Harteck dachte nach. In seinem gesenkten Gesichte dämmerte kein Schimmer von Versöhnung auf, ... seine Züge blieben finster, wie sie gewesen. Er wußte, was den Dekan so nachgiebig stimmte. Nicht Reue war es oder Mitgefühl; einzig und allein die Furcht vor einem möglichen Skandal.

»Ich bin unfähig, den Seelsorgedienst in Keßten zu versehen,« sagte er nach einer Stille. »Indessen muß er besorgt werden. Verschaffen Sie mir einen Hilfspriester, der, solang ich noch dort bin, den Dienst für mich verrichtet.«

»Gern,« versetzte der Dekan hastig. »Wenn Sie wollen, stelle ich Ihnen den Pater Benediktus zur Verfügung.«

»Den mag ich nicht.«

»Oder Ihren Freund, ... wir werden uns auch ohne ihn behelfen. Lang dauert es keinesfalls ... Ich werde darauf dringen, daß Sie schleunigst versetzt werden.«

Harteck nickte bloß schweigend mit dem Kopfe. Seine Züge verrieten große Erschöpfung, er atmete unruhig. Plötzlich faßte er sich an der Brust und sein Gesicht überflog ein Ausdruck schmerzhafter Ungeduld.

»Der Husten kommt schon wieder,« sagte er verzagten Tones und blickte wie in Angst um sich. »Wenn ich mich nur vor dem erretten könnte! Es tut so weh ...«

Joachim eilte rasch zu ihm hin und stützte sein Haupt mit beiden Händen. Während sich der Brust des Kranken ein lauter, quälender Husten entrang, hielt sich Georg krampfhaft an Joachims Rock fest und auf seine Stirn trat kalter Schweiß.

Der Dekan wurde blutrot im Gesichte. Er glaubte nicht anders, als daß der Priester ersticken müßte. Erleichtert atmete er auf, als der Anfall endlich vorüber ging und er den Kranken mit erloschener Stimme sagen hörte: »Gib mir Wasser, Juchei.«

»Warten Sie! Ich will es ihm bringen!« rief der Dekan. »Bleiben Sie bei ihm.«