Südostwärts reisend, gelangten wir noch am selben Tage bis zu Schneemann’s Weiher, wo wir bis zum Abend verblieben. Die Reise durch den Wald, zeitig am Morgen war insoferne angenehm, als der Wald förmlich vom Dufte der schönen weißen, fünfblättrigen Blüthen des Mopondostrauches erfüllt war. Abends brachen wir wieder auf und fuhren die Nacht hindurch, bis wir zu Mittag des nächsten Tages am Rande der Gaschuma-Ebene anlangten; hier mußten wir rasten, da die Regengüsse der letzten Tage die Wiesenlichtungen in Sümpfe verwandelt hatten. Das Gras auf den Ebenen war stellenweise sechs bis sieben Fuß hoch und wurde von den Eingebornen Matimbe genannt. Des hohen Grases wegen sahen wir auch sehr wenig Wild. Während unseres Aufenthaltes an der oberwähnten Stelle kamen sechs Marutse von Schescheke, die uns nachgegangen waren, und brachten meine Büffelhörner, die Westbeech in Schescheke mitzunehmen vergessen, sowie einen fünfundzwanzig Pfund schweren Elephantenzahn mit. Die Leute folgten dem Wagen bis Panda ma Tenka unter dem Vorwande, Zündhölzchen für Sepopo zu erstehen, eigentlich aber in der Absicht, sich zu überzeugen, ob sich Kapella, der Flüchtling, unserem Wagen anschließen würde. Kapella, dem ich nach jenem schon erwähnten denkwürdigen Morgen des 14. Jänner täglich theils aus meinem, theils aus Westbeechs Kornproviant versorgte, hatte bei der Ankunft des Elfenbeinhändlers von Schescheke den Leschumo-Wald verlassen, und war bis zu den Gewässern der Gaschuma-Ebene vorausgegangen. Hier trafen wir ihn mit den Seinen und mit Moja, und unter den Dienern des Flüchtlings erkannte ich einen, der sich während meiner letzten Fahrt von Schescheke nach Impalera durch sein unverschämtes Auftreten hervorgethan hatte. Da die ganze Gesellschaft seit dem Verlassen des Leschumo-Thales kein Wild erlegt hatte, war die Ueberraschung, die uns Bradshaw von Panda ma Tenka aus durch das Zusenden eines Ziegenbockes bereitete, recht erfreulich.
In der folgenden Nacht verließen wir das Tsetsegebiet und gelangten, nachdem wir noch stundenlang mit dem schwer beladenen Wagen an einem der vielen Zuflüsse des Panda ma Tenka-Flüßchens aufgehalten worden waren, noch am selben Tage nach der gleichnamigen Niederlassung. Mein früherer Diener Pit, sowie Bradshaw waren durch das Fieber förmlich zu Skeleten abgemagert.
Am 23. theilte mir Westbeech die unangenehme Nachricht mit, daß seine Zugthiere durch die Tsetse decimirt und er nicht im Stande sei, der bei dem Verkaufe meiner Zugthiere eingegangene Verpflichtung, meinen Wagen nach dem Süden zu bringen, nachzukommen, er ersuchte mich, mein Gepäck auf einem der mit Elfenbein beladenen Wägen unterzubringen. Am 24. kam der Elfenbeinhändler Saddler von Schoschong an, er berichtete von der Strenge, mit welcher König Khama gegen die Einfuhr von Branntwein auftrete und äußerte sich, daß die Leute in Schoschong sich sehr wundern würden, mich zu sehen, da man mich nicht wieder im Süden erwartete.
Am 27. war ich endlich mit dem Packen meiner Sammlungen fertig geworden und so benützte ich gleich den Nachmittag, um sie zu vermehren. Ich erstand auch von Bradshaw eine Sammlung von 1300 Käfern für 20 £ St., dann für Elfenbein, zur Completirung der Sammlungen 40 Vogelbälge von demselben und 63 von Walsh. Am Nachmittage des 28. verließen wir das Thal, und obgleich mir Westbeech auch auf der Rückreise nach Schoschong viele Gefälligkeiten erwies, so wurde mir das Reisen in einem fremden Wagen unangenehm, da meinem Sammeleifer durch den Raummangel bald Halt geboten war. Ich konnte an Orten nur Stunden verweilen, wo ich eine Woche hindurch die lohnendste Arbeit gefunden hätte. Ich gewann dabei die Ueberzeugung, daß Westmatabele allein Jahre lang einen Forscher ununterbrochen beschäftigen könnte.
Als wir am 28. das Panda ma Tenka-Thal hinaufzogen, jagten unsere Hunde zwei Exemplare der Vlakvark-Species auf. Es gab eine Hetzjagd, welche zwanzig Minuten währte und wobei Schwarze und Weiße, die einen mit Gewehren, die anderen mit Assagaien bewaffnet, dem Wilde nachjagten. Obgleich das Vlakvark unter den Wildschweinen die drohendsten Hauer besitzt, ist es doch unserem europäischen Wildschwein gegenüber eine feige Creatur; es besitzt eine staunenswerth dünne Haut, sowie einen weißen Backenbart im Gesichte. Die folgende Nacht hatte ich abermals wenig Rast, denn in Folge der Fahrt über die steinigen Bodenerhebungen zwischen dem Panda ma Tenka- und dem Dejkha-Flüßchen waren die gepackten Sachen so hin- und hergeworfen worden, daß ich Alles neu ordnen mußte. Auf der Fahrt des nächsten Tages, auf der letzten der großen Graslichtungen, welche das sandige Lachenplateau vom Zambesi-Gebiete auf der bereisten Strecke trennt, entdeckte ich, daß alle Wildpfade von zahlreichen wilden Straußenheerden zum »Wechsel« benützt wurden. Wäre ich in meinem Wagen gereist, so hätte ich mich für die nächsten achtundvierzig Stunden in eines der nahen Gehölze gelagert, um diese Thiere nach Herzenslust beobachten zu können.
Am 3. gelangten wir zu Henry’s Pan, jeden Augenblick, den der Wagen hielt, benützend, fand ich auf dieser, sowie auf der Gesammtstrecke bis Schoschong hin so viel Sammelnswerthes, daß ich nur täglich bei der Arbeit sowie während der Fahrt und in der Nacht bei dem Recapituliren des Erlebten stets über den Zeitmangel und das rasche Reisen klagen mußte. Am 3. beobachtete ich Giraffenspuren im Geleise vor uns, es mochten wenigstens zwanzig Thiere gewesen sein, welche hier ihren Weg genommen hatten. Am nächsten Tage erreichten wir die Lachen von Tamasetse und erstaunten nicht wenig, einen Reiter uns entgegenkommen zu sehen; wir erkannten in ihm den Compagnon des dem Leser schon bekannten Elfenbeinhändlers Anderson. Dieser hatte sich zurückgezogen, während der Erstere mit seinen Dienern hier und um Tamasetse herum Strauße jagte. Dieser Mann, mir Namen Webster, theilte mir mit, daß er mit noch zwei Weißen, Herrn Z. und Mayer, den ich dem Leser schon bei der Reise nach Norden an der zweiten Klamaklenjana-Quelle vorgeführt, in der Nähe lagere. Herr Z., ein früherer Händler, hatte diesmal aus einem ganz besonderen Grunde diese Gegenden ausgesucht. Die zoologische Gesellschaft in London hatte nämlich für ein Junges der weißen (grauen) Rhinoceros-Art einen Preis von 500 £ St. loco Capstadt ausgeschrieben und nach diesen gelüstete es dem ehemaligen Händler. Da dieser Abenteurer sich womöglich geringe Auslagen bereiten wollte, hatte er solche Tauschartikel mitgenommen, die im Innern Afrika’s mit geringer Mühe 500 Percent Reingewinn abwarfen. Im Maschona-Lande wäre es ihm am ehesten gelungen, der gesuchten Species habhaft zu werden, doch eines Vergehens wegen, dessen er sich bei einem früheren Besuche des Landes schuldig gemacht, wagte er es nicht wieder, offen das Matabele-Land zu betreten, um von dem Matabele-König den Durchzug nach dem Maschona-Lande zu erbitten. Als er auf seiner Reise gegen den Zambesi nach Schoschong kam, hatte der König Khama erfahren, daß er Brantwein am Wagen als Tauschartikel führe und gebot ihm, sofort nach dem Süden zurückzukehren. Z. wollte sein Ziel nicht so leichten Kaufes aufgeben, angesichts der Haltung Khama’s versprach er zu den am Limpopo weilenden Damara-Emigranten zu gehen und hier das Feuerwasser abzusetzen, doch dies war nur eine List. Er schlug die Richtung nach dem Limpopo, d. h. nach Südsüdost ein, wandte sich jedoch bald nachher vom Wege ab, kehrte in einem spitzen Winkel nach Norden zurück und verfolgte diese eingeschlagene Richtung bis zur Höhe von Schoschong. Das bereiste Land war hie und da bebuscht, was ihm wohl zu statten kam und als er diesen Punkt erreicht, verbarg er hier seine Branntweinfässer und ging denselben Weg zurück, bis er wieder nach Schoschong kam und dem Könige seinen leeren Wagen zeigte. Dieser glaubte dem Manne, obgleich er sich über die rasche Erledigung der ganzen Angelegenheit wunderte.
Z. schlug eine östliche Richtung ein, bis er das erwähnte Versteck erreicht hatte, lud hier die verbotene Fracht wieder auf und zog nach Westmatabele, um nun nach Nordwest, in das sandige Lachenplateau einzubiegen; da er jedoch in Westmatabele den ihm begegnenden Zulu’s den Grund seines Besuches mitzutheilen gezwungen war, so nannte er sich Capitän Y., der die Victoriafälle des Zambesi zu sehen wünsche, und hiezu La Bengula um Erlaubniß bitte. Er suchte dies durch Boten, die er nach Gubuluwajo zum Könige sandte, zu erreichen, durchzog dann Westmatabele und das Makalaka-Land und gelangte nach dem sandigen Lachenplateau, wo er mehrere Monate zubrachte, während welcher Zeit er seine vier Pferde, die er der Jagd halber mitgenommen, verlor. Während dieser Fahrten brachte er bis auf vier Flaschen Spiritus den ganzen Inhalt seiner Fässer an den Mann. Inzwischen wurde Khama durch die herumstreifenden Bamangwato’s sowie die hie und da postirten Masarwa und Madenassana das Thun des Z. berichtet, auch ließ er nachforschen und der Branntweinschmuggel des Letzteren lag klar zu Tage. Auch Z. blieb dies nicht unbekannt, und er fürchtete, daß ihm der Weg nach dem Süden abgeschnitten sei, und in die Hände Khama’s zu fallen, welcher ihm zur Strafe das Gefährt wegnehmen könnte. La Bengula, den Zulu-König, fürchtete er aber noch mehr. In dieser für ihn ziemlich peinlichen Lage — es war ihm indessen auch klar geworden, daß er ein weißes Nashornkalb nicht erwerben könne — konnte ihm die Ankunft unserer Truppe in Tamasetse nur sehr willkommen sein.
Niemand begrüßte denn auch unsere Ankunft freudiger als Z. Wie hatte sich der arme Mayer verändert? Das böse Fieber hatte ihn in wenigen Wochen siech und so elend gemacht, daß ich ihn mit Noth wiedererkennen konnte. Z. fragte mich um Rath für seine fieberkranken Diener. Ich erwiderte, daß ich selbst am Fieber krank, nicht einen Gran von den nöthigen Medicamenten besitze. Das letzte was ich von Bradshaw gekauft, hatte ich Pit, dem einen Wagentreiber und Sohn Jan Mahura’s gereicht. Doch rieth ich Z. an, um den Dienern das lästige Gefühl der Müdigkeit in den Schenkeln zu beheben, Branntwein in die Muskulatur derselben einreiben zu lassen. »Ich habe keinen Branntwein mehr, doch es sind noch vier Flaschen mit Spiritus im Wagen, ich werde diese verwenden.« Doch Z. hatte mit dem Samaritanerwerk keine Eile, er mischte den Inhalt der vier Flaschen mit Wasser und verkaufte den so gebrauten Branntwein an die Mitreisenden für 33 £ St., und als mein armer Freund von dem furchtbaren Genusse umnachtet, nicht mehr seiner Herr war, verkaufte er ihm Wagen und Ochsen, um sie nicht an König Khama zu verlieren. Ich will die unangenehmen Auftritte übergehen, die sich damals während des Aufenthaltes an den Tamasetse-Lachen vor mir entrollten. Z. ging nun nach dem Süden als Gast meines Freundes und in dem tröstlichen Bewußtsein, wenn auch keinen Preis gewonnen, so doch keinen erheblichen Verlust erlitten zu haben.