Obgleich wir Schnupftabakdosen bei allen südafrikanischen Eingebornen sowohl als eigene Fabrikate als auch in von den Weißen erhandelten Stücken zahlreich vertreten finden, so habe ich doch in keinem Eingebornen-Reiche eine solche Auswahl eigener Arbeit in diesem Artikel gefunden wie bei den Marutse. Man verwendet zu Tabakdosen Elfenbein- und Nilpferdhauer, Säugethier- und Vogelknochen (Röhrenknochen); Geweihhorn, Nashorn; Thierklauen; die Haut von Schlangen, Leguanen; Leder (Säckchen), Holz in mannigfacher Form; Rohr; Fruchtschalen von Kürbissen; Fruchtschalen kleiner, rundlicher oder länglicher Busch- und Baumfrüchte; Rinde und endlich von den Weißen eingeführte Metalldosen.

Die Dosen aus Elfenbein sind im Allgemeinen mit kleinen, ringförmigen eingebrannten Zeichnungen versehen und werden an Glasperlen-, Bast- oder Riemenschnüren befestigt, am Gurte oder an den Armringen getragen. Ich fand sie nur bei den Wohlhabenderen im Gebrauche. An Gestalt ihnen nächstverwandt sind die aus dem Horn des Rhinoceros verfertigten Schnupfdosen; beide Arten Dosen haben nur eine kleine Halsöffnung, während die Betschuana’s noch eine zweite Oeffnung an der Basis anbringen.

Die aus Rohr und Vogelknochen gearbeiteten gehören zu den einfachsten und werden meist von Knaben und Mädchen gebraucht. Die aus den Hörnern von Hausthieren und Wild geschnitzten sind von einfacher Form, oft jedoch durch Schnitzereien verziert, am häufigsten bei den Makalaka’s anzutreffen. Die gewöhnlichste Form haben jene aus Fruchtschalen, während andere zu drei bis fünf an einem Riemchen hängend, meist von Frauen an ihren Carossen befestigt werden; außerdem trachten die schwarzen Schönen diese kleinsten der Tabakdosen dunkel zu poliren, wodurch sie recht nett und glänzend schwarz, dunkelviolett oder bräunlichviolett erscheinen. Die meisten Schnitzereien und eingebrannten Zeichnungen verwendet man an den hölzernen, doch scheinen diese mehr den ärmeren Stämmen, wie den Mamboë’s, Manansa etc. eigen zu sein, die sich auch in vielen Fällen einfacher Tuch- und Lederläppchen bedienen. Ist eine Dachapfeife für einen reisenden Bewohner des Marutse-Reiches unentbehrlich, nimmt er bei kleineren Ausgängen einen Kiri, Stock etc. mit, so muß seine Tabakdose sein treuester Gefährte bei Tag und Nacht, beim Ruhen und Arbeiten, bei seinen kurzen Besuchen und langen Reisen genannt werden.

Als Schmucksachen gelten Gegenstände, die nebenbei einem anderen Zwecke dienen, wie Amulete, Kapseln, Schnupftabakdosen, Dosen für Heil- und Beschwörungsmittel und am Körper getragen werden. Das Material zu denselben liefern Metalle, massive und Röhrenknochen, Elfenbein, Zähne verschiedener Thierarten, ebenso Hautstücke und hornige Bestandtheile, Hörner, Krallen, Klauen und Schuppen größerer Amphibien, Schildkrötenplatten, Schuppen vom Schuppenthiere etc., Federn, Muschelschalen, Talg, Holz, Gras, Bast, Rohr, Früchte, Fruchtschalen und Samen.

Unter den aus Metall erzeugten Toilette-Gegenständen fand ich Ringe (Fingerringe), Armbänder, Fuß- und Wadenringe, sowie unbedeutende kleine Ohrringe aus Eisen, Kupfer und Messing; Gold vermißte ich vollständig. Die Eisen- und Kupfersachen waren theils aus eigenen Schmelzhütten hervorgegangen, theils waren sie aus von den Weißen erkauftem Eisen- und Kupferdraht, die messingenen nur aus dem von den Weißen erstandenen Messingdraht gearbeitet. Die eingeführten Toilette-Artikel werden sehr selten in ihrer ursprünglichen Form benützt, sondern ihr Material zumeist umgeschmolzen und dem Landesgebrauch entsprechend umgearbeitet. Unter den aus eingeführtem Metalle erzeugten Objecten stehen die fingerdicken und von den Frauen der Wohlhabenderen, z. B. von den Königinnen, zu zwei bis acht auf einem Fuße getragenen Fußringe im größten Ansehen. Ringe aller Art (Fuß-, Armringe etc.) aus heimischem Eisen und erhandeltem Eisendraht werden meist von den niederen Ständen getragen; ihre Menge ist jedoch geringer als jene der aus Messing verfertigten, am seltensten sind Armringe aus Kupfer. Gewöhnlich trägt man einen bis zwei, die Frauen der Koschi und Kosana zwei bis drei, selten vier je an einem Fuße. Da der Herrscher den besten und stärksten Draht selbst kauft, den Unterthanen nur die weniger gute Sorte zu erstehen möglich ist, so finden sich auch die meisten und ansehnlichsten metallenen Schmuckringe in der Residenz und in der Barotse, sowie im Makalaka- und Matonga-Lande (Tributzahler) und nehmen nach dem Norden und Nordosten des Reiches rasch ab, wo sie einigermaßen durch aus selbstgewonnenem Eisendraht verfertigte Objecte vertreten werden. Die einfachen, aus dünnem Messing-, Kupfer- oder Eisendraht gearbeiteten unansehnlichen Ohrringe weichen nur unbedeutend von denen der Betschuana’s ab.

Mannigfach sind die aus Bein, namentlich aus Elfenbein verfertigten Artikel; die wichtigsten sind jedoch die fingerdicken Arm- und Fußringe. Die Elfenbeinringe werden gedrechselt, passen genau den Stellen an, an denen sie getragen werden, sind stets fein, ich möchte sagen fehlerfrei gearbeitet, und wenn sie auch der Schnitzereien und eingebrannt Zierrathen entbehren, eine elegante Arbeit. Es kostete mich auch nicht geringe Mühe, einiger dieser Objecte habhaft zu werden. Außer den Bracelets verfertigt man aus Elfenbein allerlei kleine, längliche Kapseln, cylindrische Stäbchen, Plättchen mit eingebrannten Ringelchen und Linien, die man durchbohrt und mittelst feiner Bastschnüre in das Haar befestigt. Ziemlich häufig finden wir Haarnadeln vertreten, die gleich den vorigen Gegenständen auch aus den Röhrenknochen der Thiere und häufig aus Nilpferd-Elfenbein verfertigt, in ihrer oberen, stärkeren Hälfte mit eingebrannten Zeichnungen und Schnitzereien verziert werden. Mannigfach sind die kleinen Schmuckgegenstände, die aus Holzstäbchen und Plättchen, Fasern und kleinen Gazellenhörnern oder aus den Spitzen der Hörner größerer Thiere gearbeitet werden. Meist werden sie mittelst Baststrängen an das wollige Haar befestigt oder an Schnürchen gefädelt und als Bracelets getragen. Man sieht Miniaturstäbchen, cylindrische oder kleine Kegelchen, Zöpfchen etc. Als unerreichtes Product der Holzschnitzerei unter den südafrikanischen Stämmen, können die dünnen, anmuthig geschnitzten, langzähnigen Haarkämme der Marutse gelten.

Sklaven verfertigen sich Arm- und Fußringe, sowie Bracelets und sogar Halsringe aus ungegerbten Gnu-, Zebra- und Büffelfellen, die Masarwa erzeugen die Stirnbänder aus Zebra-Mähnen. In allen Fällen wird die Haarseite nach Außen getragen. Vielerlei Zierrath wird auch aus den feinen wie gröberen Haaren und aus den Borsten der Säugethiere verfertigt. Aus den feineren Haaren, sowie den steifen Widerrist-Haaren arbeitet man Büschelchen, Fransen, Quasten, kreisrunde Scheiben, einfache oder zwei bis drei aufeinander ruhend, von einem Durchmesser von drei bis fünfzehn Zentimeter, ferner Ballen und Wülste, an welche man Riemen befestigt, um sie beim Tanzen um das Kinn zu binden. Die meisten dieser Schmuckgegenstände werden mit Riemchen und Strängen versehen und zur Ausschmückung des Kopfhaares benützt. An diese Formen schließe ich den Kopfputz aus Vogelfedern an. Viele schmücken ihr Haupt mit zwei bis drei schönen Einzelnfedern. Diese Federbüsche werden bei der Ankunft in des Herrschers Residenz, ferner bei Tänzen, Jagdausflügen und während eines Raubzuges oder Krieges aufgesetzt. Bei den Matabele bilden sie einen wesentlichen Theil des Nationalschmuckes und ich erwarb einen, der größere Dimensionen aufwies, als der Kopf des Trägers.

Aus Gras, feinen Holzfasern, Bast und Stroh, werden nette Armbänder etc. geflochten, bei weitem kunstvoller von den Stämmen des Marutse-Reiches, als sie sich z. B. bei den Menons und Makalaka’s südlich vom Zambesi vorfinden, wo diese Industrie doch ziemlich im Schwunge ist. Der Masupia- und Marutse-Knabe ist schon in der Wahl des Grases vorsichtig; es muß nur bestimmten Grasarten angehören, zu bestimmter Zeit gesammelt und entsprechend zubereitet werden, um in dem einen Falle eine stechend gelbe, im andern eine carminrothe Farbe zu zeigen, dann wird auch die Flechtarbeit sorgsam ausgeführt — all’ dies kümmert die Makalaka-Knaben wenig, wenn sie auch so manche Stunde der Grasflechterei für Schmuck- und Haushaltungszwecke widmen.

Dachapfeifen der Mabunda, Marutse und Masupia.