Die Pferde zogen an, die Knechte schwenkten die Mützen, die Dirnen winkten mit den Händen und die gefühlvolle Uschei führte ihre Schürze an die Augen. Juchei breitete den Plaid über die Kniee des Freundes, und, hart aneinander gerückt, fuhren sie in den kühlen Morgen hinaus. Georgs Lippen zitterten und an seinen Wimpern hingen schwere Tränen.

»Nicht weinen, Alter,« sagte Juchei bittend und schmiegte sich an ihn. »Sieh, wie schön die Sonne hervorbricht!«

Georg schaute nach Osten.

»Ade,« sprach er leise. Wem galt dieser letzte Gruß? Joachim ahnte, wem er gelten mochte, aber er sagte nichts und überließ den Freund seinen Gedanken.


Fräulein Aurelie war an diesem Morgen bitter verstimmt. Daß Harteck fort war, ärgerte sie nicht, wohl aber, daß sie sein Fortgehen hatte wünschen müssen. Ein so unhöflicher, geschmackloser Mensch! Aber der neue »Pfaff« war auch nicht besser. Harteck war doch wenigstens gutmütig gewesen, – aber dieser junge Lecker verstand so spöttisch zu blicken und so herrisch zu sprechen, daß man billig staunen mußte. Dazu eine wahrhaft empörende Gleichgültigkeit gegen – sie ... Das war es. Um sich zu zerstreuen, unternahm das Fräulein nach dem Frühstück einen Spaziergang. Auf dem Wege begegnete ihr Paula, die gerade vom Markte kam.

Aurelie blieb stehen, grüßte überaus höflich und erkundigte sich nach Paulas Befinden. »Sie müssen krank sein, meine Liebe,« sagte sie mit süßlichem Lächeln. »Sie sehen erschreckend schlecht aus, nicht anders, als ob Sie die ganze Nacht gewacht und geweint hätten. Wahrhaftig! so sehen Sie aus. Der Herr Kooperator – oder, wie er jetzt heißt, der Herr Vikar – sah vorgestern ebenso aus, – genau so schlecht wie Sie.«

Paula fühlte den Stich, gab jedoch keine Antwort.

»Sie wissen ja, daß er uns heute verlassen hat?« sprach Aurelie, noch immer lächelnd, weiter und verwandte keinen Blick von dem Mädchen.

»Heute?« wiederholte Paula mit tonloser Stimme. »Ich dachte, ... erst morgen ...«