Paula blickte ihn an. Sein junges, hübsches Gesicht sah sehr verständig, aber auch sehr unverdorben aus ... Eine, man könnte fast sagen jungfräuliche Herbheit wohnte in diesen männlichen Zügen, in diesen kalten blauen Augen. »Daß Du davon nichts verstehst noch verstehen willst, glaube ich Dir aufs Wort,« dachte Paula.

Toni hatte sich verstohlen genähert und stand an die große Schwester gelehnt; in der einen Hand hielt sie den Reif, mit dem freien Arm umschlang sie Paulas schlanken Leib und schaute den fremden Geistlichen mit ihrem offenen Kindesblick neugierig an.

»Meine Schwester,« sagte Paula und drückte das Kind an sich. »Gib dem Herrn die Hand, Toni.«

Lächelnd und errötend gehorchte die Kleine. Perkow blickte sie ziemlich gleichgültig an.

»Sind Sie kein Kinderfreund?« fragte ihn Paula, etwas pikiert darüber, daß ihr Schwesterchen so gar keinen Eindruck hervorzurufen schien.

»Ich mag Kinder wohl leiden,« versetzte der Gefragte, »vorausgesetzt nämlich, daß sie gut erzogen sind, sich nicht unnütz machen und vor allem gehorchen.«

»Bist Du ein solches Musterkind, Toni?« sagte Paula zu ihrem Schwesterchen. Die Kleine drückte das Kinn an den Hals und verzog die Lippen. Der neue geistliche Herr mißfiel ihr in hohem Grade.

»Sie scheint ein bißchen trotzig zu sein,« bemerkte dieser. »Lernt sie brav?«

»Sie ist die beste Schülerin,« sagte Paula, »und daß sie trotzig sei, hat bis jetzt noch niemand herausgefunden.«

Der junge Geistliche wollte etwas entgegnen, doch Harteck berührte leise seinen Arm und bat ihn mit den Augen, zu schweigen. Eine Pause trat ein ... Hierauf sagte Perkow: »Wir haben das Fräulein lang genug aufgehalten. Wollen wir uns nicht verabschieden?«