Am Abend fühlte er sich von dem vielen Umhergehen, Sprechen und Abschiednehmen auf das äußerste erschöpft. Er ließ sich beim Dekan entschuldigen: er könne am gemeinschaftlichen Mahl nicht teilnehmen, er wäre allzu müde. Mochte der gewesene Prinzipal ihn unhöflich schelten! Jetzt war doch alles gleichbedeutend und jeder Zwang überflüssig.
Harteck kam am folgenden Morgen später als sein Freund, der früher die Messe gelesen hatte, in das Frühstückzimmer und traf dort bloß den Mönch und den jungen Geistlichen an. Diese beiden schienen schon recht gut bekannt miteinander, sie standen am Fenster, Joachim hielt ein Zeitungsblatt in der Hand und der Mönch blickte über seine Schulter in dasselbe.
»Ich habe für diesen Artikel große Lobsprüche geerntet,« sagte Perkow, »sogar der Fürst-Erzbischof hat ihn gelesen und mir seine Zustimmung ausdrücken lassen ... Das Polemisieren ist meine Passion. Sie können sich wohl vorstellen, daß das Organ unserer Gegner dazu nicht geschwiegen hat, ... aber ich weiß, was ich auf alle Einwürfe zu erwidern habe. Ich bin im Recht. Den Gegenartikel trage ich bereits in der Tasche,« schloß der junge Mann mit einem triumphierenden Lächeln und klopfte mit der Hand auf die Brust. Jetzt erst gewahrte er den Freund.
»Guten Morgen, Georg,« sagte er.
»Guten Morgen,« sagte Harteck grüßend. »Wo sind die anderen?«
»Über Land gefahren,« berichtete der Mönch. »Sie werden erst abends zurückkehren.«
»Desto besser!« sagte Perkow aufrichtig. »Gegen den Herrn Dekan habe ich zwar nichts einzuwenden, aber seine Nichte, diese alte Jungfer, ist ein unausstehliches Geschöpf. Ist sie immer so geziert und affektiert, wie sie's gestern war?«
»Immer so,« sagte Benediktus. »Und boshaft! Davon haben Sie keinen Begriff.«
»Das werden wir ihr austreiben,« sprach Joachim leichthin und setzte sich. »Vorläufig aber wollen wir frühstücken.«
Der junge Pater nahm an seiner Seite Platz und heftete den Blick unausgesetzt auf seinen blonden, sorglos und zufrieden aussehenden Nachbar. Augenscheinlich bewunderte er ihn.