»Nicht? Dann bitte ich um Verzeihung, obwohl ich, entschuldigen Sie, Ihren Worten keinen rechten Glauben beimessen kann. Sind nicht Sie es gewesen, der meine Versetzung nach Keßten in Vorschlag gebracht hat?«

»Das habe ich zwar getan ... Wie aber konnte ich voraussehen ...«

»Daß ich erkranken würde? Das konnten Sie freilich nicht voraussehen. Als aber mein Freund Sie bat, Sie wiederholt bat, ein gutes Wort für mich einzulegen, ... was gaben Sie ihm zur Antwort? Daß er Sie verschonen möchte, Sie hätten sich mit diesem Menschen – mit mir nämlich – schon genug gequält und seine Krankheit wäre ohnehin nur erlogen, ... das haben Sie ihm geantwortet. Glauben Sie wirklich, daß ein Mensch mit einem so ehrlichen Gesicht und so treuen Augen wie mein Joachim lügen könne? Das können Sie nicht geglaubt haben, ... aber es war Ihnen lästig, sich meinethalben zu bemühen. Freilich hätte es Ihnen bloß einige Zeilen gekostet, ... aber auch das war zu viel verlangt. Sie wollten mir keinen Liebesdienst erweisen. Das war's.«

Der Dekan sah sich hilfesuchend nach Perkow um. Der aber war zum Fenster hingetreten und kehrte den Sprechenden den Rücken zu. Seine Hände lagen auf dem Fensterbrett, seine Stirn lehnte an der Scheibe. Sogar aus der Entfernung konnte der Dekan wahrnehmen, daß der junge Priester am ganzen Leibe zitterte.

»Sie gehen denn doch zu weit,« sagte der Dekan, der einsah, daß er nicht länger stumm bleiben konnte. »Weshalb sagen Sie mir das alles? Warum sind Sie überhaupt hier?«

»Um Ihnen das alles zu sagen. Zuerst Ihnen, dann der ehrenwerten Gesellschaft in Salzburg. So krank ich bin, ... ich schleppe mich hin zu diesen Herren und fordere Gerechtigkeit. Daß sie sich hüten! Ich bin ein verzweifelter Mensch. Wenn sie nicht nachgeben, will ich andere Saiten aufziehen, ... will aller Welt verkünden, wie man in dieser Diözese gegen den niederen Klerus verfährt, ... austreten will ich aus dieser Diözese und in allen Blättern veröffentlichen lassen, wie man gegen mich vorgegangen ist, ... sie sollen an mich denken, diese Diener der Kirche. Zertreten haben sie mich, – aber ich will den Fuß stechen, der mich zertreten hat. Vielleicht, daß ein Skandal anderen armen, unterdrückten Pfaffen zum Heile werden wird, ... dann mag ich in Gottes Namen zugrunde gehen.«

»Hören Sie mich, Herr Vikar,« sagte der Dekan sichtlich aufgeregt. »Kommen Sie doch zu sich! Sie waren ja sonst nicht so heftig ...«

Harteck lachte bitter in sich hinein.

»Sehen Sie das jetzt ein?«

»Alles sehe ich ein. Hören Sie mich nur, ich beschwöre Sie. Einen Skandal können und dürfen Sie nicht machen. Was würde die Welt dazu sagen? Daß wir den jungen Klerus nichtswürdig behandeln, ... von dem einen Beispiel würden unsere Gegner auf die Gesamtheit schließen. Und das wäre doch eine Unwahrheit ... Fragen Sie Ihren Freund, fragen Sie alle jungen Geistlichen, die in meinem Hause lebten, ... alle werden Ihnen sagen, daß ich sie anständig behandelt habe. Ich bitte Sie, nehmen Sie Vernunft an. Ich werde alles für Sie tun, werde selbst nach Salzburg gehen und den Herren erzählen, was ich gesehen und gehört habe, und ich gebe Ihnen mein Wort, daß Sie von Keßten fortkommen sollen ... Wollen Sie noch sonst etwas? Ich bin bereit, alle Ihre Wünsche zu erfüllen.«