Die Säugethier- und Vögelklauen werden aufgefädelt als Bracelets getragen oder je zwei an einer Schnur aufgefädelt, an der Hinterhauptwolle befestigt. Von kleinen Wasserschildkröten bedient man sich der Gesammtschalen, um von diesen eine in der Scheitelhöhe oder drei in Reihenfolge auf der Längsmittellinie des Kopfes zu befestigen. Kleine Muscheln, wie sie die Portugiesen von der Westküste bringen, kleine runde Tarsus- und Carpusknöchelchen, dunkel bis glänzend schwarz polirt, Samen und kleine hartschalige Früchte werden an Roßhaar- und Gras-Schnürchen gefädelt, und als Bracelets, als Fußringe und als Haarschmuck getragen.
Scene am Zambesiufer in Schescheke.
Die von den Händlern eingeführten Toilette-Artikel (insbesondere Glasperlen) cursiren als Geldmünzen, dabei herrscht bei diesem oder jenem Stamme der Geschmack für bestimmte Farben vor; manche, wie z. B. die hell- und dunkelvioletten, gelben und blaßrothen, werden gar nicht beachtet. Die gesuchtesten sind die himmel- und dunkelblauen, dann folgen zinnober- und rostrothe, weiße, schwarze, grüne, sämmtlich klein mit einem Längendurchmesser von etwa 1½ Millimeter. Unter den mittelgroßen (Längendurchmesser etwa drei bis vier Millimeter) strebt man meistens nach den hellblauen, rostrothen, und unter den großen (sechs Millimeter bis einen Centimeter im Längendurchmesser) nach den mehrfach gefärbten (mehrere Farben in einer Perle), weißgefleckt auf schwarzem, dunkelviolettem Grunde, hauptsächlich aber nach schwefelgelben und grünen. Die Form der Glasperlen ist den Stämmen gleichgiltig.
Wäre man noch so krank nach einer Reise im Marutse-Reiche, und hätte man noch so viele Träger nothwendig, man wird mit einem genügenden Vorrathe schöner blauer Glasperlen nie an Mangel leiden; weder Herrscher, Koschi und Unterthan, weder Frau und Kind, noch Freier und Sklave könnten dieser Verlockung widerstehen.
Die Ueberlegenheit der Völker des Marutse-Reiches über jene südlich des Zambesi in der Verwendung dieser Schmuckgegenstände besteht darin, daß die Glasperlen in richtiger Menge und geschmackvoll in Ringen, Strängen etc. über den Körper vertheilt werden; in richtiger Menge, d. h. über Glieder und Rumpf so vertheilt, daß sie den Körper nicht belasten, nicht überladen, was wir z. B. in Bezug auf die unteren Extremitäten bei den Bakwena’s, Bamangwato’s etc. und bezüglich der Arme, des Halses und Rumpfes bei den Menon’s, Makalaka’s südlich vom Zambesi beobachten können.
Als Anhang zu den Toilette-Artikeln will ich noch einige Worte über die Behandlung des Kopfhaares folgen lassen. Daß die meisten Stämme auch auf die Pflege des Kopfhaares viel Sorgfalt verwenden, konnte ich wiederholt beobachten, ja ich fand sogar sehr viele, die sich regelmäßig kämmten, während andere, wie z. B. der Stamm der Mankoë, von Natur aus ein längliches Wollhaar besitzend, dieses wie aufgepudert tragen, was diesem stattlichen Menschenschlage zur Zierde gereicht. Manche der Marutse flechten ihr kurzes Wollhaar in Zöpfchen, je zwei bis vier Stränge zu einem Zopfe vereinigend. Ich vermißte bei den Stämmen des Reiches, sowohl das bei den Betschuana übliche Betünchen der Haare mit Eisenstein, als auch die Ring- und Kronenfrisur der Zulu’s.
Spielsachen bestehen meist in Thongebilden, in deren Erzeugung sich die aufwachsende Jugend recht geschickt zeigt. Die zumeist gearbeiteten Figuren stellen Kischi-Tänzer in ihren Verzerrungen, Männer als Jäger und Reiter, gehörnte Thiere, ferner Elephanten, Nashorn und Nilpferde dar. Meist wird dazu dunkler Thon gewählt, und die menschlichen Figuren fünf bis zwölf Centimeter hoch, die thierischen fünf bis zehn Centimeter hoch und fünf bis zwölf Centimeter lang, gemodelt. Andere Spielsachen werden aus Holz ebenfalls in Figurenform geschnitzt, dies meist von den Mabunda’s, oder mit Figuren versehene Holzlöffel und Stücke den Kindern zum Spielen gegeben.
Matten finden sich in großer Mannigfaltigkeit vor, einfach, aber nett und mühevoll gearbeitet, oft mit dunkleren einfachen Bändern oder auch mit Figuren von gleichem Material durchflochten, zuweilen sind diese eingeflochtenen Zeichnungen von schwarzer, rother etc., von der gelblichen Matte gefällig abstechender Farbe. Sie sind verschieden geformt und werden zu verschiedenen Zwecken gebraucht, je nachdem sie aus Binsen, Gras, Stroh oder Rohr verfertigt sind.
Von den hölzernen Kopfkissen sieht man sowohl primitive als gut gearbeitete Exemplare; vorwiegend traf ich gefällige aus hartem Holz gearbeitete Stücke. Die hölzernen Stühlchen sind in der Regel kurz, zwanzig bis dreißig Centimeter hoch, zehn bis fünfzehn Centimeter im Breitedurchmesser, stellen durchbrochen geschnitzte, seltener solide, dann aber primitiv gearbeitete Holzcylinder dar, deren obere Fläche seicht ausgehöhlt ist. Die durchbrochene Schnitzerei des Stockes ist säulchenförmig, die Säulchen parallel zur Höhe laufend. Ein solcher wird hohen Personen bei allen Ausgängen stets von einem Diener nachgetragen.