Als vierten in diese Kategorie gehörenden Gegenstand muß ich noch die Fliegenwedel nennen. Sie bestehen aus zwei Theilen, dem Stiele und dem Wedel; der Stiel wird aus Holz, Rohr, Nilpferd-, Nashorn- und Büffelleder, in selteneren Fällen aus Gazellenhorn und dem Horn des Rhinoceros, der Wedel aus langen Widerristhaaren der Thiere, aus Mähnen und Roßhaar, aus den buschigen Schwänzen der hundeähnlichen Raubthiere und aus Federn gearbeitet. Am häufigsten sind jene aus Ochsen-, Gnu- und Schakalschwänzen. Der Wedel ist entweder in den Stiel eingelassen oder über denselben mittelst Bastfäden, Grasschnüren, Roßhaar, Thiersehnen etc. daran befestigt, der Stiel in der Mehrzahl der Fälle geschnitzt, mit eingebrannten Zeichnungen versehen, oder mit breiten Messing- und Kupferringen, mit aus Messing- und Kupferdraht und aus steiferem Roßhaar geflochtenen Ringen, oder aber mit Binden aus Schlangen- und Leguanhaut umspannt.

XIII.
Aufenthalt im Leschumo-Thale.

Abfahrt von Schescheke. — Renitente Bootsleute. — Ein treffliches Schreckmittel. — Die Fauna im Leschumo-Thale. — Diamond’s Jagdausflüge. — Der Häuptling Moja. — Eine interessante Naturerscheinung. — Sepopo’s Häscher. — Kapella’s Flucht aus Schescheke. — Schwere Gewitter. — Gährung im Marutse-Reiche. — Sepopo’s Niedergang. — Aufbruch nach Panda ma Tenka.

Lager im Leschumo-Thale.

Wie ich bereits am Schlusse des eilften Kapitels erwähnt, mußte ich, wenn auch mit innerstem Widerstreben, Schescheke verlassen, da ein längerer Aufenthalt daselbst mein Leben ernstlich gefährdet hätte. Nach einer Fahrt von einigen Stunden hielten die Bootsleute, die wohl wußten, daß ich Sepopo auf immer verlassen habe und sich deshalb um mich wenig kümmerten, an einigen Masupiahütten an. Ich ließ mich aus dem Boote heben und zu der nächsten Hütte führen. Sie war nur provisorisch von Masupia-Fischern errichtet worden, um die nöthige Abgabe an Fischen in den marschigen Lagunen ringsum zu erwerben. Ich erstand fünf Fische, gab jedem Diener einen und ließ einen für mich rösten.

Schon Nachmittags bemerkte ich, daß sich die Bootsleute unter keiner Bedingung kräftiger in ihre Ruder zu legen bemühten, und als wollte mich das Schicksal zu all’ den Mühen des Tages verspotten, hatten die Bootsleute eine Stelle für unser Nachtlager gewählt, welche nicht unwirthlicher und ungesünder sein konnte. Es war dies an einer kleinen hochbeschilften Insel unmittelbar vor einem Sumpfe, auf welcher sich zwei elende, periodisch von den Masupia-Fischern bewohnte Hütten befanden. Da mein Boot das letzte war, hatten die ersteren von den Hütten Besitz genommen, und es blieb meinen Dienern nichts übrig, als für mich eine Hütte zu erbauen. In 2½ Stunden war diese fertig, als sie hierauf mit Hilfe der Bootsleute mein Gepäck aus den Booten heraus und in die Grashütte geschafft hatten, zeigte es sich, daß diese zu klein, namentlich zu niedrig errichtet worden war und daß man mich eben mit Mühe hinein zerren und auf die Kisten zu legen vermochte. Mein Gesicht berührte das Gras des Hüttendaches, welches noch vom vorigen Jahre vom Hochwasser auf die Insel angeschwemmt, hier ringsum gesammelt worden war; es war feucht und ein widerlicher Geruch entströmte demselben, der sich mit der Ausdünstung des Sumpfes vermengte. An Schlaf war unter diesen Verhältnissen nicht zu denken. Mein Bootunglück, die mißlungene Weiterreise und zahllose andere folternde Gedanken ließen mich eine höchst unerquickliche Nacht verleben. Die Nilpferde, wie auch die Riesenreiher ließen sich mehrmals hören, die einzigen Laute, welche die Stille der Nacht unterbrachen. Vor Mitternacht tauchten mehrere kleine Wolken auf, die sich sehr schnell vermehrten und bald darauf den Himmel so verdunkelten, daß ich auch nicht ein einziges Sternlein mehr erblicken konnte. Mein durch die Krankheit ohnehin angegriffenes Gemüth empfand die zunehmende Schwüle in der Atmosphäre um so schwerer.

Nach Sonnenaufgang verließen wir die Stelle, um unsere Fahrt flußabwärts wieder aufzunehmen. Die Art und Weise, in der die Bootsleute die Kähne luden, und sich während der Fahrt benahmen, mahnten mich, auf Aergeres gefaßt zu sein. Je mehr ich auf rasche Fahrt drang, desto langsamer ging diese von statten, ja als sich ein leichter Wind erhob, landeten die Männer auf einer Sandbank und wollten sich nicht von der Stelle rühren; die Androhung der von Sepopo zu erwartenden Strafe hatte keinen Erfolg. Ich versprach Glasperlen, ich drohte, meine Diener schimpften, doch alles vergeblich. Die Leute fingen an zu lachen, die einen legten sich auf den Sand, um zu schlafen, die anderen, um sich an meiner Schwäche und Hilflosigkeit zu ergötzen. Als ich sah, daß alle meine Versuche erfolglos blieben, nahm ich meine Zuflucht zu einem Schreckmittel, um mir bei diesen Menschen Respect zu verschaffen. Ich saß am Bug des einen Kahnes, als es mir einfiel, den an die Musketen gewöhnten Marutse meinen Hinterlader zu zeigen. Ich ließ mehrmals das Gewehr in der Sonne blinzeln, wählte mir einen einzeln aus dem Wasser hervorragenden Rohrhalm, der sich auf einem freien Raume zwischen zwei Gruppen der widerspänstigen Bootsleute erhob und feuerte drei Schüsse auf denselben ab. Der erste Schuß traf, die wirklichen und die sich verstellenden Schläfer sprangen auf die Beine, rasch darauf fiel der zweite Schuß und schlug nahe seinem Ziele ein, worauf die Leute in ihre Boote sprangen, und als zufällig die dritte Kugel den übrig gebliebenen Stumpf rasirte, hatten die ersten Kähne schon abgestoßen und meine Bootsleute hinderten mich am abermaligen Gebrauche des Carabiners.

»Es saust zu viel in den Ohren, Herr! Wenn Du schießen willst, dann bringen wir Dich nach Impalera, und dort findest Du auch viel Polocholo (Wild).« Schon drei Stunden nachher landeten wir unter dem Makumba-Baobab. Der Himmel hatte sich aufgeklärt und von den bewaldeten Hügeln der Impalera-Insel wehte uns eine frische Brise entgegen, die auf mich wie ein erfrischender Labetrunk wirkte. Ich erhob meinen Carabiner, um einige der über mir hängenden Baobabfrüchte herabzuschießen. Während die Bootsleute die Kähne entluden, eilten meine Diener in den Wald, um Früchte für mich zu sammeln. Zu meinem freudigen Staunen traf ich Blockley hier an, er war eben im Begriffe, mit Gütern nach Schescheke zu gehen.

Am 13. gelang es mir, für sechs Meter Calico einen Miniatur-Ziegenbock und eine größere Quantität Korn sowie siebenundzwanzig lebendige Finken (verschiedener Art) zu erstehen, welch’ letztere ich leider schon am folgenden Morgen bis auf drei einbüßte. Als ich Morgens nach den Thieren sah, fand ich alle bis auf drei todt, sie waren von einer rostrothen Termite, die zu Tausenden in den Käfig gedrungen war, getödtet worden. Ich hatte diese Termitenart früher nie beobachtet; der Kopf war beinahe von der halben Körperlänge und die Fänge so stark, daß sie sich wie eine Zecke einbeißen konnten.