Wohl war er sich bewußt, ein treuer und eifriger Diener der Kirche zu sein, ... aber daß Ehrgeiz, Herrschlust und Eigenliebe ihm gänzlich fremd, daß er nur die zukünftige, bessere Welt im Auge habe? So weit ging seine Liebe zu Gott noch lange nicht. Fast beschämt blickte er vor sich nieder und versank in Nachdenken.

»Werde ich heute abend Gelegenheit haben, das gnädige Fräulein zu sehen?« fragte Harteck, sich an den Pater wendend. »Ich möchte doch nicht ohne Abschied von ihr gehen.«

»Sie hat gesagt – warum weiß ich nicht –, daß sie diesem Abschied auszuweichen gesonnen wäre,« antwortete Benediktus.

»Dann laß die Närrin!« rief Georgs heißblütiger Freund. »Dir wird doch nicht darum zu tun sein, noch einmal in ihre wässerigen Augen zu schauen.«

»Ich will von aller Welt in Frieden scheiden,« versetzte Harteck. »Wie immer auch die Menschen hier sich gegen mich betragen haben, ... ich will allen beweisen, daß ich keinem grolle und es mit jedem gut meinte.«

Der Mönch schlug bei diesen Worten die Augen zu Boden.

»Komm, Joachim,« sagte Harteck mit einem Blick auf den Pater. »Wir haben noch viel zu tun.«

Die Freunde standen auf und verfügten sich in Hartecks Wohnung. Die Möbel und das Klavier waren bereits verpackt und sollten heute schon mittels der Eisenbahn nach Hartecks neuem Wohnort befördert werden.

»Willst Du mir beim Packen behilflich sein?« fragte Georg.

»Natürlich! Du magst die ganze Arbeit getrost mir überlassen. Du siehst ohnehin ermüdet aus. Hast Du schlecht geschlafen?«