Und eilfertig goß er ein Glas voll und setzte es an die Lippen des Priesters, während Joachim mit einem Tuch leise die Schweißtropfen von Georgs wachsbleicher Stirn wischte.
»Danke,« sagte Harteck kurz zum Dekan und trank. Der Dekan betrachtete die abgemagerten, zitternden Hände des Kranken und tiefe Wehmut beschlich seine Seele. Erst dreißigjährig und vielleicht nur noch einen Schritt vom Grabe entfernt! Das war doch namenlos traurig ...
»Weiß Ihre Familie um Ihre Erkrankung?« fragte er.
»Nein.«
»Aber das ist nicht recht von Ihnen ... Sie sollten Ihre Mutter zu sich berufen, um sich von ihr pflegen zu lassen.«
»Ich brauche niemanden, wenn ich Joachim habe,« antwortete Harteck mit unsäglicher Zärtlichkeit und führte die Hand des Freundes an die Lippen. Juchei kämpfte augenscheinlich gegen Tränen.
»Unter meiner Pflege wirst Du gewiß wieder gesund werden,« sagte er mit dem Versuch, seiner Stimme einige Festigkeit zu verleihen, was ihm jedoch schlecht gelang.
»Dazu ist es wohl zu spät. Aber vielleicht, daß in einem milderen Klima, ... ich bin noch jung, ... nur noch ein paar Jahre, ... nur nicht schon jetzt! Jetzt ist es noch zu früh. Nicht daß ich so sehr an diesem elenden Dasein hinge, ... nicht meinetwegen kämpfe ich so ängstlich um das Leben, ... es ist ja doch verspielt ... Dennoch flehe ich zu Gott, mir noch einige Jahre zu schenken und mich erst dann abzuberufen, wenn – jemand mich vergessen hat ...«
Er stand rasch auf und ging mit großen Schritten in Joachims Schlafstube.
»Morgen reise ich nach Salzburg,« sprach der Dekan erschüttert. »Und Sie, ... was gedenken Sie mit ihm anzufangen?«