Der Geistliche verneigte sich abermals.
»Ich habe gestern schon das Vergnügen gehabt, das Fräulein zu sehen,« sagte er. »Wir sind eine Strecke weit zusammen gefahren.«
»Davon hast Du mir gar nichts gesagt,« warf Harteck ein.
»Ich habe ja nicht gewußt, daß Du mit dem Fräulein bekannt bist,« entgegnete der junge Mann. »Freilich hätte ich es mir denken können. Der Ort ist nicht so groß, als daß nicht alle Welt einander kennen sollte. Wohnen Sie schon längere Zeit in St. Jakob?« fragte er Paula.
Sie bejahte die Frage, und weil er sich einige Auskünfte über Land und Leute von ihr erbat, erzählte sie ihm verschiedenes, wovon sie dachte, daß es ihn interessieren könnte; und schließlich sprach sie den Wunsch aus, daß es ihm hier recht gut gefallen möchte.
»Das bezweifle ich keineswegs,« sagte der junge Priester. »Es gefällt mir hier recht wohl, die Gegend, der Ort, alles.«
»Auch der Dekan?« fragte Harteck mit einem Lächeln.
»Weshalb nicht? Wir werden uns gewiß miteinander vertragen. Übrigens war mein früherer Prinzipal auch kein Engel.«
»Ich habe Dir schon mehrere Ratschläge erteilt,« sagte Harteck. »Durch Erfahrung wird man klug, und ich rate Dir alles das zu befolgen, was ich leider zu tun versäumt habe. Der Dekan will geschmeichelt sein, und seinem Fräulein Nichte mußt Du, wenn Du Dich in ihre Gunst setzen willst, ein wenig den Hof machen.«
»Den Hof machen?« wiederholte der andere und zuckte mit den Achseln. »Davon verstehe ich nichts.«