»Nicht? Wahrscheinlich wollte er Ihnen nicht weh tun ... Aber ich werde ihm beweisen, daß auch ich stark sein kann ... Ich habe ihm schon versprochen, daß ich Ihnen niemals schreiben werde, daß Sie nie wieder von mir hören sollen, und ich werde mein Wort halten.«
»Hat er es von Ihnen verlangt?« fuhr Paula auf. »Das kann er nicht verlangt haben. Diesen armseligen letzten Trost kann er mir nicht rauben wollen ... Ist er doch ohnehin gering genug!«
»Eben deshalb,« murmelte der Priester vor sich hin. »Das Wenige sättigt nicht, ... es zeigt vielmehr bloß an, wie groß der Hunger ist.«
Paula stützte die Arme auf das Fensterbrett und legte das Kinn in die gefalteten Hände. Ihre Augen schweiften über den grauen, endlosen Himmel.
»Bleibt es dabei, daß Sie übermorgen reisen?« fragte sie.
»Ja.« – »Sie wird mir den Betrug verzeihen,« dachte er. »Ich tue es zu ihrem Besten, ... sie wird mich verstehen.«
»Und Sie werden mir nicht schreiben, – kein einziges Mal?« fuhr Paula fort.
»Nein. Ich darf und will nicht. Zu tief habe ich mich an Ihnen versündigt ... Lassen Sie uns der Tragödie ein für allemal ein Ende machen.«
Paula beugte den Kopf. Lange konnte sie kein Wort hervorbringen.
»Sagen Sie mir,« hob sie endlich wieder mit dumpfer Stimme an, »warum sind Sie Priester geworden?«