»Sobald es mir möglich sein wird. Der Ausflug nimmt doch einen ganzen Tag in Anspruch und der Herr Dekan sieht es nicht gern, wenn die Arbeiten im Rückstand bleiben.«

Er grüßte und ging seiner Wege.

»Er mag mich nicht,« dachte Paula. »Seines Auftrages hat er sich entledigt, und er ist froh von mir fortzukommen. Vielleicht haßt er mich sogar, klagt mich an, ... und doch, ... ist es denn meine Schuld, daß ich dort Leid bringen muß, wo ich so gern beglücken möchte? Hartes, hartes Schicksal ...«

Und wieder folgte ein Tag dem anderen. In trostloser Einförmigkeit verstrich Woche um Woche, verging der Sommer, kam der Herbst ... Schon färbten sich die Blätter der Bäume gelb und rot, lag frischer Schnee auf den Bergen; der ernste Oktober brach herein, der traurige November kam gezogen, ... und immer noch wartete Paula auf eine neue Kunde, schlich oft an dem Pfarrhof vorbei, um den jungen Priester vielleicht zu erspähen ... Sie besaß ihm gegenüber keinen Stolz mehr. War er doch der einzige, der ihr Nachricht geben konnte von dem Freunde ... Gern hätte sie sich vor dem kalten jungen Manne gedemütigt, ihn angefleht, ihr ein, nur ein Wort zu sagen, ... aber der Geistliche wußte ihr immer auszuweichen. Einmal jedoch traf sie ihn zufällig auf der Straße, und da sie ihm den Weg vertrat und vor ihm stehen blieb, hemmte auch er den Schritt.

»Ich bin mit dem Befinden meines Freundes gar nicht zufrieden,« sagte er unaufgefordert. »Vor mehreren Wochen hat er sich stark erkältet. Er wurde in der Nacht zu einem Sterbenden geholt, der Weg war weit und beschwerlich, das Wetter sehr häßlich ... und seitdem geht es ihm schlecht. Auf meinen Rat hin hat er nach Salzburg geschrieben und um seine Versetzung nachgesucht ... Hoffentlich wird seinem Wunsche bald entsprochen werden. Die Seelsorge in Keßten ist zu anstrengend für ihn und das Klima zu ungesund.«

»Ja, ... der geistliche Tod,« sprach Paula dumpf vor sich hin.

Mit einer Mischung von Verwunderung und Schrecken schaute Perkow sie an: »Was sagten Sie?«

»Nichts ...« Sie blickte starr in die Luft. Unausweichlich sah sie es kommen, ... Schritt vor Schritt, ... das längst Geahnte, oft Gefürchtete. Es konnte nicht anders sein. Menschen und Schicksal reichten einander die Hand, um ihn zu verderben.

»Wann gehen Sie wieder zu ihm?« fragte sie.

»Dieser Tage. Der Gedanke an ihn läßt mir keine Ruhe. Ich sehe ihn immer vor mir ...«