Am Abend des 24. beobachtete ich eine äußerst interessante Erscheinung am Himmel. Die Sonne war eben im Untergange begriffen, über ihr und im Süden je ein schmaler Streifen des blauen Firmamentes sichtbar, während am östlichen Horizont ein Gewitter zog, aus dem zahlreiche Blitze niederfuhren. Als eben nur noch ein Segment der Sonne sichtbar war, erschien auf der gegenüberliegenden Stelle etwa fünfundvierzig Grad über dem östlichen Horizont eine feurige Röthe, welche die obere Hälfte eines Regenbogens zu decken schien, so daß nur sein nördlicher Schenkel in Ostnordost, der südliche in Südost zu sehen war. Mit dem vollständigen Untergang der Sonne erblaßte diese Röthe und verschwand dreißig Secunden später, während nun der ganze Regenbogen sichtbar wurde, wobei sich das Roth desselben intensiver zu färben begann, bis endlich ein sehr intensives und prachtvolles Carmin die anderen Regenbogenfarben im Zeitraume von einer Minute vollkommen deckte. Drei Minuten später erblaßte das Roth, um aber nach wenigen Secunden wieder am östlichen Horizont bis zu einer Höhe von etwa zehn Grad über demselben, von den schweren Regenwolken im Hintergrunde sich deutlich abhebend, zwischen den Regenbogenschenkeln zu erscheinen. Nach circa vier Minuten erblaßte die Röthe und die Regenbogenschenkel und eine halbe Stunde später hatte sich das Dunkel der Nacht über das Leschumo-Thal gelagert.

Am 25. erkrankten zwei meiner und einige der Diener Diamond’s an Kehlkopfkatarrh; eine verabreichte Dosis Brechmittel hatte sofortige Besserung zur Folge. Die äußerst ungünstige Witterung hatte auch in meinem Zustande wiederholte Rückfälle zur Folge, deren Heftigkeit ich wohl bald mildern konnte, welche aber stets ein Schwächegefühl zurückließen, das mich völlig arbeitsunfähig machte.

Wenige Tage darauf erkrankten zwei Diener Diamond’s an Typhus. In diese trüben Tage brachte die Jagd einige Abwechslung; auf einer solchen war es dem bereits erwähnten Basuto April gelungen, einen feisten Büffelstier zu erlegen, dessen Fleisch ins Lager geschleppt wurde. Die folgende Nacht gab es nun ein förmliches Fest, es wurde gesungen und getanzt und selbst die kranken Schwarzen sogen gierig an den halbgerösteten Fleischstücken, nachdem sie selbe nicht zu schlucken vermochten.

Am 2. Februar kehrte Diamond von einem zweitägigen Ausfluge an den Zambesi zurück; er war in den dichten Waldpartien, die sich zum unteren Laufe des Leschumo-Flüßchens erstrecken, auf eine Elephantentruppe gestoßen und unter sie gerathen, was ihn so einschüchterte, daß er auch nicht einen Schuß auf dieselben abzufeuern wagte.

Aus Impalera kam mir die Nachricht zu, daß ein Theil von Westbeech’s Elfenbein dahingeschafft worden war, und so konnte ich hoffen, daß Westbeech bald im Leschumo-Thale eintreffen werde. Mir war dies um so erwünschter, da ich mich unmöglich länger mit der dürftigen Kafirkornkost fortbringen konnte. Am 7. kam ein Trupp von etwa dreißig Marutse an, welche als Häscher von Sepopo ausgesendet waren, um — zu meinem grenzenlosen Erstaunen — Moja und Kapella einzufangen; ich vernahm auch, daß die Mehrzahl der in Schescheke und im Masupia-Lande wohnenden Häuptlinge, die den großen Rath bildeten, die vom Könige wegen Hochverrathes etc. Beschuldigten schuldlos sprachen, und sich den häufigen Hinrichtungen widersetzten. Sepopo wollte sich mit einem Schlage dieser Männer entledigen und verurtheilte zwölf der bedeutendsten Häuptlinge zum Tode, darunter Inkambella, Marancian, auch Kapella und Moja. Moja war erst wenige Tage zuvor, wie schon erwähnt, mit einem Briefe Khama’s in Schescheke angelangt; wie mir Westbeech später mittheilte, gab es bei der Ankunft Moja’s einen förmlichen Aufruhr in Schescheke; es war noch nie geschehen, daß ein zum Tode Verurtheilter nach Schescheke zurückgekehrt war. Westbeech, der gerade in seinem Höfchen beschäftigt war, wurde plötzlich in aller Hast zum Könige entboten, er fand den Hofraum Sepopo’s mit Leuten überfüllt. Der König reichte ihm aber sofort einen Brief, der in der Setschuana-Sprache geschrieben und von Khama, dem Könige der östlichen Bamangwato’s unterzeichnet war. Westbeech wurde ersucht, den Inhalt mitzutheilen, Sepopo fühlte sich durch denselben sehr geschmeichelt, ließ sofort von Westbeech einen Brief an Khama schreiben, daß er ihm zu Liebe Moja pardonnire, doch am selben Abend noch gab er Maschoku den Befehl, am folgenden Morgen jene zwölf, darunter auch Moja und Kapella hinzurichten; Maschoku aber, der sich fürchtete, so viele der einflußreichsten Männer zu tödten, erschien in der Nacht an der Hütte Kapella’s und warnte ihn. »Kapella, Du bist verurtheilt, morgen zu sterben!« Kapella wußte genug, weckte seine beiden Frauen und einen in der Hütte nebenan schlafenden Bruder Moja’s, sowie drei seiner zuverlässigsten Diener und seinen jüngsten Knaben und machte sich sofort auf den Weg. Am Flußufer suchte er Westbeech auf und berichtete diesem den Vorfall. Westbeech, der immer in solchen Fällen ein gutes Herz offenbarte, versorgte ihn mit Schießbedarf und anderen Reise-Utensilien.

Kapella nahm zu den zwei nächsten Kähnen seine Zuflucht und rasch glitten die Flüchtlinge stromabwärts im Dunkel der Nacht dahin. Nach Mitternacht waren sie schon circa zwanzig Meilen von Schescheke entfernt, hier ließen sie die Boote flußabwärts treiben und schlugen sich in die schilfigen Moore am Südufer des Zambesi, um die Niederlassung der Masupia’s zu erreichen, welche oberhalb Impalera am Tschobe gelegen, unter der Gerechtsame des Bruders des Masupia-Häuptlings Makumba, eines sehr warmen Anhängers Sepopo’s stand. Hier hofften sie so zeitlich anzukommen, daß sie sich noch vor dem Erwachen der Masupia’s einiger ihrer Boote zur Ueberfahrt über den Tschobe bedienen konnten. Der Gang in den Pfaden, dem hohen Schilf entlang, war im Dunkel der Nacht aus sehr vielen Gründen ein äußerst gefahrvoller und Kapella hätte ihn nie gewagt, wenn es nicht um sein eigenes und das Leben der Seinen gegangen wäre. Alles ging nach Wunsch und die Flüchtlinge langten kurze Zeit nach Tagesanbruch bei der genannten Niederlassung an. Trotzdem waren schon zwei der Masupia’s bei den Booten beschäftigt; bei dem plötzlichen Erscheinen der bewaffneten Gruppe, in welchen sie wohl Flüchtlinge aus Schescheke ahnen mochten, ergriffen die Männer die Flucht, um im Dorfe Lärm zu schlagen, versenkten jedoch, bevor man es ihnen wehren konnte, die beiden Boote. Die Flüchtlinge machten sich sofort an die Arbeit, die kleinen Kähne aus der seichten Bucht an’s Land zu ziehen, sie vom Wasser zu entleeren, und dann so rasch als möglich über den Tschobe zu setzen, was ihnen auch gelang.

Obgleich die beiden Männer ihren Häuptling davon benachrichtigten und Kapella’s Namen nannten, fand es dieser, da er den Commandanten als einen guten Schützen kannte und sich auch nicht zum Häscher hergeben wollte, für angezeigt, die Sache erst morgen zu überlegen; seinen Leuten gegenüber meinte er, daß man das Ganze wohl erwägen müsse, es wurden die Aeltesten des Dorfes zusammengerufen und ihnen die Sache auseinandergelegt. Unterdessen waren viele Stunden verflossen, so daß die Flüchtlinge einen bedeutenden Vorsprung erreicht hatten, als die Verfolger, jene erwähnten Marutse, im Leschumo-Thale erschienen, um nach Kapella und den Seinen zu fahnden. Diese Truppe zog erst in der Nacht auf den 8. wieder ab, sie hatten von ihrem Hauptquartier im Leschumo-Thale aus den Wald ringsum durchsucht.

Wana Wena, der neue König der Marutse.

Westbeechs dunkler Jäger Diamond, der abermals am 6. ausgegangen war, kehrte am folgenden Tage schwerbeladen heim, d. h. seine Diener keuchten unter den Rumpfstücken eines Büffelstieres. Nahe an der Stelle wo er ihn erlegt, ließ er sich von seinen Dienern eine Grashütte errichten, um darin zu übernachten. In der Nacht hörte er nun, daß Raubthiere sich um das Fleisch zu zerren schienen; der alte Diamond war indeß durch häufigen Branntweingenuß nicht mehr der Elephantenjäger früherer Tage und so hielt er sich sicherer in der Hütte. Morgens fand er, daß sich drei Löwen an den Eingeweiden des Thieres gütlich gethan hatten.