»Daran habe ich noch nicht gedacht,« schaltete sie ruhig ein.
»Aber ich! Glauben Sie mir, ... so sehr es mich in Ihre Nähe zieht und so glücklich ich mich fühle, wenn ich Sie an meiner Seite habe, ... es kostet mir jedesmal einen schweren Kampf, zu Ihnen zu gehen. Ich kann mir nicht verhehlen, daß ich es bin, der Ihren Ruf untergräbt, und das macht mich elend.«
Paula wies mit den Augen auf Toni, die verwundert aufhorchte. Er biß sich auf die Lippe und schwieg.
»Wie hat Ihnen mein Freund gefallen?« fragte er nach einer Weile.
»Nicht sonderlich gut, wenn ich aufrichtig sein soll,« erwiderte Paula.
»Im Anfang mag er schroff scheinen; ich zweifle jedoch nicht, daß Sie ihn lieb gewinnen werden, wenn Sie ihn näher kennen. Ich will ihn nicht allzu sehr loben, um Sie nicht neuerdings zu erzürnen, aber ich versichere Ihnen, daß er ein vortreffliches Herz hat. Und was mir vorzugsweise an ihm gefällt: er hängt mit Leib und Seele an seinem Beruf. Predigen müssen Sie ihn hören! Er ist immer so ganz bei der Sache, ist so durch und durch Priester und würde für seinen Stand durchs Feuer gehen. Er besitzt eben alle guten Eigenschaften, die mir abgehen.«
»Sie setzen sich immer herab,« warf Paula dazwischen. »Finden Sie die Arroganz Ihres vielgerühmten Freundes gleichfalls bewunderungswürdig?«
»Er ist nicht arrogant, ... nur nicht biegsam oder zugänglich ... Bedenken Sie, daß er im Waisenhause aufgewachsen ist, niemals Liebe genossen hat, und wer selbst nie verzärtelt worden ist, verzärtelt auch andere nicht. Mir jedoch ist er treu ergeben und einen besseren Freund werde ich schwerlich jemals mehr finden. Das alles muß Sie doch ein klein wenig für ihn einnehmen,« schloß er zuredend und bittend zugleich.
»Gewiß,« sagte Paula. »Wenn es ihm erwünscht ist, will ich gern mit ihm verkehren ... Aber wird er es wollen? Ich zweifle daran.«
»Mit der Zeit, ... wer weiß? ... Er hat mich lieb und auch Sie sind mir gut, ... der Gedanke, daß Sie beide von mir sprechen, wird mich trösten in meiner Einsamkeit ... Und wenn Joachim mich besucht, kann er mir von Ihnen erzählen, und er wird mir dann doppelt teuer sein ...«