Hastig brach er ab und entfernte sich.
Kurz vor Weihnachten fand Paula sich an einem Morgen zur Frühmesse in der Kirche ein. Sie saß teilnahmlos in einer Kirchenbank, während Toni neben ihr kniete und andächtig betete. Das junge Mädchen faltete mechanisch die Hände, ihre Gedanken aber weilten nicht bei Gott. Unverwandt hingen ihre Augen an der Gestalt des jungen Priesters, der die heilige Messe las ... Ach! wenn sie doch endlich vorüber wäre, diese Messe. Nicht des Gebetes halber war Paula gekommen. Die Messe war zu Ende, der junge Geistliche erteilte der Gemeinde den Segen, setzte sein Barett auf und begab sich in die Sakristei.
»Geh Du nach Hause,« sagte Paula zu Toni. »Ich komme bald nach ...«
Sie stand auf und folgte dem Priester. Er war eben im Begriff, das Meßkleid auszuziehen und sah die Eintretende nicht sonderlich freundlich an.
»Was wünschen Sie?« fragte er.
»Mit Ihnen sprechen, ... unter vier Augen ...«
Perkow zuckte die Achseln, gab aber dem Meßner und dem Ministranten die Weisung, sich zu entfernen. Die beiden gehorchten mit verwunderten Gesichtern.
»Sie wollen wahrscheinlich wissen, was Harteck macht,« sagte der Geistliche in hartem, fast erbittertem Tone und fuhr fort sich auszukleiden. »Vernehmen Sie denn, daß er sehr krank ist, ... nicht herzkrank, meine ich, sondern physisch krank, ... und wenn die Herren in Salzburg nicht bald die Gnade haben, seinen wiederholten Bitten um Versetzung von Keßten nach einem milderen Klima Gehör zu geben, wird er wohl auf immer dort bleiben müssen ... Wünschen Sie noch etwas zu erfahren?«
»Warum hassen Sie mich?« fragte Paula mit versagender Stimme. »Was habe ich getan? Als ob er allein ... Ich bin ja auch unglücklich.«
»Das bedaure ich von Herzen,« erwiderte er frostig. »Halten Sie mir meine Kälte nicht für übel, ... ich habe meinen Freund sehr lieb; er hat ohnehin genug zu tragen, ... mußte auch das noch über ihn kommen!«