»Na, werde nicht melancholisch,« sprach der junge Geistliche tröstend und drückte seinen Arm. »Ich will Dir täglich schreiben und Dich besuchen, so oft ich's werde tun können.«
»Was wird Dein Prinzipal dazu sagen?« warf Harteck ein. »Du weißt, daß er mich nicht leiden kann.«
»Mag er sagen, was ihm gefällt! Ich kann und will Dich nicht so ganz Dir selbst überlassen. Du bist mir das Teuerste, was ich auf Erden habe. Gern würde ich Dir jedes erlaubte Opfer bringen, wenn ich dadurch Dein Leben erhellen könnte ... Aber leider vermag ich Dir, außer meiner Freundschaft, nichts zu bieten.«
Harteck war versöhnt. Alles Mißliebige, was der junge Priester gesprochen, verschwand vor diesem treuherzigen Bekenntnisse echter, warmer Freundschaft.
»Ich danke Dir für Deine Worte,« sagte er. »Wer weiß, ob nicht die Zeit kommen wird, wo ich größere Opfer von Dir fordern werde.«
Sie sollte kommen, diese Zeit, und eher, als beide ahnten. –
Nach Ablauf einer Stunde kehrte Harteck zu Paula zurück. Er fand die Mädchen im Wohnzimmer, Toni schrieb Schulaufgaben und Paula überwachte sie dabei. Er setzte sich zwischen beide, legte den Arm auf die Lehne des Stuhles, auf dem Toni saß und sah zu, wie sie schrieb.
»Störe ich?« fragte Toni mit kindlicher Unschuld. »Soll ich gehen, Paula?«
»Nein, bleibe bei uns,« antwortete die Schwester.
Harteck blickte sie an. Das Wörtchen ›bei uns‹ rührte ihn seltsam; es klang so vertraulich, als ob sie ihn ganz zu sich gehörend betrachtete ... »Was haben Sie in den letzten Tagen getrieben?« fragte er sie.