»Wie es Dir gefällig ist,« sagte Harteck unzufriedenen Tones. Sie grüßten, die Schwestern dankten schweigend, und während Perkow sich in Bewegung setzte, blieb Harteck noch stehen und fragte Paula mit leiser Stimme: »Gestatten Sie, daß ich heute noch einmal bei Ihnen vorspreche?«

»Wenn Sie Zeit für mich haben, ...« antwortete sie ziemlich kalt.

Er verbeugte sich stumm und eilte dem Freunde nach.

»Bist Du immer so streitlustig, wenn Du mit Frauen zu tun hast?« fragte er, als er ihn eingeholt hatte.

»Ich? Streitsüchtig?« entgegnete Perkow mit ungeheucheltem Erstaunen. »Du bist wohl nicht recht gescheit. Verschweigen kann ich Dir zwar nicht, daß mir dieses Fräulein nicht gefällt. Ich liebe so ernste, blasse, empfindliche und eingebildete Frauenzimmer keineswegs. Junge Mädchen sollen heiter und bescheiden sein.«

»Du bist, trotz Deinen sechsundzwanzig Jahren, nicht wenig pedant,« sagte Harteck.

»Mag sein. Das gehört übrigens zu unserem Berufe. Wohin würde der schuldige Respekt kommen, wenn wir alle diese frauenzimmerlichen Grillen und Launen nachsichtig oder gar wohlgefällig beurteilten? Zwischen dem Auftreten eines Priesters und dem anderer Leute muß doch immer ein gewisser Unterschied bestehen, ... eine Grenze, die nicht überschritten werden darf. Jede Art von Familiarität muß streng vermieden werden. Wenn ich schon durchaus mit Frauen verkehren soll, dann mag es mit Bäuerinnen sein. Diese städtisch gekleideten Dorfbewohnerinnen sind mir von jeher zuwider gewesen; sie dünken sich etwas Besonderes und wollen sich, vermöge ihrer sogenannten Bildung, auf eine Stufe mit uns stellen, ... und das heißt nichts. Ich bin nicht gewohnt, daß junge Mädchen ihrem Seelsorger in so kategorischem Tone antworten, wie Dein Fräulein Reinberg getan hat.«

Harteck schwieg auf diese Rede, sein Gesicht aber drückte Unzufriedenheit aus.

»Ich sehe, daß meine Sprache Dir mißfällt,« sagte Perkow und hängte sich an seinen Arm. »Lassen wir das Gespräch daher lieber fallen. Eines jedoch muß ich Dir noch bemerken: Du weißt eben niemals, was Du in Deiner Stellung als Priester zu tun und zu lassen hast. Das sage nicht ich allein, sondern alle Geistlichen, die Dich kennen. Nimmermehr würdest Du in das armselige Keßten versetzt worden sein, wenn Du Dich den allgemeinen Ansichten besser anzupassen verstanden hättest.«

»Sehr wahr,« sagte Harteck mit einem Seufzer und ließ den Kopf hängen.