiben, bis sich das Fell trocken und geschmeidig anfühlt.

Die schon früher erwähnten baumwollenen Tücher und Decken sind eine der besten industriellen Arbeiten des Marutse-Reiches. Das Gewebe ist ein gutes, d. h. ein festes und durchaus nicht grobes zu nennen, ja es zeigt sogar etwas Kunstfleiß, da wir oft dunklere Streifen symmetrisch in das hellere Gewebe eingewoben finden.

Das Ackergeräthe ist zwar sehr einfach, da wir es eigentlich nur in einer Grabhacke vertreten finden; allein dieser einzige Gegenstand übertrifft an Brauchbarkeit beinahe alle südlich vom Zambesi angewendeten Geräthe. Das Eisen am gewöhnlichen Holzbeil ist ungewöhnlich stark, ähnelt in Form einigermaßen dem Schlachtbeile und ist zuweilen mit erhabenen, ausgefeilten Zierrathen im Längendurchmesser versehen. Der Stiel ist 50 Centimeter lang, stark und gerade. Zum Aushöhlen der Canoë’s und Töpfe, zur Bereitung von brettförmigen Holzstücken bedient man sich der Beile, die in Form mit der »Pala« übereinstimmen, in der Größe je nach dem Gebrauchszwecke variiren. Auffallend gut fand ich Eisen an den Hämmern, welche an Brauchbarkeit jene der Betschuana weit übertreffen. Meißelartige Geräthe für weiches Material wie für Metall, sind klein oder größer, von viereckiger oder rundlicher Nagelform.

Bohrinstrumente werden mit Hilfe von mit Fidelbögen getriebenen Drehwalzen, in welche sie eingesetzt werden, gehandhabt. Hieher gehören auch uns nachgeahmte spiralförmig gearbeitete Kugelzieher, Schrauben etc., die wieder mit eigens gestalteten Feilen erzeugt werden. Zangen sind zwar sehr primitiver Natur, doch entsprechen sie ihrem Zwecke vollkommen. Nägel erzeugt man in der mannigfachsten Form und bedient sich dabei wie bei den Schmied- und Schlosserarbeiten überhaupt eines einfachen Ambosses.

An Rudern fand ich drei Arten vor: lange, kurze und Jagdruder; die letzteren sind ausschließliches Eigenthum des Königs und bilden mit dem größten Theile der beiden anderen Arten Tribut-Artikel. Die langen sind drei, die kurzen zwei Meter lang und stets aus hartem, astlosem Holze gearbeitet. Sie sind an ihrem breiteren Ende schmäler als die kurzen und hier gerade abgeschnitten, die kurzen schiffchenförmig in eine Spitze zulaufend, beide mit eingebrannten Zeichnungen und Schnitzereien, doch nicht so häufig wie bei den Jagdrudern versehen. Diese letzteren sind an ihrem unteren Ende gabelförmig gespalten, über der Spaltspitze geht quer eine Drahtklammer durch den Ruderstock, um das Bersten zu verhindern. Die Jagdruder sind in der Regel drei Meter lang und werden bei den während der Zambesi-Ueberschwemmungen unternommenen Letschwe- und Puku-Jagden gebraucht.

Die Tabakspfeifen sind in doppelter Form gearbeitet, die einfachere ist in der westlichen Hälfte des Reiches, die zweite im Süden vorherrschend. Die erstere ähnelt im Allgemeinen den türkischen Pfeifen und besteht aus einem einfachen bis einen Meter langen, daumendicken, geraden, zuweilen mit eingebrannten Zeichnungen versehenen Rohrstück und einem aus gebranntem Thon gearbeiteten, meist schwärzlichen oder grauen, mit eingebrannten Linien, Kreisen, Arabesken bedeckten, verhältnismäßig kleinen Pfeifenkopfe. Die zweite Form der Tabakspfeifen ist im Stiele abweichend, der aus einer länglichen, oft eingeschnürten Calebasse verfertigt ist; das obere, dünne Kalebaß-Ende dient als Mundstück. Auf kurzen Ausgängen vergißt der Eingeborne nie seine Tabakspfeife, namentlich dann nicht, wenn er in Gesellschaft des Weißen reist. Der Tabak wird in kleinen Tuch-, Calico-, meist jedoch Lederlappen an der Carosse oder am Gurte befestigt.

Als unzertrennlicher Genosse auf längeren Reisen gilt jedoch die Dachapfeife, die in ihrem Wasserbehälter eine große Mannigfaltigkeit zeigt. Dacha — sind die getrockneten Blätter einer Hanf-Art, die in ganz Süd-Afrika von den Eingebornen um ihre Behausung gepflanzt, als ein leicht berauschendes Mittel durch eine Wasserpfeife geraucht wird. Die Dachapfeifen bestehen aus drei Theilen, dem Kopfe, einem Rohrstab und dem das Wasser enthaltenden Horn, durch das der Rauch gezogen wird, wobei der Raucher mit dem Munde die breite Oeffnung umfaßt und so den Rauch anzieht. Dies erzeugt einen Hustenreiz und je heftiger derselbe, desto höher hält der Eingeborne den Genuß.