»Kann ich eintreten?« fragte es draußen zurück.

»Der Dekan!« murmelte Joachim mit einem verstörten Blick auf Georg.

»O ja! Warum nicht?« antwortete Harteck für den anderen. »Im Gegenteil! Ich werde mich sehr freuen, den gnädigen Herrn Dekan zu begrüßen ...«

Die Tür ging auf und hereintrat mit zögernden Schritten die beleibte Gestalt des Dekans. Seine Miene war ängstlich und vorsichtig schloß er die Tür.

»Ich habe gehört, daß Sie gekommen sind,« hob er an; doch was er ferner sagen wollte, blieb ihm in der Kehle stecken. Hartecks Anblick entsetzte ihn. Diese abgemagerten Glieder, um die der schwarze Priestertalar schlotterte, die eingesunkene Brust, die hinaufgezogenen Schultern, die hohlen Wangen und Schläfen, die gespenstisch großen Augen und um die Lippen ein scharfer, krankhafter Zug: in so kurzer Zeit eine solche Verwandlung, ... das zu finden, hatte der Dekan nicht erwartet.

Harteck war sitzen geblieben und sah den ehemaligen Prinzipal mit höhnisch herausfordernden Blicken an.

»Sie finden mich sehr verändert, nicht wahr?«

»Allerdings ... ein wenig,« stammelte der Dekan.

»Wenn das hochwürdige Domkapitel von Salzburg« – er schnitt bei diesen Worten eine Grimasse – »mich sehen wird, werden die Herren vielleicht an meine Krankheit glauben, meinen Sie nicht, Herr Dekan? Dann wird es nicht mehr heißen: Was dieser Mensch nur will, ... in einemfort will er anderswohin ... Oder vielleicht irre ich ... vielleicht beurteile ich die Herren zu menschlich, ... vielleicht werden sie sagen: Um so besser! Werden wir ihn endlich los! Er tut ja doch nirgends gut ... Keiner seiner Vorgesetzten mochte ihn leiden, und der hochwürdige Herr Dekan von St. Jakob hat uns streng auf die Seele gebunden, diesen Menschen nicht zu schonen, seinen Alfanzereien kein Gehör zu leihen ...«

»Ich bitte Sie,« fiel ihm der Dekan verstört in die Rede, »halten Sie inne! Was glauben Sie von mir? Es ist mir doch niemals in den Sinn gekommen ...«